Datenmissbrauch: 80% der Briten geben Dienste sofort auf
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Toleranz der Verbraucher gegenüber Datenmissbrauch hat einen kritischen Punkt erreicht. Das zeigt der aktuelle „State of Digital Trust 2026"-Report von Usercentrics, der heute veröffentlicht wurde. Demnach würden 80 Prozent der Befragten in Großbritannien einen Dienst sofort aufgeben, wenn sie von Datenmissbrauch erfahren.
Proaktiver Schutz wird zur neuen Normalität
Die Studie belegt einen grundlegenden Wandel im Bewusstsein der Verbraucher. Ganze 88 Prozent der Teilnehmer haben in den vergangenen sechs Monaten konkrete Maßnahmen ergriffen, um ihre persönlichen Daten zu schützen. Besonders sensibel reagieren die Menschen beim Thema Künstliche Intelligenz: 61 Prozent der Befragten fühlen sich unwohl dabei, wenn ihre Daten zum Training von KI-Modellen verwendet werden.
Die Bereitschaft, für Datenschutz zu zahlen, wächst ebenfalls. Die Hälfte der Studienteilnehmer würde höhere Preise für Dienste akzeptieren, die transparent mit ihren Daten umgehen. Ein klares Signal an Unternehmen: Vertrauen wird zum Wettbewerbsfaktor.
USA verschärfen Regeln gegen Überwachungspreise
Die Gesetzgeber reagieren auf die neuen Herausforderungen. Am 23. Juli 2026 unterzeichnete New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill den „Fair Price Protection Act". Damit wird New Jersey der dritte US-Bundesstaat nach Maryland und Connecticut, der sogenannte „Surveillance Pricing"-Praktiken verbietet.
Das Gesetz untersagt Einzelhändlern, personalisierte Daten wie Suchverlauf, Standortdaten, Biometrie oder Kaufhistorie zu nutzen, um individuelle Preise festzulegen. Besonders bemerkenswert: Verbraucher können Verstöße direkt einklagen. Die Strafen sind empfindlich – bis zu 10.000 Euro für den ersten und 20.000 Euro für jeden weiteren Verstoß.
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Brasilien klagt über Biometrie-Skandal
Auch international gerät die Datensammlung von Unternehmen unter Druck. In Brasilien hat die Staatsanwaltschaft von São Paulo Klage gegen Tools for Humanity und Amazon AWS eingereicht. Gefordert werden umgerechnet rund 47 Millionen Euro Schadenersatz. Der Vorwurf: Die illegale Erfassung von Iris-Scans von 400.000 brasilianischen Bürgern durch das World Network-Projekt.
Obwohl die nationale Datenschutzbehörde ANPD die Aktivitäten bereits am 24. Januar 2025 untersagt hatte, sollen die Betreiber durch In-App-Anreize weiter gesammelt haben. Das Projekt steht international unter Druck – sechs weitere Länder haben die biometrischen Scanner bereits verboten. Der dazugehörige WLD-Token verlor parallel 95 Prozent seines Wertes.
Behörden nutzen Datenlücken aus
Während private Unternehmen stärker reguliert werden, geraten staatliche Stellen zunehmend in die Kritik. Eine Recherche von 404 Media zeigt: Die US-Einwanderungsbehörde ICE greift ohne richterliche Anordnung auf Kreditauskunftsdaten zu.
Die Informationen – darunter Sozialversicherungsnummern, Adressen und E-Mail-Konten – stammen von Kreditkartenunternehmen, fließen zu Auskunfteien und werden über die Plattform CLEAR von Thomson Reuters weiterverkauft. Das Heimatschutzministerium plant offenbar einen Fünfjahresvertrag über 125 Millionen Euro mit Thomson Reuters zur Betrugsbekämpfung. Politiker bezeichnen die Praxis als „ungeheuerlichen Verstoß gegen die Privatsphäre". Thomson Reuters betont, die Nutzung seiner Tools zur Abschiebung nicht-krimineller Migranten sei untersagt.
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Cyberkriminelle zielen auf Kanzleien und Kliniken
Die Sicherheitslage in sensiblen Branchen bleibt angespannt. Das FBI warnt vor der „Silent Ransom Group" (SRG), die sich auf US-Anwaltskanzleien spezialisiert hat. Die Täter geben sich als IT-Support aus und verschaffen sich so physischen Zugang zu Büros, um Speichermedien einzuschleusen.
Die jüngsten Fälle zeigen das Ausmaß:
- Blank Rome: Ein als IT-Mitarbeiter getarnter Krimineller konnte einen Anwalt täuschen und Daten von über 50.000 Mandanten stehlen.
- Greenbaum Rowe Smith and Davis: Eine Untersuchung im April 2026 deckte auf, dass ein kompromittiertes Benutzerkonto im November 2025 die Krankenakten und Sozialversicherungsnummern von fast 13.000 Patienten mehrerer Kliniken in New Jersey offenlegte.
- Craneware: Der britische Gesundheitstechnologie-Konzern meldete einen Cyberangriff auf seine Trisus-Cloud-Plattform mit Abfluss von Mitarbeiter- und Kundendaten.
Parallel dazu untersucht die kalifornische Datenschutzbehörde CPPA die Datensammlung von Autoherstellern. Der Markt für Fahrzeugdaten soll bis 2030 umgerechnet 800 Milliarden Euro wert sein. Aktuelle Studien zeigen: 82 Prozent der Autofahrer haben keine Ahnung, welche Daten ihre Fahrzeuge sammeln und übertragen.
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