Darmentzündung, Betroffenen

Darmentzündung: Zwei Drittel der Betroffenen berichten von Lebensmittel-Symptomen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 05:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine 2026 veröffentlichte Studie verknüpft veränderte Darmbakterien mit Unverträglichkeiten gegenüber Milchprodukten und Gluten.
Eine Schale mit weißem Reis und eine Tasse Brühe auf einem Holztisch als Symbol für eine schonende Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spielt die gezielte Auswahl von Lebensmitteln eine wesentliche Rolle für den Krankheitsverlauf. Fachliche Ratgeber betonen insbesondere in akuten Entzündungsschüben die Notwendigkeit einer angepassten Nährstoffzufuhr sowie einer zeitweisen Reduktion von Ballaststoffen, um die gereizten Schleimhäute im Verdauungstrakt mechanisch zu entlasten.

Etwa zwei Drittel aller Betroffenen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen berichten über lebensmittelbezogene Symptome, wobei Milchprodukte, Weizen und Ballaststoffe zu den am häufigsten genannten Auslösern zählen.

Gezielte Entlastung bei Morbus Crohn

Während eines akuten Schubs von Morbus Crohn wird Betroffenen eine ballaststoffarme Kost empfohlen. Die Basis bilden leicht verdauliche Kohlenhydrate aus raffiniertem Reis oder Mehl, während grobe Vollkornprodukte, trockene Hülsenfrüchte sowie blähende Nahrungsmittel konsequent gemieden werden sollten.

Auch Obst und Gemüse sind in dieser Phase weitgehend zu reduzieren; lediglich ballaststoffarmes Wurzelgemüse gilt als verträgliche Option. Liegen Mangelerscheinungen wie Kaliummangel oder Blutarmut vor, bieten sich Gemüsesäfte, Fruchtsäfte, entfettete Fleischbrühen sowie Dattel- und Leberbrühen an.

Als Eiweißquellen eignen sich fettarmes Fleisch, Fisch, Geflügel, Leber, Eier und Sojaprodukte. Fettige Speisen sollten dagegen nicht auf dem Speiseplan stehen, und auch Milch ist im akuten Zustand einzuschränken oder ganz wegzulassen.

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Neben einer dichten Nährstoffzufuhr zur Verringerung der Belastung für den Darm können medikamentöse Therapien mit 5-ASA oder Tripterygium wilfordii dazu beitragen, übermäßige Immunreaktionen langfristig zu dämpfen.

Schonkost und Nährstoffausgleich bei Colitis ulcerosa

Bei Colitis ulcerosa erfordert die Durchfallphase eine sorgfältig zusammengestellte Schonkost, um mechanische Reizungen der Darmschleimhaut abzuwenden. Hierzu gehört die Reduktion faserreicher Gemüsesorten wie Lauch, Sellerie oder Knoblauchstängel.

Milchprodukte sollten vor allem dann eingeschränkt werden, wenn der Verdacht auf eine Milcheiweißallergie oder einen Laktasemangel besteht, was den Durchfall lindern kann; Laktasemangel tritt in China häufiger auf als in westlichen Ländern.

Führt der chronische Blutverlust oder eine Fehlernährung zu einer Anämie, ist eine gezielte Ergänzung von Eisen und Folsäure sowie gegebenenfalls von Kalzium, Magnesium und Zink erforderlich. Bei schwerer Mangelernährung kann zeitweise eine enterale oder parenterale Ernährung notwendig werden. Zudem empfiehlt sich körperliche Schonung in aktiven Phasen.

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Auf medikamentöser Ebene kommt häufig Sulfasalazin zum Einsatz. Da hierbei Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Hautausschläge, Granulozytopenie, Anämie oder Leberfunktionsstörungen auftreten können, stehen Wirkstoffe wie Metronidazol, Neomycin oder Phthalylsulfathiazol als Ausweichmöglichkeiten bereit.

Wechselspiel zwischen Mikrobiom und Entzündungsprozessen

Neue biologische Erklärungen für Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen liefert eine im Fachjournal Gastroenterology im Jahr 2026 veröffentlichte Forschungsarbeit. Demnach verändert eine chronische Entzündung das Mikrobiom im Darm derart, dass spezifische Bakterien abnehmen, die für den Abbau von Milchprodukten und Gluten zuständig sind.

Fehlen diese Bakterien, kann der Verzehr entsprechender Bestandteile eine allergieartige Immunantwort im Kolon auslösen. Betroffene mit Unverträglichkeiten weisen entsprechend geringere Konzentrationen dieser Bakterien und eine verringerte Abbaukapazität auf.

In Versuchen mit zwei Colitis-Mausmodellen führte der Kontakt mit Milchprodukten oder Gluten nach einer akuten Entzündung zu messbaren Immunreaktionen.

Wurden die Substanzen später wieder eingeführt, verstärkten sich die Empfindlichkeit und die Krankheitssymptome weiter. Ein Mikrobiomtransfer von entzündeten Tieren auf sterile Mäuse steigerte deren Anfälligkeit, während die Gabe der fehlenden Bakterien die Symptome milderte.

Studienautor Alberto Caminero von der McMaster University im kanadischen Hamilton sieht in diesen Erkenntnissen Potenzial für künftige Mikrobiom-basierte Therapien, verweist jedoch darauf, dass auch genetische Faktoren, Infektionen und Stress eine entscheidende Rolle im Krankheitsgeschehen spielen.

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