Darmkrebs: Akk-Probiotikum erzielt 19 Prozent Ansprechrate in Phase-I-Studie
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 17:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deForscherteams aus Südkorea und China untersuchen neue Methoden zur selektiven Beeinflussung von Darmbakterien, um kognitive Funktionen zu schützen und die Behandlungsprognosen bei Krebserkrankungen zu verbessern. Neuere Studiendaten zeigen, wie gezielte Eingriffe in das Mikrobiom über Probiotika oder metabolische Signalwege therapeutische Effekte erzielen können.
Probiotische Ansätze gegen Tumorresistenzen bei Darmkrebs
Ein Team des Westchina-Krankenhauses der Sichuan-Universität um Ma Xuelei untersuchte im Fachjournal Cell Host & Microbe den Einfluss des Bakteriums Akkermansia muciniphila (Akk). Rund 85 Prozent der kolorektalen Karzinome gehören zum mikrosatellitenstabilen Typ (MSS) und weisen eine intrinsische Resistenz gegen Therapien mit PD-1-Antikörpern auf.
Im Mausmodell des mikrosatellitenstabilen kolorektalen Karzinoms hemmte die orale Gabe von Akk die Tumorentstehung. Mechanistisch schwächt das Bakterium über den TLR2/NF-?B-Pfad die Fähigkeit von Makrophagen zur Phagozytose apoptotischer Zellen. Dadurch wird der cGAS-STING-Pfad aktiviert, was die Produktion von Typ-I-Interferon ankurbelt und CD8+-T-Zellen aktiviert.
In einer klinischen Phase-I-Studie (NCT06865521) erprobten die Forscher die Kombination des Akk-Probiotikums mit einem PD-1-Antikörper bei Patienten mit metastasiertem MSS-Kolorektalkarzinom nach mindestens einer Vortherapie. Neben einer guten Sicherheit dokumentierten die Mediziner eine objektive Ansprechrate von 19 Prozent.
Kognitive Funktionen und Biomarker im Fokus
In Südkorea prüften Wissenschaftler im Rahmen der GARD-Kohorte den Einfluss probiotischer Interventionen auf das Nervensystem. An der im Journal of Alzheimer's Disease erschienenen doppelblinden Untersuchung nahmen 87 Personen mit früher kognitiver Beeinträchtigung teil.
Während 47 Teilnehmende ein Placebo erhielten, nahmen 40 Probanden über einen Zeitraum von 24 Wochen das Probiotikum KL-P301 ein, das aus Bifidobacterium animalis, Limosilactobacillus fermentum und Levilactobacillus brevis besteht.
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In der Probiotikagruppe zeigte sich eine signifikante Absenkung des Alzheimer-Biomarkers Plasma-pTau181 sowie des Entzündungsmarkers IL-1? im Vergleich zur Placebogruppe. Zudem blieben zwei weitere Marker für Nervenschädigungen stabil, während in der Kontrollgruppe teilweise Anstiege auftraten.
Die Probanden erzielten bessere Resultate auf dem Clinical Dementia Rating und bei visuell-räumlichen Aufgaben, wenngleich nicht alle Vergleiche statistische Signifikanz erreichten.
Die Autoren stuften die Befunde als vorläufig ein. Ein direkter Nachweis für die Reduktion von Tau-Fibrillen im Gehirn liege nicht vor, weshalb größere und länger angelegte Studien mit Tau- und Amyloid-PET erforderlich seien.
Mikrobielle Marker für den Verlauf kognitiver Störungen
Ergänzend zu therapeutischen Ansätzen untersuchen Forschungsgruppen die Aussagekraft bakterieller Profile für Krankheitsverläufe. Ein Team der Cardiff University und des Imperial College London analysierte mittels maschinellem Lernen Stuhlproben von 35 älteren Erwachsenen, überwiegend Paare, bei denen jeweils ein Partner unter einer leichten kognitiven Beeinträchtigung litt.
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Bei betroffenen Personen traten erhöhte Werte von Izemoplasmatales spp. und der Aminosäure Prolin auf, während Ruminococcus spp., Lachnospira spp. und Fumarsäure erniedrigt waren. Im Verlauf eines Jahres verschlechterten sich Gedächtnis und Denkvermögen schneller, wenn zu Beginn höhere Konzentrationen von Bilophila spp., Arginin, Asparaginsäure und Hypoxanthin sowie niedrigere Werte von Coprococcus spp. vorlagen.
Nach Angaben der Mitautorin Dr. You Zhou betrifft die leichte kognitive Beeinträchtigung weltweit etwa jeden vierten älteren Erwachsenen. Angesichts der geringen Probandenzahl verweisen die Autoren auf die Notwendigkeit von Bestätigungen in größeren Kohorten.
