Degarelix: Testosteron sinkt binnen drei Tagen auf Kastrationsniveau
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Androgendeprivationstherapie bildet das Fundament der Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs. Mehrere aktuelle Studien widmen sich nun verstĂ€rkt dem kardiovaskulĂ€ren Risikoprofil unterschiedlicher hormoneller Therapieformen fĂŒr Patienten mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakrebs.
Zwar senkt der Entzug von Testosteron das Tumorwachstum wirksam, klinische Follow-up-Daten weisen jedoch darauf hin, dass kardiovaskulÀre Komplikationen zu den hÀufigsten Nicht-Tumor-Todesursachen bei den betroffenen Patienten gehören.
Plaque-VerĂ€nderungen und GefĂ€Ărisiken unter Hormonblockade
Die Androgendeprivationstherapie (ADT) senkt den Testosteronspiegel, begĂŒnstigt jedoch gleichzeitig das metabolische Syndrom, QTc-VerlĂ€ngerungen sowie InstabilitĂ€ten von GefĂ€Ăplaques. Aufschluss ĂŒber die direkten Auswirkungen auf die HerzkranzgefĂ€Ăe liefert die REVELUTION-Studie, die im Fachjournal JAMA Cardiology publiziert wurde.
Nach einem Jahr zeigte sich bei identischem Testosteron-Niveau unter dem GnRH-Agonisten Leuprorelin ein stÀrkerer Anstieg des Gesamt-Plaque-Volumens sowie des nicht-kalzifizierten Plaque-Volumens der Koronarien im direkten Vergleich zu einem GnRH-Antagonisten.
Auch eine retrospektive US-Kohortenstudie der Autoren Renil S. Titus, Eusebio Luna Velasquez, Vatsala Mundra, Carlos Riveros und Sanjana Ranganathan vergleicht kardiovaskulĂ€re Ereignisse bei metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom unter LHRH-Agonisten gegenĂŒber LHRH-Antagonisten.
Wirkmechanismen: LHRH-Agonisten im Vergleich zu Antagonisten
Meta-Analysen weisen darauf hin, dass LHRH-Antagonisten mit einem geringeren Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Nebenwirkungen einhergehen als LHRH-Agonisten. GnRH-Antagonisten wirken ĂŒber eine direkte Rezeptorblockade, vermeiden den initialen Testosteron-Anstieg und fĂŒhren zu einer stĂ€rkeren UnterdrĂŒckung des follikelstimulierenden Hormons. FĂŒr Patienten mit hohem kardiovaskulĂ€rem Risiko wird unter anderem Teverelix-Trifluoroacetat klinisch geprĂŒft.
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Ăber die pharmakodynamischen Eigenschaften des LHRH-Antagonisten Degarelix informierte Aili Zhang vom Fourth Hospital der Hebei Medical University. Der Wirkstoff senke das Testosteron binnen drei Tagen nach der Injektion auf Kastrationsniveau, ohne den fĂŒr Agonisten typischen anfĂ€nglichen Hormonanstieg hervorzurufen. Dies mache die Substanz besonders geeignet fĂŒr Situationen wie RĂŒckenmarkskompressionen oder Harnverhalt.
Aufgrund des Risikoprofils werden Antagonisten vor allem bei hoher Tumorlast oder vorbestehenden kardiovaskulĂ€ren KomorbiditĂ€ten als bevorzugte Option erwogen. Die medikamentöse Kastration bietet gegenĂŒber dem chirurgischen Eingriff zudem den Vorteil der ReversibilitĂ€t.
Erweiterte Therapiestrategien und KombinationsansÀtze
Die Androgendeprivationstherapie bleibt auch in Kombination mit modernen Androgenrezeptor-Signalweginhibitoren der Standard. In der ARANOTE-Studie verbesserte die Gabe von Darolutamid in Kombination mit ADT bei metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom das radiografisch progressionsfreie Ăberleben sowie sekundĂ€re Endpunkte wie die Zeit bis zum Erreichen der Kastrationsresistenz und die Schmerzprogression, begleitet von einem gĂŒnstigen Sicherheitsprofil.
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Zudem wird in der ARANOTE-Studie die Tiefe des PSA-Ansprechens auf Werte unter 0,2 ng/mL und unter 0,02 ng/mL in Bezug auf die klinischen Ergebnisse untersucht.
In der Phase-III-Studie ARASENS erzielte Darolutamid bereits einen signifikanten Ăberlebensvorteil; eine dazugehörige Q-TWiST-Analyse der Autorengruppe um Brigida A. Maiorano, Matthew R. Smith, Maha Hussain, Fred Saad und Bertrand Tombal widmet sich der qualitĂ€tsadjustierten Zeit ohne Symptome oder ToxizitĂ€t.
Weitere BehandlungsansĂ€tze zeigen differenzierte Profile: Die Zugabe von Metformin zur Standard-Hormontherapie erbrachte in der STAMPEDE-Studie bei unselektierten Patienten keinen signifikanten GesamtĂŒberlebensvorteil, deutete jedoch auf einen potenziellen Nutzen bei hoher Tumorlast hin.
FĂŒr transdermales Estradiol zeigte sich bei nicht-metastasierten VerlĂ€ufen in einer Untersuchung mit 1.360 MĂ€nnern eine Nicht-Unterlegenheit gegenĂŒber LHRH-Agonisten, verbunden mit weniger kardiovaskulĂ€ren Nebenwirkungen und einer besseren Knochendichte, wenngleich vermehrt GynĂ€komastie auftrat.
