Darmmikrobiom: Studie findet mögliche Biomarker für leichte kognitive Störungen
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie frühzeitige Erkennung von kognitiven Veränderungen im Alter gewinnt in der neurologischen Forschung zunehmend an Bedeutung. Eine am 20. Oktober 2026 im Fachjournal MedComm veröffentlichte Untersuchung der Cardiff University und des Imperial College London liefert neue Hinweise darauf, dass bestimmte Darmbakterien und Stoffwechselprodukte als Biomarker für eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) dienen könnten.
Laut Mitautor Dr. You Zhou ist dieses Beschwerdebild weltweit von hoher Relevanz, da schätzungsweise etwa jeder vierte ältere Erwachsene von MCI betroffen ist.
Spezifische Signaturen im Mikrobiom älterer Menschen
Für die Untersuchung analysierte das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Paul Morgan sowie den Mitautoren Dr. You Zhou und Prof. Julian Marchesi vom Imperial College London Stuhlproben von 35 älteren Personen.
Bei den Teilnehmenden handelte es sich überwiegend um Paare, bei denen jeweils ein Partner die Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung aufwies. Durch diese Zusammensetzung der Kohorte konnten externe Einflüsse des häuslichen Umfelds weitgehend berücksichtigt werden.
Die Analysen ergaben messbare Unterschiede in der Zusammensetzung der Darmflora und den damit verbundenen Stoffwechselprodukten. Betroffene mit MCI wiesen im Vergleich höhere Werte von Bakterien der Ordnung Izemoplasmatales sowie der Aminosäure Prolin auf.
Wer erste kognitive Veränderungen bei sich oder Angehörigen feststellt, sucht oft nach einer schnellen Einschätzung der Situation. Dieser anonyme Selbsttest hilft dabei, die eigene Vergesslichkeit anhand von sieben gezielten Fragen besser einzuordnen. 7-Fragen-Selbsttest jetzt kostenlos starten
Gleichzeitig lagen bei ihnen niedrigere Konzentrationen der Bakteriengattungen Ruminococcus und Lachnospira sowie der organischen Säure Fumarsäure vor. Diese biologischen Marker unterschieden Personen mit MCI zudem verlässlich in einer unabhängigen Gruppe von Patienten aus einer früheren Untersuchung.
Relevanz für den weiteren Krankheitsverlauf
Über die reine Momentaufnahme hinaus lieferte die Studie auch Erkenntnisse zur weiteren Entwicklung der kognitiven Funktionen. In einer Nachbeobachtung nach einem Jahr zeigte sich, dass bestimmte mikrobielle Profile mit einem beschleunigten geistigen Abbau einhergingen.
Ein schnelleres Fortschreiten der kognitiven Einbußen war im 1-Jahres-Follow-up mit höheren Werten des Bakteriums Bilophila sowie erhöhten Konzentrationen der Stoffwechselprodukte Arginin, Asparaginsäure und Hypoxanthin assoziat. Umgekehrt gingen niedrigere Werte von Coprococcus-Bakterien ebenfalls mit einer rascheren Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit einher.
Neben der Beobachtung biologischer Marker ist die aktive Förderung der mentalen Fitness ein wichtiger Baustein für den Erhalt der Lebensqualität im Alter. In diesem kostenlosen Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihr Gedächtnis durch einfache Alltagsübungen und gezielte Ernährung nachhaltig unterstützen können. Kostenlosen Ratgeber für geistige Fitness herunterladen
Methodische Einschränkungen und weiterer Forschungsbedarf
Trotz der vielversprechenden statistischen Zusammenhänge betonen die beteiligten Wissenschaftler die methodischen Grenzen der vorliegenden Ergebnisse. Aus den Daten lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang ableiten; es handelt sich bislang ausschließlich um Korrelationen. Ein klinisch einsetzbarer Stuhltest für die Diagnostik im Versorgungsalltag lässt sich aus der Arbeit derzeit nicht ableiten.
Zudem gilt die untersuchte Gruppe von 35 Personen als klein, weshalb die identifizierten Biomarker in deutlich größeren und diverseren Patientenpopulationen bestätigt werden müssen. Hinzu kommt, dass das menschliche Darmmikrobiom stark von veränderlichen Faktoren geprägt wird.
Neben der individuellen Ernährung spielen auch eingenommene Medikamente sowie Begleiterkrankungen eine wesentliche Rolle und können die mikrobielle Zusammensetzung nachhaltig beeinflussen.
