Darmkrebs, MIT-Forschung

Darmkrebs: MIT-Forschung verbindet Ceramide mit Lebermetastasen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien beleuchten den Einfluss der Immunüberwachung auf Darmbakterien sowie molekulare Prozesse bei Magenkrebs und Darmkrebsmetastasen.

Mikrobiom und Krebs: Neue Forschung zu Immunabwehr und Metastasen
Abstrakte mikroskopische Aufnahme biologischer Zellstrukturen in blauen und bernsteinfarbenen Tönen. Illustration mit AI erstellt.

Die wissenschaftliche Untersuchung des menschlichen Mikrobioms und dessen Rolle bei der Entstehung chronischer Krankheiten hat in den letzten Monaten signifikante Fortschritte erzielt. Aktuelle Forschungsarbeiten aus Jena, Berlin und den USA beleuchten die komplexen Mechanismen, durch die Bakterien und das Immunsystem die Gesundheit des Verdauungstrakts sowie die Entwicklung von Tumoren beeinflussen.

Immunüberwachung als Schlüssel zur Mikrobiom-Stabilität

Forschende am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena präsentierten eine neue Hypothese zur Destabilisierung des Darmmikrobioms im Alter. Demnach seien nicht primär Veränderungen innerhalb der Mikroorganismen selbst für das schwindende Gleichgewicht verantwortlich, sondern eine nachlassende Immunüberwachung des Wirtsorganismus.

Ein am FLI entwickeltes Computermodell verdeutlicht diesen Prozess: Solange dominante Mikroben durch das Immunsystem wirksam begrenzt werden, bleibt die bakterielle Vielfalt im Darm stabil.

Fällt diese Kontrolle jedoch weg, brechen das Gleichgewicht und die Artenvielfalt zusammen. Diese theoretischen Erkenntnisse sollen in einem nächsten Schritt experimentell überprüft werden. Hierfür sind Untersuchungen an kurzlebigen Modellorganismen sowie Langzeitstudien am Menschen vorgesehen.

Zelluläre Pfade der Krebsentstehung im Magen

Parallel dazu konnten die Charité und das Max Delbrück Center den molekularen Weg entschlüsseln, der von einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori über chronische Entzündungen bis hin zu Krebsvorstufen führt. In einer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Communications vom 16. September 2026 legten die Wissenschaftler dar, dass diese Kette durch den Ausfall eines spezifischen Schutzsignals eingeleitet wird.

In der Folge produzieren Immunzellen den Botenstoff Interleukin-1?. Ein vom Bindegewebe gesendetes Gewebshormon bewirkt daraufhin, dass die Schleimhaut in einen Reparaturmodus wechselt, was langfristig die Krebsentstehung begünstigen kann.

Prof. Michael Sigal von der Charité betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, bei erhöhtem Risiko frühzeitig auf den Magenkeim zu testen und eine antibiotische Behandlung einzuleiten. An der Charité wird derzeit zudem eine Cancer Prevention Clinic aufgebaut, um Präventionsstrategien klinisch zu verankern.

Stoffwechselanpassungen und Metastasierung

Auch die Mechanismen der Metastasierung bei Darmkrebs stehen im Fokus der Forschung. Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) identifizierten ein durch das Protein YAP1 gesteuertes Regenerationsprogramm, das Krebszellen bei der Ausbreitung in die Leber unterstützt.

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Fettmoleküle, sogenannte Ceramide, aktivieren dieses Programm. In Mausmodellen mit einer fettreichen Diät lösten erhöhte Ceramid-Werte eine molekulare Bremse auf YAP1. Die Blockade von YAP1 oder der Ceramid-produzierenden Gene DEGS1 und DEGS2 konnte die Bildung von Lebermetastasen im Modellversuch reduzieren.

Datensätze von Darmkrebspatienten bestätigten diese Beobachtungen: Metastatische Tumorzellen zeigten eine stärkere YAP1-Aktivität als Primärtumore. Zudem korrelierte ein höherer Body-Mass-Index der Patienten mit einer gesteigerten Aktivität der YAP1-kontrollierten Gene und einer kürzeren Überlebenszeit.

Funktioneller Wechsel bei bakteriellen Peptiden

Erkenntnisse zur bakteriellen Anpassungsfähigkeit lieferten zudem das Leibniz-HKI und der Exzellenzcluster Balance of the Microverse der Universität Jena. Sie untersuchten Pandoraea-Bakterien, die unter anderem im menschlichen Sputum und in Bodenproben vorkommen. Die Forscher belegten in der Angewandten Chemie International Edition, dass diese Bakterien das Peptid Pandorachelin B mithilfe des Enzyms Acylase PdnM in Pandorachelin A umwandeln.

Dieser molekulare Umbau entspricht einem Funktionswechsel: Während Pandorachelin A Eisen effektiver binden kann, unterstützt die B-Variante das Schwärmverhalten der Bakterien. Die Studie wurde unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Wissenschaftlicher Austausch in der Viszeralmedizin

Die Relevanz dieser Grundlagenforschung wurde im September 2026 auf dem Kongress Viszeralmedizin in Hamburg unterstrichen. Unter dem Leitmotiv „Prävention, Translation, Perspektiven“ diskutierten Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) über neue Biomarker und personalisierte Therapien.

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Im Rahmen der Jahrestagung wurde zudem Prof. Dr. Wolfram H. Gerlich mit der Thannhauser-Medaille für seine jahrzehntelange Arbeit in der Hepatitis-B-Forschung geehrt.

Ergänzend zu den Fortschritten in der Krebsforschung berichten Wissenschaftler aus Jena über potenzielle neue Ansätze gegen antibiotikaresistente Bakterien. Hierbei sollen Phagen im Zusammenspiel mit Antibiotika dazu beitragen, die Wirksamkeit von Behandlungen bei resistenten Erregern wiederherzustellen. Mathias Pletz verwies in diesem Kontext auf die wachsende Bedeutung der Phagen-Forschung für die klinische Praxis.

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