Mehr Kegelrobben leben im Wattenmeer - Trend hÀlt an
01.07.2025 - 07:30:36Der Trend setzt sich fort: Immer mehr Kegelrobben leben im Wattenmeer von Deutschland, DĂ€nemark und den Niederlanden sowie auf der Insel Helgoland. Das geht aus neuen ZĂ€hlungen von Experten der Anrainerstaaten hervor, wie das Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven mitteilte. Demnach ist die Gesamtzahl der Kegelrobben in den vergangenen fĂŒnf Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um knapp 10 Prozent gestiegen. Die Zahl der neugeborenen Tiere wuchs im selben Zeitraum im Mittel jĂ€hrlich um rund 12 Prozent.Â
«Dieses kontinuierliche Wachstum spiegelt die Bedeutung des Wattenmeeres als wichtigen Lebensraum fĂŒr Kegelrobben wider», sagte Jessica Schop, Hauptautorin des aktuellen ZĂ€hlberichts. Experten werten die positive Entwicklung der KegelrobbenbestĂ€nde als sichtbares Zeichen fĂŒr den guten Schutz des Nationalparks Wattenmeer. Dort finden die Tiere, Ă€hnlich wie die Seehunde, Nahrung und SandbĂ€nke, auf denen sie weitgehend ungestört bleiben.Â
Kegelrobben sind die gröĂten Raubtiere Deutschlands und waren vor mehr als 100 Jahren nach starker Bejagung nahezu ausgerottet. Erst in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts kamen die Tiere aus britischen GewĂ€ssern wieder ins Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer.Â
Wie sich die BestÀnde entwickeln
Bei den ZĂ€hlungen 2024/2025 wurden 3.051 neugeborene und insgesamt 12.064 Kegelrobben erfasst. Das ist jeweils der höchste Stand seit Beginn der gemeinsamen ZĂ€hlungen 2008, die das Wattenmeersekretariat lĂ€nderĂŒbergreifend koordiniert. Vor allem bei den neugeborenen Robben registrierten die Experten zuletzt einen deutlichen Zuwachs - im Vergleich zu den ZĂ€hlungen 2023/2024 wurden rund 20 Prozent mehr Jungtiere gesichtet.Â
Kegelrobben werden zweimal im Jahr gezĂ€hlt: WĂ€hrend der Geburtensaison von November bis Januar werden die Jungtiere bei ZĂ€hlflĂŒgen registriert - sie sind wegen ihres weiĂen Fells auf SandbĂ€nken gut aus der Luft zu erkennen. Die GesamtzĂ€hlung folgt im FrĂŒhjahr beim Fellwechsel der Tiere.Â
Der gröĂte Teil der Robben, rund 8.600 Tiere, lebt im niederlĂ€ndischen Wattenmeer (rund 71 Prozent). Im niedersĂ€chsischen Wattenmeer wurden zuletzt etwa 1.500 Kegelrobben gezĂ€hlt, auf der deutschen Hochseeinsel waren es rund 1.000 Tiere - das entspricht Anteilen von 13 und knapp 9 Prozent des Gesamtbestands. Mit hunderten weiteren Tieren folgen dahinter jeweils die Populationen im schleswig-holsteinischen und im dĂ€nischen Wattenmeer.Â
Was Wissenschaftler herausfinden wollen
In den Teilregionen gab es verschiedene Entwicklungen. Im Wattenmeer in Schleswig-Holstein etwa nahm die Kegelrobbenzahl das zweite Jahr in Folge stark zu - zuletzt um 74,5 Prozent. Auf Helgoland dagegen brach die Population im Vergleich zu den ZĂ€hlungen 2023/2024 um 37 Prozent ein. Auch im dĂ€nischen Wattenmeer wurden etwas weniger Kegelrobben gezĂ€hlt, mehr Tiere wurden dagegen im niederlĂ€ndischen und im niedersĂ€chsischen Teil entdeckt.Â
Um noch mehr ĂŒber die zeitlichen und regionalen VerĂ€nderungen der BestĂ€nde zu lernen, sind laut dem Wattenmeersekretariat genauere Studien nötig - auch im Zusammenhang mit den RobbenbestĂ€nden an der KĂŒste von GroĂbritannien, wo besonders viele Tiere in der Nordsee leben.Â
«In unserem Bericht prĂ€sentieren wir die relative VerĂ€nderung in der HĂ€ufigkeit der Robben. FĂŒr absolute BestandsschĂ€tzungen sind mehr Informationen ĂŒber das Verhalten und die Bewegungsmuster der Robben erforderlich», sagte Forscherin Schop. Die Bestandszahlen sind fĂŒr die WattenmeerlĂ€nder wichtige Daten, um MaĂnahmen fĂŒr den Schutz der Kegelrobben abzuleiten.
Welche Tiere noch gezÀhlt werden
Neben den Kegelrobben werden auch die Seehunde im Wattenmeer regelmĂ€Ăig gezĂ€hlt - gerade laufen dafĂŒr ZĂ€hlflĂŒge an der niedersĂ€chsischen KĂŒste. Bei den Seehunden, einer Robbenart, die noch mehr im Wattenmeer verbreitet ist, stellten Wissenschaftler zuletzt allerdings eine andere Entwicklung fest.Â
Ihr Bestand geht seit einigen Jahren zurĂŒck. Zwar werden nach wie vor viele Seehunde geboren, die Gesamtzahl entwickelt sich aber gegenlĂ€ufig. «Wir wissen nicht genau, wohin die Jungtiere verschwinden», sagte Ursula Siebert, Wildtierspezialistin von der TierĂ€rztlichen Hochschule Hannover.Â
Es gebe verschiedene Annahmen, denen Forscherinnen und Forscher nachgingen. Möglich sei etwa, dass die Tiere andere Habitate als das Wattenmeer nutzen. Eine andere Annahme sei, dass die Sterberate etwa infolge von Umweltauswirkungen in bestimmten Altersklassen zunehme. Auch der steigende Kegelrobbenbestand könnte sich negativ auf die Seehunde auswirken. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Kegelrobben sich nicht nur von Fisch ernÀhren, sondern auch Jagd auf Seehunde machen.
Siebert plĂ€diert fĂŒr mehr Forschung ĂŒber LĂ€nder- und Nationalparkgrenzen hinweg. «Je mehr Daten man sammelt und gemeinsam auswerten kann, desto besser kann das Bild werden, was wir bekommen.»





