Datenschutz, Digitale WettbewerbsfÀhigkeit

Datenschutz macht Europa wettbewerbsfÀhiger, sagen Forscher

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Forscher widersprechen der These, weniger Datenschutz mache Europa innovativer. Statt pauschaler Lockerungen setzen sie auf rechtssichere Regeln, datenschutzfreundliche Technologien und bessere Bedingungen fĂŒr kleinere Unternehmen.

Datenschutz bremst Innovation nicht aus, sagt eine Studie.  - Bild: Michael Brandt/dpa
Datenschutz bremst Innovation nicht aus, sagt eine Studie. - Bild: Michael Brandt/dpa

Ein Abbau von Datenschutzstandards ist nach Ansicht von Wissenschaftlern kein geeignetes Mittel, um Europas WettbewerbsfÀhigkeit in der digitalen Wirtschaft zu stÀrken.

Studie stellt Deregulierung infrage

Zu diesem Schluss kommt ein Grundsatzpapier des Projekts „Plattform Privatheit“, das unter FederfĂŒhrung des Fraunhofer-Instituts fĂŒr System- und Innovationsforschung und der UniversitĂ€t Kassel erarbeitet wurde. Statt auf pauschale Deregulierung zu setzen, mĂŒsse Europa seine wirtschaftliche Zukunft auf datenschutzfreundliche Technologien, digitale SouverĂ€nitĂ€t und vertrauenswĂŒrdige Innovationen aufbauen.

Kritik an BĂŒrokratie, nicht am Datenschutzprinzip

Die weit verbreitete Annahme, weniger Datenschutz bedeute mehr Innovation, sei empirisch nicht haltbar, betonen die Autoren um Michael Friedewald und Alexander Roßnagel. Die Datenschutz-Grundverordnung sei nicht die zentrale Ursache fĂŒr Innovationshemmnisse, heißt es in dem Papier.

Gleichzeitig benennen die Forscher spĂŒrbare Probleme fĂŒr Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen. Sie litten besonders unter bĂŒrokratischem Aufwand und Rechtsunsicherheit, wĂ€hrend große Digitalkonzerne die Anpassungen meist besser bewĂ€ltigen könnten.

Mehr Fokus auf DatenqualitÀt

FĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz und datengetriebene GeschĂ€ftsmodelle setzen die Autoren nicht auf reine Datenmaximierung. Entscheidend seien vielmehr DatenqualitĂ€t, Passgenauigkeit und die ExklusivitĂ€t von Trainingsdaten.

Die Forscher empfehlen, Pflichten stÀrker am tatsÀchlichen Verarbeitungsrisiko auszurichten, Hersteller von Standard-Software stÀrker in die Verantwortung zu nehmen und dateneffiziente KI-Verfahren gezielt zu fördern.

Datenschutz als Standortvorteil

Besonders in sensiblen Bereichen wie Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und Verwaltung könne verlÀsslicher Datenschutz zum Wettbewerbs- und Vertrauensvorteil werden. Das Papier versteht GrundrechtskonformitÀt damit nicht als Gegenpol zur Innovationspolitik, sondern als mögliches QualitÀtsmerkmal europÀischer Digitaltechnologie.

Einordnung

Die Studie reiht sich in eine lĂ€ngere Debatte ĂŒber Europas digitale WettbewerbsfĂ€higkeit ein: Seit Jahren steht die Frage im Raum, wie sich strenge Grundrechtsvorgaben mit schneller technologischer Entwicklung verbinden lassen. Der zentrale Befund des Papiers ist deshalb politisch relevant, weil er den verbreiteten Ruf nach pauschaler Deregulierung zurĂŒckweist und stattdessen auf gezielte Entlastung, Rechtssicherheit und technologische QualitĂ€t setzt.

Besonders bedeutsam ist der Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. WĂ€hrend große Plattformen regulatorische Anforderungen oft mit spezialisierten Rechts- und Compliance-Strukturen abfedern können, treffen unklare Vorgaben und BĂŒrokratie kleinere Anbieter meist hĂ€rter. Genau dort entscheidet sich hĂ€ufig, ob aus einer guten Idee ein skalierbares Produkt wird.

FĂŒr die europĂ€ische Digitalpolitik ist die Argumentation auch deshalb wichtig, weil sie Datenschutz nicht nur als Kostenfaktor beschreibt, sondern als Standortmerkmal. In sensiblen Branchen wie Gesundheit, Finanzwesen und Verwaltung kann Vertrauen selbst zum Wettbewerbsvorteil werden. Das verschiebt die Debatte von der simplen Frage nach mehr oder weniger Regulierung hin zur praktischeren Frage, wie Regeln so gestaltet werden, dass sie Innovation ermöglichen und zugleich belastbare Standards sichern.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70114224 |