Demenz-Forschung, Kürzere

Demenz-Forschung: Kürzere Schritte bei Hunden zeigen kognitiven Abbau

28.06.2026 - 00:39:15 | boerse-global.de

Tierkontakte, personalisierte Musik-Apps und Clowns sollen Demenzkranke unterstützen und das Pflegesystem entlasten.

Demenzpflege: Schweine, Hunde, Musik und Clowns als neue Helfer
Demenz-Forschung - Eine ältere Hand streichelt sanft die Schnauze eines kleinen, sauberen Schweins, das ruhig und zufrieden aussieht. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Tierkontakte, Musik-Apps und Clowns sollen die Lebensqualität verbessern – und das Pflegesystem entlasten.

Schweine streicheln auf dem Krümelhof

Ein ungewöhnliches Projekt startete Ende Juni in Augsburg. Auf dem Krümelhof können Demenzkranke Schweine kraulen. Die Idee: Der direkte Kontakt zu den Nutztieren soll das Wohlbefinden steigern. Die Hochschule Kempten begleitet das Vorhaben wissenschaftlich und wertet die Effekte systematisch aus.

Etablierter sind Besuchsdienste mit Hunden. In Hennef bilden die Malteser Mensch-Hund-Teams aus. Die Teams besuchen gezielt ältere und erkrankte Menschen, um Vereinsamung zu verhindern. Praxisberichte zeigen: Wöchentliche Besuche von Ehrenamtlichen mit speziell geschulten Hunden – etwa Border Terriern – werden zu festen Ankerpunkten im Alltag der Senioren.

Hunde als Modell für Demenz-Forschung

Die Forschung nutzt Tiere nicht nur als Therapeuten, sondern auch als Forschungsmodell. Eine Studie der North Carolina State University untersuchte den Zusammenhang zwischen Bewegungsabläufen und kognitivem Verfall bei Hunden. Die Ergebnisse wurden in „Frontiers in Veterinary Science“ veröffentlicht.

88 Hunde mit einem Durchschnittsalter von 12,7 Jahren nahmen teil. Forscherin Natasha J. Olby stellte fest: Kürzere Schritte der Vorderbeine korrelieren mit messbarem kognitivem Abbau. Konkret: Ein Anstieg von 10 Punkten auf einer Demenz-Skala entspricht einer Verkürzung der Schrittlänge um 1,2 Prozent. Die Erkenntnisse könnten helfen, Demenz bei Haustieren früher zu erkennen – und als Modell für degenerative Prozesse beim Menschen zu dienen.

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Die Forschung zeigt: Kürzere Schritte bei Hunden können auf kognitiven Abbau hinweisen. Übertragen auf den Menschen ergeben sich daraus einfache Beobachtungsmöglichkeiten für Angehörige. Unser kostenloser Leitfaden fasst die wichtigsten Früherkennungszeichen, praktische Alltagstests und eine Checkliste zusammen. Jetzt Leitfaden anfordern

Musik-App und Clowns: Digitale und künstlerische Hilfe

Die Universität Jena entwickelte eine Musik-App mit individuell abgestimmten Playlists für Demenzkranke. In Tests zeigte sich: Personalisierte Lieblingslieder entspannen die Patienten und erleichtern die Pflege für Angehörige. Das Projekt, gefördert unter anderem vom GKV-Spitzenverband, soll nun bundesweit in Pflegeeinrichtungen getestet werden.

Eine andere Form der Zuwendung bieten Gesundheitclowns. Die Tamala Clown Akademie in Konstanz feierte im Juni ihr 25-jähriges Bestehen. Sie bildet Fachkräfte in einer zweijährigen Ausbildung für den Einsatz auf Demenzstationen und in Kliniken aus. Ziel: Durch Humor und emotionale Zuwendung Heilungsprozesse fördern und das soziale Miteinander stärken.

Wer soll das bezahlen?

Die Vielfalt der neuen Angebote trifft auf eine Grundsatzdebatte: Wie lässt sich die Pflege langfristig finanzieren? Politiker fordern Ende Juni Reformen. Der CSU-Politiker Klaus Holetschek sprach sich für eine kapitalgedeckte Säule nach schwedischem Vorbild aus. Auch DAK-Chef Andreas Storm verlangt einen Kapitalstock aus Aktien- und Anleihefonds. Nur so, so die Argumentation, ließen sich innovative Versorgungsformen und notwendige Leistungen auch bei einer alternden Gesellschaft ohne massive Kürzungen finanzieren.

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