DeepSeek-Verbot: US-Heimatschutzministerium ordnet Entfernung aus Behörden an
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 15:47 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas US-Heimatschutzministerium hat zivile Bundesbehörden angewiesen, Software und Dienste des chinesischen Anbieters DeepSeek umgehend aus ihren behördlichen IT-Systemen zu entfernen. Die Direktive untersagt den Institutionen zudem die Neubeschaffung jeglicher Produkte und verbundener Dienste von DeepSeek sowie den Einsatz von Drittanwendungen, die Modelle des Unternehmens integrieren.
Umfassende Vorgaben für zivile Netzwerke und Auftragnehmer
Die Anordnung erstreckt sich auf Produkte externer Anbieter, die DeepSeek-Komponenten enthalten. Ausnahmegenehmigungen können über die Cybersicherheitsbehörde CISA innerhalb einer Frist von 60 Tagen beantragt werden.
Private Computer und persönliche Installationen sind von dem Verbot ebenso ausgenommen wie das US-Militär und Geheimdienste, die über eigene gesetzliche Beschaffungsbefugnisse verfügen. Eine landesweite Sperre für Privatpersonen besteht demnach nicht.
Die betroffenen Bundesbehörden sind verpflichtet, ihre Netzwerküberwachung auszubauen, verdächtige Datenübertragungen zu protokollieren und auffälligen Aktivitäten nachzugehen. Die CISA stellt dabei technische Unterstützung bereit. Zudem ist eine jährliche Überprüfung der Maßnahme durch den Heimatschutzminister vorgesehen.
Wer sich mit dem Einsatz moderner Technologien befasst, muss die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz genau kennen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Pflichten, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Bereits am 20. Oktober 2026 erfolgte die Veröffentlichung der Anordnung im US-Amtsblatt Federal Register unter dem Aktenzeichen DHS-2026-0628. Diese Publikation erfolgte knapp drei Monate nach dem dort angegebenen Freigabedatum vom 24. Juli 2026. Das damit verbundene Ausnahmefenster von 60 Tagen war bereits am 22. September 2026 und somit 28 Tage vor der Veröffentlichung im Amtsblatt abgelaufen.
Für Auftragnehmer der öffentlichen Hand greifen unter der Vergabevorschrift FAR 52.204-30 zusätzliche Pflichten: Sie müssen die Datenbank SAM.gov mindestens alle drei Monate prüfen, Vorfälle innerhalb von drei Werktagen an den zuständigen Vertragsbeauftragten melden und binnen zehn Werktagen eine Nachverfolgung vorlegen.
Sicherheitsbedenken und Spannungen zwischen Washington und Peking
Zur Begründung führt das Ministerium chinesische Gesetze an, die staatlichen Stellen weitreichenden Zugriff auf Unternehmensdaten gestatten. Zudem verweist die Behörde auf Serverstandorte in China, Risiken durch Gerätekennungen und Datensammlung bei extern gehosteten Instanzen sowie potenzielle Schadsoftware in KI-Modellen. Zudem hatte das Sicherheitsunternehmen NowSecure Schwachstellen in der DeepSeek-App für iOS festgestellt.
Aus Peking folgten umgehend Proteste. Am 20. Oktober 2026 warnte die chinesische Außenamtssprecherin Mao Ning vor einer Überdehnung des nationalen Sicherheitsbegriffs durch Washington. Das chinesische Handelsministerium stufte den Schritt als diskriminierend ein und forderte die Rücknahme der Direktive.
Die zunehmenden regulatorischen Anforderungen an Technologie und Datenfluss stellen Unternehmen vor komplexe Compliance-Herausforderungen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre IT-Sicherheit zukunftssicher aufzustellen. Gratis-Report zu neuen KI-Gesetzen und Cyberrisiken anfordern
Am selben Tag verwies das Ministerium auf neue Exportbeschränkungen für Dual-Use-Güter in den Bereichen KI, Biomedizin und Photovoltaik, die bereits in einer Erklärung vom 16. Oktober 2026 mit Technologiekontrollen anderer Staaten begründet worden waren.
Auswirkungen auf Technologieunternehmen
Fachleute weisen darauf hin, dass das Verbot US-Firmen zunehmend von der Implementierung chinesischer Modelle abschrecken könnte. Bislang binden Plattformen wie Cursor, Harvey oder Perplexity AI Modelle von DeepSeek oder Moonshot AI ein, während Airbnb-Chef Brian Chesky auf das Qwen-Modell von Alibaba setzt.
Für Entwickler spielen dabei auch die Kosten eine Rolle: Ein US-Programmierer bezifferte die Ausführung einer Coding-Aufgabe mit dem Modell Claude auf rund 10 US-Dollar, während dieselbe Aufgabe mit DeepSeek unter 50 US-Cent koste.
DeepSeek selbst verzeichnete zuletzt ein starkes Wachstum. Laut einem Bericht vom 6. Oktober 2026 sammelt das Unternehmen bei einem angestrebten Börsengang Anfang 2027 mindestens 80 Milliarden Yuan – umgerechnet rund 12 Milliarden US-Dollar – an frischem Kapital ein, wobei Tencent und CATL zu den größten Investoren zählen.
