Darmkrebs, Dostarlimab

Darmkrebs: Dostarlimab ermöglicht komplette Remission ohne OP

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Weltweit steigende Darmkrebsraten, besonders in Entwicklungsländern, stehen neuen Therapieansätzen wie Dostarlimab gegenüber.

Darmkrebs weltweit: Neue Therapien und Früherkennung im Fokus
Modernes medizinisches Diagnosegerät und Bildschirme mit medizinischen Daten in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der Darmkrebserkrankungen steigt weltweit – besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dort werden die meisten Fälle viel zu spät erkannt.

Vietnam: Zwei Drittel der Patienten mit Spätdiagnose

In Vietnam hat sich die Zahl der Darmkrebserkrankungen in 20 Jahren fast verdoppelt. Jährlich gibt es rund 16.835 Neuerkrankungen und etwa 8.454 Todesfälle. Das Problem: Rund zwei Drittel der Patienten erhalten die Diagnose erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Im Zentralkrankenhaus Hue lag das Durchschnittsalter der Betroffenen bei 62,1 Jahren.

Die Gründe liegen auf der Hand: Ungleicher Zugang zu moderner Endoskopie und hohe Kosten für Vorsorgeuntersuchungen. Eine Koloskopie kostet dort je nach Anästhesie zwischen 12 und 60 US-Dollar – für viele unerschwinglich.

Afrika: 70 Prozent der Patienten im fortgeschrittenen Stadium

Noch dramatischer ist die Lage in Subsahara-Afrika. Die WHO prognostiziert für die Region bis 2050 eine Verdopplung der Krebsfälle. In Nigeria etwa stehen für 242 Millionen Einwohner gerade einmal 80 Onkologen zur Verfügung. Rund 70 Prozent der Patienten werden erst im dritten oder vierten Stadium diagnostiziert – die Überlebenschancen sinken dadurch massiv.

Europa setzt auf interdisziplinäre Teams

Ganz anders die Situation in spezialisierten Zentren Europas. Am Darmkrebszentrum des Städtischen Krankenhauses Pirmasens arbeiten Chirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten in Tumorkonferenzen zusammen. Nach Angaben der Klinikleitung können dort rund zwei Drittel der Patienten geheilt werden.

Wearables erkennen Entzündungen Wochen vor Ausbruch

Könnten Fitnessarmbänder künftig vor Krebs warnen? Die „IBD Forecast Study“ mit über 300 Teilnehmern zeigt: Wearables erkennen Schübe von Colitis ulcerosa bis zu sieben Wochen vor den ersten Symptomen. Überwacht werden Parameter wie Ruheherzfrequenz und Schrittzahl. Zudem deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Antikörpersignaturen das Risiko für Morbus Crohn bereits zehn Jahre vor der Diagnose anzeigen.

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Bluttests sagen Therapieerfolg voraus

In der Nachsorge gewinnen molekularbiologische Verfahren an Bedeutung. Ergebnisse der „ESMO GI 2026“-Konferenz belegen den Nutzen von MRD-Tests (Minimal Residual Disease). Der Signatera-Test kann bei Patienten mit Lebermetastasen vorhersagen, ob eine Chemotherapie Vorteile bringt. Patienten mit positivem MRD-Status nach der Operation hatten mit Chemotherapie eine 48-Monats-Überlebensrate von 65,3 Prozent – ohne Behandlung nur 32,9 Prozent.

Wirkstoff Dostarlimab: Komplette Remission ohne OP

Ein Medikament sorgt für Aufsehen: Dostarlimab (Jemperli) zeigt bei bestimmten Tumorprofilen beeindruckende Ergebnisse. In der Phase-2-Studie „AZUR-1“ erreichten Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom und spezifischen genetischen Merkmalen (dMMR/MSI-H) nach sechs Monaten eine anhaltende komplette Remission. Die Folge: Bestrahlung oder Operation könnten bei dieser Gruppe künftig überflüssig werden. Ein Antrag auf beschleunigte Zulassung liegt bereits bei der FDA.

Neue endoskopische Methode für Palliativpatienten

Auch die interventionelle Endoskopie entwickelt sich weiter. Bei Patienten mit Pankreastumoren, die den Verdauungstrakt verschließen, ermöglicht die EUS-Gastroenterostomie die Platzierung eines Stents zwischen Magen und Dünndarm. Betroffene können kurz nach dem Eingriff wieder essen und die Chemotherapie fortsetzen.

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Warum Tumoren unterschiedlich auf Therapien ansprechen

Die Grundlagenforschung sucht nach Antworten. Eine 2026 in „Nature“ veröffentlichte Studie an Tiermodellen zeigt: Die genetische Veranlagung beeinflusst maßgeblich, wie schnell Tumoren entstehen und welche Mutationen nötig sind. Manche genetischen Profile benötigen deutlich weniger Mutationen für die Krebsentstehung.

Krebsstammzellen im „Tiefschlaf“ entgehen der Chemo

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der TU Dresden haben einen Mechanismus der Therapieresistenz identifiziert: Krebsstammzellen im Knochenmark können in einen Ruhezustand fallen und so der Chemotherapie entgehen. Sie sind häufig für spätere Rückfälle verantwortlich.

Ein weiterer Faktor: das Mikrobiom. Internationale Untersuchungen an über 1.500 Patienten identifizierten das Bakterium Fusobacterium nucleatum als Biomarker für eine verminderte Wirksamkeit von Darmkrebstherapien. Erste Studien zur gezielten Modulation des Mikrobioms laufen bereits.

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