Datenlecks: 134.000 Remedia-DatensÀtze im Dark Web aufgetaucht
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gleich zwei europĂ€ische Unternehmen sind am Wochenende Opfer von Datenlecks geworden. Der österreichische Homöopathie-Anbieter Remedia Austria und die französische Agrarfirma Roussel Agri 62 melden umfangreiche DatendiebstĂ€hle. Die Angriffe reihen sich in eine Welle von Cyberattacken auf mittelstĂ€ndische Unternehmen in Europa ein â ein Warnsignal auch fĂŒr die deutsche Wirtschaft.
Remedia Austria: 134.000 DatensÀtze im Netz
Die in Eisenstadt ansÀssige Homöopathie-Firma Remedia ist von einem schwerwiegenden Datenleck betroffen. Wie Dark-Web-Monitore am heutigen Samstag meldeten, wurden 134.602 DatensÀtze des Unternehmens auf illegalen Plattformen veröffentlicht. Darunter befinden sich sensible persönliche Informationen wie E-Mail-Adressen, Passwörter, Postadressen und Geburtsdaten.
Das AusmaĂ des Vorfalls deutet auf eine erhebliche Kompromittierung der digitalen Infrastruktur hin. Sicherheitsforscher, die illegale Datenverbreitung in spezialisierten Foren ĂŒberwachen, hatten die Veröffentlichung entdeckt. Die genauen UmstĂ€nde des Einbruchs sind noch Gegenstand laufender Ermittlungen.
Roussel Agri 62: Gigantisches Datenpaket erbeutet
Parallel dazu sorgt ein Vorfall beim französischen Agrarunternehmen Roussel Agri 62 fĂŒr Aufsehen. Ein Angreifer beansprucht, rund 9,33 Gigabyte an Unternehmensdaten veröffentlicht zu haben. Das Archiv soll 45.684 einzelne Dateien enthalten â darunter ĂŒber 29.000 E-Mails und fast 24.000 DatensĂ€tze aus dem Kundenbeziehungsmanagement (CRM).
Branchenbeobachter sehen darin einen alarmierenden Trend: Agrarunternehmen rĂŒcken zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen. Die Branche gilt als besonders verwundbar, da viele Betriebe ihre IT-Sicherheit bislang vernachlĂ€ssigt haben.
Ransomware-Welle rollt durch Europa
Die gemeldeten Lecks sind Teil einer gröĂeren Angriffswelle auf europĂ€ische Gesundheits- und Dienstleistungsunternehmen. Erst am Freitag wurde der französische Verpackungshersteller MEDICOS, der unter anderem fĂŒr die Beauty- und Lebensmittelindustrie produziert, von der Ransomware-Gruppe bravox attackiert. Das Unternehmen entdeckte den Einbruch am selben Tag, der Umfang der kompromittierten Daten ist noch unklar.
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Auch in Ăsterreich schlĂ€gt die Welle Wellen: Der Dienstleister EISNER ZT GMBH wurde kĂŒrzlich als Opfer der berĂŒchtigten Qilin-Ransomware-Gruppe gelistet. Ăhnliche Angriffe trafen das schwedische Technologieunternehmen Depona. Die Folgen sind fĂŒr die betroffenen Firmen oft verheerend: verschlĂŒsselte Systeme, lahmgelegte BetriebsablĂ€ufe und monatelange AufrĂ€umarbeiten.
Liechtenstein zieht Konsequenzen
Die zunehmende Bedrohungslage hat auch Behörden auf den Plan gerufen. In Liechtenstein wurde das Register der wirtschaftlichen EigentĂŒmer (VwbP) am Freitag vorsorglich offline genommen. Hintergrund ist ein Datendiebstahl, bei dem Ende Juli Daten von 31.000 Unternehmen erbeutet wurden. Zwar wurde bislang weder Lösegeld gefordert noch Daten veröffentlicht, doch das Register bleibt als VorsichtsmaĂnahme geschlossen.
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EBA und ENISA schlagen Alarm
Bereits am Donnerstag hatte die EuropÀische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) Finanzinstitute aufgefordert, ihre Sicherheitsprotokolle zu verschÀrfen. Grund sind zunehmende Phishing- und Ransomware-Kampagnen auf dem gesamten Kontinent.
Die EuropĂ€ische Agentur fĂŒr Cybersicherheit (ENISA) bestĂ€tigt den Trend: WĂ€hrend Systemfehler weiterhin viele Dienstleistungsstörungen verursachen, sind böswillige Angriffe auf Vertrauensdienste um 20 Prozent gestiegen. Im Telekommunikationssektor gehen die meisten Ausfallzeiten weiterhin auf menschliches Versagen zurĂŒck â ein Hinweis darauf, dass Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeiter mindestens so wichtig sind wie technische SchutzmaĂnahmen.
FĂŒr deutsche Unternehmen, die Ă€hnliche GeschĂ€ftsmodelle betreiben, dĂŒrfte die aktuelle Lage ein Weckruf sein: MittelstĂ€ndler gelten zunehmend als lohnende Ziele, weil sie oft ĂŒber wertvolle Daten, aber vergleichsweise schwache Sicherheitsvorkehrungen verfĂŒgen.
