Demenz, Bluttest

Demenz: Bluttest erkennt Erkrankung bis 25 Jahre im Voraus

07.06.2026 - 20:50:07 | boerse-global.de

NAKO-Studie zeigt: Fast die HÀlfte aller DemenzfÀlle ist durch verÀnderbare Risikofaktoren vermeidbar. Diabetes-Medikamente und neue Bluttests bieten zusÀtzliche Chancen.

Demenz-PrĂ€vention: Lebensstil als SchlĂŒssel ab 20 Jahren
Demenz - Ein stilisiertes, leuchtendes Gehirnmodell, umgeben von abstrakten Elementen, die einen gesunden Lebensstil symbolisieren. 07.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigen aktuelle Auswertungen der NAKO-Gesundheitsstudie, die im Mai und Juni 2026 veröffentlicht wurden. Forscher der UniversitĂ€t Leipzig identifizierten Rauchen, Bewegungsmangel, Depressionen und Übergewicht als wesentliche Risikotreiber – und das bereits bei jungen Erwachsenen.

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Lebensstil wirkt schon mit 20

Die Studie umfasst rund 150.000 Teilnehmer zwischen 20 und 75 Jahren. Mithilfe des LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health) ließen sich Risikofaktoren bereits bei den 20- bis 39-JĂ€hrigen messbar nachweisen. WĂ€hrend in jungen Jahren verhaltensbezogene und psychosoziale Faktoren dominieren, kommen ab 60 vaskulĂ€re Probleme wie Bluthochdruck und Diabetes hinzu.

Der Soziologe Felix Wittmann betont: Risikofaktoren kumulieren ĂŒber die Lebensspanne. Ein niedriger sozioökonomischer Status korreliere hĂ€ufig mit schlechteren LIBRA-Werten – bei Frauen sei dieser Zusammenhang besonders stark ausgeprĂ€gt.

Diabetes-Medikamente schĂŒtzen das Gehirn

Neue Daten der FLOW-Studie vom Juni 2026 belegen eine ĂŒberraschende Wirkung: Das Diabetes-Medikament Semaglutid senkt das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 53 Prozent. Eine Analyse von ĂŒber 90.000 Patienten in JAMA Neurology bestĂ€tigt den Trend: GLP-1-Agonisten reduzierten das Risiko um rund 33 Prozent, SGLT2-Inhibitoren sogar um 43 Prozent.

Die Forschung differenziert auch nach Geschlecht. Bei Frauen gelten Depressionen und Bewegungsmangel als Hauptfaktoren, bei MĂ€nnern stehen Hörverlust und Diabetes im Fokus. Selbst die FlĂŒssigkeitszufuhr spielt eine Rolle: Eine sĂŒdkoreanische Studie mit 287 Teilnehmern beobachtete bei einer Trinkmenge unter 1,2 Litern pro Tag einen stĂ€rkeren Anstieg schĂ€dlicher Amyloid-Ablagerungen.

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Grenzen der PrÀvention: Genetik lÀsst sich nicht austricksen

Doch nicht jeder profitiert gleichermaßen vom gesunden Lebensstil. Untersuchungen der Kyushu University und des RIKEN-Instituts zeigen die Grenzen auf. TrĂ€ger von zwei Kopien des APOE ?4-Allels haben ein mehr als zehnfach erhöhtes Demenzrisiko – und bei ihnen zeigte ein gesunder Lebensstil keinen messbaren Schutzeffekt.

MRT-Untersuchungen an 9.605 japanischen Probanden offenbarten HirnschĂ€den unabhĂ€ngig von deren Lebensweise. Professor Toshiharu Ninomiya fordert daher frĂŒhe klinische Interventionen und neue Therapien fĂŒr diese Hochrisikogruppe.

Bluttests erkennen Demenz Jahre im Voraus

Die Diagnostik macht ebenfalls Fortschritte. Eine im Mai 2026 im Lancet veröffentlichte Studie mit 1.350 Teilnehmern zeigt: Bluttests auf Biomarker wie p-tau217 und Amyloid können ein erhöhtes Risiko bereits Jahre vor Symptomen anzeigen. Eine Untersuchung der UC San Diego an ĂŒber 2.700 Frauen legt sogar nahe, dass erhöhte p-tau217-Werte eine Demenz bis zu 25 Jahre im Voraus prognostizieren könnten.

EntzĂŒndungsprozesse im Gehirn entschlĂŒsselt

Auf zellulĂ€rer Ebene liefern Forscher der UniversitĂ€t Heidelberg und des DKFZ neue Erkenntnisse. Sie identifizierten sogenannte Killer-T-Zellen als Treiber von EntzĂŒndungsprozessen an Amyloid-Plaques. WĂ€hrend im FrĂŒhstadium Mikrogliazellen dominieren, ĂŒbernehmen spĂ€ter T-Zellen die Steuerung der Neuroinflammation.

Wissenschaftler um Professor Hilmar Bading entdeckten zudem einen toxischen Proteinkomplex aus NMDA-Rezeptoren und TRPM4-IonenkanĂ€len. Dieser fungiert als Schaltstelle fĂŒr NervenschĂ€digungen. Ein neu entwickelter Wirkstoff namens FP802 konnte diesen Komplex in Mausmodellen blockieren und die GedĂ€chtnisleistung erhalten. Eine klinische Anwendung steht allerdings noch aus.

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