Darmflora, Immunsystem

Darmflora im Alter: Immunsystem, nicht Bakterien, entscheidet

02.06.2026 - 07:48:43 | boerse-global.de

Forschung zeigt: Immunseneszenz ist Hauptgrund für instabile Darmflora. Neue Therapien könnten auf Immunstärkung statt Probiotika setzen.

Darmflora im Alter: Immunsystem, nicht Bakterien, entscheidet - Bild: über boerse-global.de
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Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena, veröffentlicht Ende Mai in PLoS Biology.

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Immunseneszenz als Hauptursache für Dysbiose

Der als Dysbiose bekannte Zustand einer instabilen Darmflora ist demnach primär die Folge einer nachlassenden Immunüberwachung. Die sogenannte Immunseneszenz führt dazu, dass das Immunsystem mit der Zeit die Fähigkeit verliert, das Wachstum dominanter Bakterienarten zu regulieren.

Die Folge: Opportunistische Keime gewinnen die Oberhand, die mikrobielle Vielfalt sinkt, chronische Entzündungsprozesse – das Inflammaging – werden gefördert. Die Erkenntnis könnte die Entwicklung künftiger Therapien grundlegend beeinflussen. Statt nur Probiotika oder Stuhltransplantationen einzusetzen, müssten gezielt die Immunfunktionen gestärkt werden.

Langlebigkeit: Mikrobiom als Schlüssel

Ein konkretes Beispiel für die Trennbarkeit von chronologischem und biologischem Alter liefert eine Untersuchung der Universität Barcelona vom 31. Mai, publiziert in Cell Reports Medicine. Ein Team um Dr. Manel Esteller analysierte die Daten von Maria Branyas, die mit 117 Jahren verstarb.

Trotz typischer Altersmerkmale wie verkürzter Telomere und eines proentzündlichen Immunsystems blieb sie von Demenz, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont. Ihr biologisches Alter wurde auf bis zu 23 Jahre unter ihrem chronologischen geschätzt. Wesentliches Merkmal: ein spezifisches Mikrobiom mit hohen Anteilen an Bifidobacterium-Stämmen sowie ein günstiges Blutfettprofil mit hohen HDL- und niedrigen VLDL-Werten.

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Bakterien beeinflussen Kalorienaufnahme

Wie stark Darmbakterien den Stoffwechsel beeinflussen, zeigt eine Studie der Arizona State University vom 27. Mai. Mit einem mathematischen Modell namens DAMM wiesen die Forscher nach, dass die Bakterienzusammensetzung die tägliche Kalorienaufnahme erheblich beeinflusst.

Das Modell erreichte 96 Prozent Genauigkeit bei der Berechnung der Energiegewinnung aus unverdaulichen Nahrungsresten, die von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert werden. Je nach Mikrobiom-Zusammensetzung kann die tatsächliche Kalorienaufnahme bei identischer Ernährung um mehrere hundert Kalorien pro Tag variieren.

Junges Mikrobiom schützt Organe

Forscher der University of Texas Medical Branch zeigten auf der Digestive Disease Week 2026, dass ein „junges“ Mikrobiom positive Effekte auf die Organfunktion hat. In Versuchen mit Mäusen, denen ihr eigenes, in der Jugend konserviertes Mikrobiom transplantiert wurde, sanken Entzündungswerte und das Leberkrebsrisiko deutlich.

In der behandelten Gruppe entwickelte keines der Tiere einen Tumor, in der Kontrollgruppe erkrankten zwei von acht.

Molekulare Uhren messen biologisches Alter

Um den Erfolg solcher Interventionen messbar zu machen, entwickelte eine internationale Forschungsgruppe um Alexander Tyshkovskiy und Vadim Gladyshev von der Harvard Medical School universelle molekulare Uhren. Die Studie wurde am 1. Juni in Nature veröffentlicht.

Die Uhren ermöglichen die präzise Messung des biologischen Alters und des Sterberisikos durch die Analyse von Transkriptomen. Als zentrale Indikatoren identifizierten die Forscher die Gene CDKN1A und LGALS3. Hohe Proteinkonzentrationen dieser Marker im Blut korrelieren laut Daten der britischen Biobank mit einem erhöhten Risiko für vorzeitigen Tod. Lebensverlängernde Maßnahmen wie Kalorienrestriktion senken das molekulare Alter messbar.

Parallel untersuchen Wissenschaftler neue Ansätze gegen spezifische Entzündungsmechanismen. Im Rahmen der Alzheimer-Forschung wurde die Rolle des STING-Proteins bei Neuroinflammationen identifiziert. Eine gezielte Blockade bestimmter Bindungsstellen an diesem Protein könnte künftig entzündungsbedingte Synapsenverluste verhindern.

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