Darmkeim, Akkermansia

Darmkeim Akkermansia: Nach DiÀt nur halb so viel Jojo-Effekt

26.05.2026 - 11:06:05 | boerse-global.de

Studie belegt: Bestimmte Darmkeime reduzieren Gewichtszunahme nach DiÀt um mehr als die HÀlfte.

Darmkeim Akkermansia: Nach DiĂ€t nur halb so viel Jojo-Effekt - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Darmkeim Akkermansia: Nach DiĂ€t nur halb so viel Jojo-Effekt - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das Bakterium Akkermansia muciniphila könnte der SchlĂŒssel sein.

Mikrobiom als HoffnungstrÀger

Am 25. Mai 2026 veröffentlichte ein Team um Ellen Blaak von der UniversitĂ€t Maastricht vielversprechende Ergebnisse in „Nature Medicine". 84 Teilnehmer erhielten nach einer achtwöchigen DiĂ€t entweder ein PrĂ€parat mit dem Bakterium oder ein Placebo. Über 24 Wochen beobachteten die Forscher einen deutlichen Unterschied: Die Bakteriengruppe nahm nur 14 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu, die Placebogruppe dagegen 33 Prozent.

Insgesamt lag der Gewichtsverlust in der Bakteriengruppe drei Kilogramm höher. Zudem verbesserten sich Insulinwirkung und EntzĂŒndungswerte. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Experten mahnen dennoch zur Vorsicht – Langzeitstudien fehlen noch.

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Der Kreislauf der Gefahr

Warum stabile Gewichtsabnahme so wichtig ist, zeigt eine weitere Studie der Georgetown University, ebenfalls vom 25. Mai. In Tierversuchen durchliefen Ratten drei DiĂ€tzyklen mit je 20 Prozent Gewichtsverlust und anschließender Normalisierung.

Die Folgen waren alarmierend: reduzierte Herzleistung, verschlechterte Nierenfunktion und eine 2,6-fach höhere Insulinresistenz. Der Jojo-Effekt ist demnach kein Ă€sthetisches Problem, sondern eine ernsthafte Belastung fĂŒr Herz und Stoffwechsel.

Medikamente mit biologischen Grenzen

Parallel dazu gibt es Fortschritte bei Abnehm-Medikamenten. Eli Lilly legte am 25. Mai Ergebnisse der Phase-3-Studie „TRIUMPH-1" zum Wirkstoff Retatrutid vor. Der 3-fach-Agonist erzielte ĂŒber 80 Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 28,3 Prozent. Nach 104 Wochen waren es sogar 30,3 Prozent.

Doch warum stoppen viele Patienten trotz Medikamenten auf einem Plateau? Die National Institutes of Health (NIH) liefern die Antwort: Das Gehirn sucht ein neues biologisches Gleichgewicht. Das Plateau sei eine vorhersagbare Reaktion – kein Versagen der Patienten.

Passend dazu sprach sich die EMA am 24. Mai fĂŒr die Zulassung einer oralen Variante von Wegovy in der EU aus. In den USA nutzen bereits ĂŒber eine Million Menschen die Pille.

Wenn Medikamente das Mikrobiom stören

Die StabilitĂ€t der Darmflora wird nicht nur durch BakterienprĂ€parate beeinflusst. Eine Langzeitstudie der UniversitĂ€t Tartu mit ĂŒber 2.500 Teilnehmern zeigte: 167 von 186 untersuchten Medikamentenklassen verĂ€ndern das Mikrobiom. Bei 78 Wirkstoffen hielten die Effekte lĂ€nger als drei Jahre nach dem Absetzen an.

Besonders gravierend wirken Benzodiazepine – ihr Einfluss auf die Darmflora ist mit Breitbandantibiotika vergleichbar. Auch Antidepressiva, Betablocker und Protonenpumpenhemmer haben langfristige Folgen.

Der Teufelskreis aus Muskelabbau und EntzĂŒndung

Ein weiterer Faktor: Das Stoffwechselprodukt TMAO (Trimethylamin-N-oxid) kann den Muskelschwund bei Typ-2-Diabetes um bis zu 54 Prozent verstĂ€rken. TMAO stört die Insulinresistenz und fördert EntzĂŒndungen. Zur Senkung der TMAO-Produktion empfehlen Fachleute Hemmstoffe wie DMB – enthalten in Olivenöl und Balsamico-Essig.

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Was Àndert sich im Alltag?

Eine Umfrage der Deutschen Bank vom MĂ€rz 2026 zeigt: 54 Prozent der GLP-1-Nutzer kochen hĂ€ufiger zu Hause und gehen seltener essen. Die Ausgaben pro Restaurantbesuch steigen jedoch – der Gesamtumsatz der Branche bleibt stabil.

ErnĂ€hrungsexperten raten zu Konstanz statt radikalen DiĂ€ten. Ballaststoffreiche FrĂŒhstĂŒcke wie Haferflocken mit NĂŒssen fördern die Darmgesundheit und sorgen fĂŒr langanhaltende SĂ€ttigung. Eine Metaanalyse aus 2025 bestĂ€tigt: Wer das FrĂŒhstĂŒck auslĂ€sst, nimmt eher zu.

Der Weg zur ganzheitlichen Therapie

Die ZusammenfĂŒhrung von Mikrobiomforschung, Neurowissenschaften und Pharmakologie markiert einen Wendepunkt. ZukĂŒnftige Therapien werden eine Kombination aus mikrobiellen Supplementen, Medikamenten und LebensstilĂ€nderungen umfassen.

Auch Stressreduktion spielt eine Rolle. Eine Studie der UniversitÀt Sevilla vom April 2026 belegt: Yoga verÀndert die Gehirnstruktur positiv und stÀrkt die psychische Resilienz. Der Fokus verschiebt sich weg von kurzfristiger Kalorienrestriktion hin zur biologischen Stabilisierung des gesamten Organismus.

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