Darmmikrobiom, Daten

Darmmikrobiom: Daten von 1.000 Erwachsenen geben Hinweise auf biologisches Alter

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden mikrobielle Vielfalt und bestimmte Darmbakterien mit Langlebigkeit, Entzündungsprozessen und Merkmalen der Gehirnalterung.
Mikroskopische Aufnahme organischer Zellstrukturen, die die Komplexität des menschlichen Darmmikrobioms symbolisieren. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft im menschlichen Darm liefert der Wissenschaft zunehmend präzise Hinweise auf den individuellen Alterungsprozess.

Eine Untersuchung von Daten von über 1.000 Erwachsenen im Alter von 20 bis 72 Jahren verdeutlicht, dass der Zustand des Darmmikrobioms das biologische Alter eines Menschen abbilden kann – mitunter genauer als das reine kalendarische Alter.

Im Zentrum dieses Forschungsfeldes steht das Phänomen des sogenannten „Inflammaging“, eine chronische, niedriggradige systemische Entzündung, die eng mit weit verbreiteten Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verknüpft ist.

Mikrobielle Signaturen außergewöhnlicher Langlebigkeit

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich der Frage, wie sich die Darmflora von Menschen unterscheidet, die ein besonders hohes Alter erreichen.

Forscher der japanischen Keio-Universität verglichen in einer im Fachjournal Nature publizierten Arbeit das Mikrobiom von 160 Hundertjährigen mit einem Durchschnittsalter von 107 Jahren mit Gruppen von 85- bis 89-Jährigen sowie 21- bis 55-Jährigen. Dabei zeigte sich, dass das Mikrobiom der Hundertjährigen dem jüngerer Menschen ähnelte und besonders viele Bakterien aufwies, die sekundäre Gallensäuren bilden. Diese Stoffwechselprodukte können Pathogene hemmen, das Immunsystem regulieren und entzündliche Prozesse dämpfen.

Anzeige

Warum fühlen Sie sich ständig müde und haben Schmerzen? Stille Entzündungen könnten der Grund sein. Ein kostenloser Selbsttest verrät, ob Ihr Körper heimlich unter Entzündungen leidet – und was Sie dagegen tun können. Entzündungs-Selbsttest jetzt kostenlos durchführen

Ergänzende Befunde lieferte ein chinesisches Forschungsteam im Jahr 2025 aus Jiaoling in der Provinz Guangdong. Bei dortigen Hundertjährigen stellten die Wissenschaftler eine höhere sogenannte Alpha-Diversität fest, begleitet von einer Anreicherung von Gattungen wie Akkermansia, Lactobacillus und Christensenella.

Das Team isolierte den Stamm Lactobacillus plantarum 124 (LP124). Dessen Stoffwechselprodukt Mesaconsäure führte bei schnell alternden Mäusen zu einer Senkung proinflammatorischer Faktoren und einer Erhöhung von Antioxidantien.

Auch Einzelfallanalysen stützen diese Zusammenhänge: Eine in Cell Reports Medicine beschriebene Fallstudie zu María Branyas Morera, die 2024 im Alter von 117 Jahren verstarb, zeigte ein Mikrobiom, das so vielfältig war wie das eines deutlich jüngeren Erwachsenen und besonders reich an Bifidobacteriaceae der Gattung Bifidobacterium.

Morera ernährte sich mediterran und verzehrte täglich drei Joghurts, wenngleich Fachleute betonen, dass Langlebigkeit multifaktoriell bedingt ist und kein direkter Kausalnachweis vorliegt.

Anzeige

Was haben Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit gemeinsam? Die überraschende Antwort steckt in einem kostenlosen Ratgeber, der Ihnen zeigt, wie Sie Entzündungen durch die richtige Ernährung gezielt lindern. Kostenlosen Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung sichern

Komplexe Einflüsse und Verbindungen zu Organfunktionen

Die Forschung verdeutlicht zugleich, dass kein einzelner Mikroorganismus als alleiniger Garant für gesundes Altern fungiert. Wissenschaftler der Universität Kopenhagen analysierten Daten von 176 Hundertjährigen und fanden ungewöhnliche mikrobielle Kombinationen, bei denen bestimmte Bakterien Stoffe bilden, die die gesamte Gemeinschaft widerstandsfähiger gegen Erreger machen.

Die Ausprägung des Mikrobioms hängt demnach von einem komplexen Zusammenspiel aus Genetik, Ernährung, Medikamenteneinnahme und der individuellen Krankengeschichte ab.

Zudem reicht der Einfluss des Mikrobioms über rein metabolische Entzündungsprozesse hinaus. Eine an der UCLA durchgeführte Studie, die im Fachjournal eBioMedicine erschien, untersuchte Hirnscans von fast 1.500 Erwachsenen. Höhere Werte des dort ermittelten „Brain Aging Index“ gingen mit schlechteren Leistungen im Arbeitsgedächtnis sowie mehr Depressionssymptomen einher.

Bei einer Teilgruppe standen diese Werte mit spezifischen Darmbakterien, Fettmolekülen, einer cholesterinbezogenen Verbindung sowie niedrigeren Spiegeln des Hormons Estetrol in Verbindung. Auch wenn kausale Mechanismen noch weiter erforscht werden müssen, untermauern die Daten, dass mikrobielle Marker künftig als sensible Indikatoren für das biologische Altern dienen könnten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70420063 |