Darmkrebs, Jüngeren

Darmkrebs bei Jüngeren: Fälle unter 50 steigen in Großbritannien um mehr als 50 Prozent

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Daten zeigen höhere Raten bei mehreren Krebsarten; in Deutschland nahm Darmkrebs besonders bei jüngeren Erwachsenen zu.

Krebsdiagnosen unter 50 steigen: Forschung sucht nach Ursachen
Ein steriles, modernes medizinisches Forschungslabor mit hellen Oberflächen und Glasgeräten bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftler untersuchen vermehrt die Ursachen für einen beobachteten Anstieg von Krebsdiagnosen bei Erwachsenen unter 50 Jahren. Internationale Datenauswertungen verdeutlichen diese Entwicklung bei verschiedenen Tumorarten, wobei neben biologischen Mechanismen auch Faktoren des Lebensstils sowie Umweltbedingungen im Mittelpunkt der Forschung stehen.

Zuwächse in internationalen Registern

Auswertungen des World Cancer Research Fund (WCRF) zu zwölf Krebsarten in den USA, den Niederlanden und Großbritannien belegen, dass die Raten von Darm- und Nierenkrebs bei unter 50-Jährigen in allen drei Ländern gestiegen sind.

Bei Frauen wurden zudem Zunahmen bei Brust- und Gebärmutterkrebs verzeichnet. Eine WCRF-Untersuchung von Daten des britischen Gesundheitsdienstes NHS für England im Zeitraum von 2001 bis 2023 dokumentiert steigende Diagnosen bei mehreren Krebsformen:

  • Darmkrebs: Anstieg von 1.289 auf 2.989 Fälle; die Rate kletterte von 3,9 auf 8,4 je 100.000 Personen unter 50 Jahren. Die jährliche Diagnoserate verschob sich von etwa 1 je 26.000 auf 1 je 12.000.
  • Prostatakrebs: Zunahme von 158 auf 640 Fälle bei Männern unter 50 Jahren (Rate von 1,0 auf 3,6 je 100.000).
  • Nierenkrebs: Anstieg von 510 auf 1.065 Fälle (Rate von 1,5 auf 3,0 je 100.000).
  • Gebärmutterkrebs: Zunahme von 335 auf 698 Fälle bei Frauen unter 50 Jahren (Rate von 1,8 auf 3,9 je 100.000).
  • Weitere Krebsarten: Zuwächse zeigten sich in England auch bei Brustkrebs (von 6.886 auf 8.507 Fälle; Rate von 42 auf 47,5 je 100.000), Bauchspeicheldrüsenkrebs (von 255 auf 346 Fälle; Rate von 0,8 auf 1,0 je 100.000) und Leberkrebs (von 160 auf 278 Fälle; Rate von 0,5 auf 0,8 je 100.000).

Über die vergangenen 20 Jahre stieg laut WCRF in Großbritannien die Darmkrebsrate unter 50 Jahren bei Männern von 4,0 auf 8,4 und bei Frauen von 3,8 auf 8,3 je 100.000 Personen, während Lungenkrebs bei Jüngeren zurückging.

Die Organisation Cancer Research UK stellte fest, dass die Darmkrebsrate bei 25- bis 49-Jährigen im Vereinigten Königreich seit den frühen 1990er-Jahren um mehr als 50 Prozent zunahm.

Internationale Erhebungen des WCRF zeigen ein ähnliches Bild: In einer Studie mit Daten aus 50 Ländern und Regionen bis 2017 stieg früh auftretender Darmkrebs in 27 Ländern, darunter in Chile mit fast 4 Prozent jährlich.

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Eine Untersuchung aus 42 Ländern für den Zeitraum von 2003 bis 2017 zeigte zudem Anstiege bei Schilddrüsen-, Brust-, Nieren- und Gebärmutterkrebs sowie Leukämie bei jüngeren Kohorten.

Einzelne Zentren melden ebenfalls hohe Steigerungen; so verzeichnete eine Klinik in São Paulo zwischen 2000 und 2023 bei Darmkrebspatienten unter 50 Jahren ein jährliches Plus von 7,6 Prozent, wobei diese Einrichtungsdaten keinen landesweiten Trend abbilden.

Entwicklung in Deutschland

In Deutschland stieg die Gesamtrate über alle Krebsarten hinweg bei Personen unter 50 Jahren laut WCRF zwischen 1999 und 2019 von 92,0 auf 95,2 je 100.000 (ein Plus von rund 3 Prozent), während die Sterblichkeit sank.

Differenzierte Zahlen liegen für Darmkrebs im Zeitraum 2003 bis 2023 vor: Hier stieg die Rate bei den 20- bis 49-Jährigen jährlich um durchschnittlich 0,8 Prozent bei Männern und 0,9 Prozent bei Frauen.

Bei den 20- bis 29-Jährigen betrug der jährliche Anstieg 3,3 Prozent bei Männern beziehungsweise 3,9 Prozent bei Frauen, während die Werte in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen weitgehend stabil blieben. Von jährlich rund 56.000 Darmkrebsfällen in Deutschland betreffen etwa 5 Prozent Personen unter 50 Jahren.

Forschungsansätze zu Ursachen und Prävention

Die genauen Mechanismen hinter diesen Entwicklungen gelten nach wie vor als unvollständig geklärt. Eine Analyse der University of Edinburgh auf Basis von 20-jährigen Daten aus England, den USA und den Niederlanden legt dar, dass jüngere Generationen bei mehreren Tumorarten höhere Erkrankungsraten aufweisen als ihre Eltern im selben Lebensalter.

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Verbesserte Diagnostikverfahren tragen zwar dazu bei, erklären den Anstieg laut der Universität jedoch nicht vollständig. Rund 20 Prozent der früh auftretenden Darmkrebsfälle seien zudem auf erbliche Syndrome zurückzuführen.

Als wesentliche Einflussfaktoren gelten Veränderungen bei Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Umweltbelastungen. Laut dem WCRF haben sich die Adipositasraten bei Erwachsenen weltweit seit 1990 mehr als verdoppelt und bei Jugendlichen vervierfacht; in England galten im Jahr 2024 rund 66 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig oder adipös.

Auf Bevölkerungsebene führen Experten rund 40 Prozent der Krebsfälle auf individuell veränderbares Verhalten zurück. Auch das Darmmikrobiom, Alkoholkonsum und Rauchen werden untersucht; Hinweise auf einen Zusammenhang mit modRNA-Impfungen liegen in den Berichten nicht vor.

Um weitere biologische Zusammenhänge zu ergründen, plant die Initiative PROSPECT-UK eine Studie mit 250.000 Personen im Alter von 18 bis 50 Jahren. Trotz der steigenden Raten sehen Forschende des WCRF derzeit keinen Anlass für eine allgemeine Ausweitung von Screening-Programmen auf jüngere Altersgruppen; anhaltende oder ungeklärte Symptome sollten Betroffene jedoch frühzeitig medizinisch abklären lassen.

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