Demenz, Fälle

Demenz: Bis zu 45 Prozent der Fälle könnten vermeidbar oder verzögerbar sein

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 20:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz; Tests und ärztliche Untersuchungen helfen, Veränderungen einzuordnen.

Vergesslichkeit und Demenz: Warnzeichen erkennen und Abklärung verstehen
Ein heller, minimalistischer Raum mit einfallendem Sonnenlicht und weichen Vorhängen, der eine ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Verlegte Schlüssel oder entfallene Namen gehören zum Alltag vieler Menschen. Doch ab welchem Punkt überschreitet die Unaufmerksamkeit die Grenze zur behandlungsbedürftigen Störung?

Aktuelle Ratgeberbeiträge und Informationsinitiativen beleuchten, wann Vergesslichkeit kritisch zu bewerten ist und wie niederschwellige Gedächtnis-Checks bei der ersten Einordnung helfen können. Angesichts einer älter werdenden Gesellschaft rückt die systematische Abklärung kognitiver Veränderungen zunehmend in den Fokus.

Normaler Alterungsprozess oder beginnende Demenz

Der Unterschied zwischen altersbedingten Veränderungen und ersten Krankheitsanzeichen liegt vor allem im Erhalt der Alltagskompetenz. Beim normalen physiologischen Altern nimmt die Verarbeitungsgeschwindigkeit zwar leicht ab, die Selbstständigkeit bleibt den Fachleuten zufolge jedoch vollständig erhalten.

Atypische Warnzeichen treten auf, wenn vertraute Abläufe wie das Kaffeekochen plötzlich nicht mehr gelingen, die Orientierung bezüglich Wochentagen oder auf bekannten Wegen verloren geht, ständige Wiederholungen auftreten oder auffällige Persönlichkeitsveränderungen einsetzen.

Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben derzeit mit einer Demenz, wobei die Alzheimer-Erkrankung die häufigste Form darstellt. Typischerweise tritt diese senile Verlaufsform jenseits des 65. Lebensjahres auf.

Während sich der Anstieg der Demenzfälle in Europa verlangsamt, steigt das Risiko in asiatischen Ländern deutlicher. Seltener sind familiäre Alzheimer-Formen, die bereits mit Mitte oder Ende 30 beginnen können und bei denen eine genetische Komponente das Risiko erhöht.

Ablauf der kognitiven Abklärung

Besteht der Verdacht auf eine übermäßige Vergesslichkeit, beginnt die Abklärung in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese in der Arztpraxis. Dabei wird erhoben, welche Veränderungen seit wann bestehen und in welchen Situationen sie beobachtet wurden. Auch Rückmeldungen von Angehörigen fließen dabei ein.

Die Lilly-Initiative „Bevor du es vergisst“ empfiehlt zur Vorbereitung eines Arztbesuchs eine Checkliste: Betroffene sollten eigene Beobachtungen notieren, eine aktuelle Medikamentenliste mitbringen, eine vertraute Person hinzuziehen sowie vorab einen Selbsttest zu Hause in Betracht ziehen.

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Wer sich über zunehmende Vergesslichkeit im Alltag sorgt, kann mit einem strukturierten 7-Fragen-Check erste Warnsignale besser einordnen. Dieser kurze Selbsttest bietet eine diskrete Möglichkeit, in nur zwei Minuten eine erste Einschätzung zu erhalten. Hier den anonymen Demenz-Selbsttest starten

In der Praxis kommen standardisierte kognitive Testverfahren zum Einsatz. Dazu zählen der Mini-Mental-Status-Test (MMST), das Verfahren DemTect, der Uhrentest sowie das Montreal Cognitive Assessment (MoCa). Letzteres umfasst Aufgaben zum Merken von 5 Begriffen, zur Orientierung, zur Logik sowie zum Zeichnen von Mustern und Uhrzeigern.

Ergänzend werden Blut- und Urintests veranlasst. Diese Laboruntersuchungen sind essenziell, da Vergesslichkeit auch behandelbare Ursachen wie Flüssigkeits- oder Vitaminmangel, Funktionsstörungen der Schilddrüse oder eine Bestellung haben kann.

Prävention und regionale Informationsangebote

Biologisch setzt eine Alzheimer-Erkrankung bis zu 20 Jahre vor den ersten spürbaren Gedächtnislücken an. Nach Einschätzung von Fachleuten ließen sich bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle durch 14 beeinflussbare Risikofaktoren potenziell verhindern oder zumindest zeitlich verzögern.

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Zu diesen Faktoren zählen Bluthochdruck, Einsamkeit, Alkohol, Bewegungsmangel, Diabetes, eine Zunahme des Körperfetts, Schlafstörungen und ungesunde Ernährungsgewohnheiten.

Wie groß das Bedürfnis nach frühzeitiger Orientierung ist, zeigen regionale Testangebote. Bei einem Demenz-Test-Tag in Dillingen ließen mehr als 60 Personen ihr Gedächtnis überprüfen; das Angebot richtete sich erstmals an Interessierte ab 65 Jahren. Solche Kurztests ersetzen keine medizinische Diagnose, liefern jedoch wertvolle erste Anhaltspunkte.

Zusätzliche Aufklärung bieten lokale Veranstaltungen: In der Seniorenwohnanlage Laichingen findet am Samstag, 17. Oktober, ab 9 Uhr der Informationsvormittag „Altersvergesslichkeit oder Demenz?

Verstehen – Erleben – Sicher handeln“ statt. Die von der Volkshochschule und dem Ortskrankenpflegeverein Laichinger Alb organisierte Veranstaltung vermittelt Grundlagen zu Demenzformen, Diagnosewegen und Alltagsbewältigung und bietet zudem einen Demenzsimulator an. Anmeldungen sind bei der VHS Laichingen möglich.

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