Darmkrebs bei Jugendlichen: Studie erfasst 84 Patienten bis 21 Jahre
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Berichte und epidemiologische Auswertungen verweisen verstärkt auf veränderte Krankheitsmuster bei jüngeren Altersgruppen. Neben einer steigenden Inzidenz von Darmkrebserkrankungen bei jungen Patienten rücken auch ernährungsbedingte Infektionsrisiken durch Parasiten in den Fokus der Aufmerksamkeit von Medizinern.
Symptome und Verlauf bei jungen Patienten
Eine Studie des Mass General Brigham Cancer Institute untersuchte 84 Patienten bis zum Alter von 21 Jahren, die zwischen 2012 und 2023 in 34 Krankenhäusern in den USA diagnostiziert worden waren.
Das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 16,5 Jahren. Bei der Mehrheit erfolgte die Diagnose erst in einem fortgeschrittenen Stadium: 45 Prozent der Patienten verstarben, während bei 37 Prozent die Erkrankung innerhalb eines Jahres zurückkehrte.
Als häufigste Symptome gaben 74 Prozent der Betroffenen Rücken- oder Bauchschmerzen an, 45 Prozent berichteten über veränderte Stuhlgewohnheiten, rund 40 Prozent über unerklärlichen Gewichtsverlust und 38 Prozent über rektale Blutungen. Die Forschenden raten daher dazu, anhaltende Beschwerden auch bei jungen Menschen ohne bekannte Vorerkrankungen gezielt abzuklären. Die genauen Ursachen für den Anstieg in dieser Altersgruppe sind bislang unklar.
Datenlage in Deutschland und internationale Entwicklung
In Deutschland zeigt eine Auswertung von zehn Krebsregistern für die Jahre 2003 bis 2023, dass die Darmkrebsinzidenz bei den 20- bis 29-Jährigen sowie bei den 30- bis 39-Jährigen gestiegen ist. Der stärkste Anstieg zeigte sich dabei in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen, während die Raten bei den 40- bis 49-Jährigen weitgehend stabil blieben.
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Die Analyse von mehr als 28.000 Fällen ergab zugleich, dass die Inzidenzraten in Deutschland sowohl zu Beginn als auch am Ende des Zeitraums deutlich unter den Vergleichswerten aus den USA lagen und der Anstieg langsamer verlief.
Fachleute sehen derzeit keinen ausreichenden Grund, das reguläre Screening-Alter in der Allgemeinbevölkerung unter 50 Jahre zu senken. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums entfallen von den jährlich rund 56.000 Neuerkrankungen in Deutschland etwa 5 Prozent auf Menschen unter 50 Jahren.
Laut der American Cancer Society steigt die Darmkrebsinzidenz bei den 20- bis 49-Jährigen in den USA jährlich um rund 3 Prozent. Auch die Sociedad Anticancerosa de Venezuela berichtet, dass 20 Prozent der dort diagnostizierten Darmkrebsfälle Personen unter 55 Jahren betreffen.
Einfluss von Lebensstil, Darmflora und Nahrungsinfektionen
Als mögliche Einflussfaktoren für frühe Erkrankungen gelten eine Ernährung mit verarbeitetem Fleisch, Ballaststoffmangel, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie Veränderungen des Mikrobioms.
Eine in der Fachzeitschrift Cell veröffentlichte Untersuchung der Mayo Clinic an 1.364 Krebspatienten stellte bei Darmkrebsbetroffenen bis 50 Jahre vermehrt das Bakterium Veillonella parvula sowie höhere Laktatwerte fest, wenngleich damit kein Ursache-Wirkung-Nachweis erbracht ist.
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Zudem weisen Studien darauf hin, dass durch Colibactin verursachte Erbgutschäden in Tumoren von unter 40-Jährigen häufiger vorkommen als bei Patienten über 70 Jahren.
Gleichzeitig mahnen Berichte zur Achtsamkeit bei Risiken durch Erreger, die über die Nahrung aufgenommen werden. Der SWR berichtete über den Fall einer 19-Jährigen, bei der eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm 80 Prozent der Leber befallen hatte.
In Deutschland treten jährlich rund 50 neue Fälle dieser Infektion auf. Die Aufnahme der Parasiteneier erfolgt meist über ungewaschene Waldfrüchte oder bodennahe Nahrungsmittel wie Beeren oder Pilze; Symptome können sich erst bis zu 15 Jahre später zeigen.
Als Schutzmaßnahmen gelten gründliches Händewaschen sowie das Waschen von Obst und Gemüse. Ein Erhitzen auf über 60 Grad Celsius für fünf Minuten tötet die Eier ab, während herkömmliches Tiefkühlen keinen Schutz bietet.
