Demenz-FrĂŒherkennung: Verlangsamte Augenreaktionen zeigen Risiken bis zu 12 Jahre frĂŒher
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerĂ€nderungen an den Augen können wichtige Hinweise auf neurodegenerative Prozesse liefern. Wie wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen, fungieren spezifische AuffĂ€lligkeiten der Augen â insbesondere verlangsamte visuelle Reaktionen und vaskulĂ€re Modifikationen der Netzhaut â als frĂŒhe Vorboten einer Demenz.
Da neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten klinischer Symptome im Gehirn beginnen, rĂŒckt die ophthalmologische Diagnostik verstĂ€rkt in den Fokus der Vorsorgeforschung.
Signale im Auge viele Jahre vor ersten Symptomen
Untersuchungen zeigen, dass die Augenreaktion ein empfindlicher Indikator fĂŒr kognitive VerĂ€nderungen sein kann. Eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung ergab, dass eine verringerte Geschwindigkeit der Augenreaktion bereits bis zu 12 Jahre vor einer klinischen Diagnose auf einen kognitiven Abbau hindeuten kann.
DarĂŒber hinaus lassen sich auch strukturelle vaskulĂ€re Muster identifizieren: Laut einer im Journal JAMA Ophthalmology erschienenen Studie vergröĂert sich die nicht vaskularisierte FlĂ€che im Zentrum der Retina teils bis zu 17 Jahre vor dem Auftreten klinischer Alzheimer-Symptome. Fachleute raten daher zu regelmĂ€Ăigen Kontrolluntersuchungen der Augen, insbesondere bei einer familiĂ€ren Vorbelastung fĂŒr Demenzerkrankungen.
ErgĂ€nzende Befunde liefert eine britische Untersuchung an mehr als 30.000 gesunden Erwachsenen. Bei Personen, die die dĂŒnnste Netzhaut-Nervenschicht aufwiesen, trat nach einigen Jahren fast doppelt so hĂ€ufig eine Verschlechterung der GedĂ€chtnisleistung und des logischen Denkens auf.
Die Messung dieser Schichtdicke mittels optischer KohÀrenztomographie (OCT) gilt als besonders zeiteffizient: Das Verfahren dauert unter zwei Minuten und liefert Ergebnisse, die auf wenige Tausendstel Millimeter genau sind.
Eine in PLOS One publizierte Meta-Analyse untersuchte diese NetzhautverĂ€nderungen mittels OCT-Angiographie bei leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung sowie Alzheimer-Patienten anhand von Daten aus acht Studien, aufgeschlĂŒsselt nach den eingesetzten GerĂ€ten der Hersteller Optovue und Zeiss.
Da schleichende VerĂ€nderungen der Augen oft lange unbemerkt bleiben, ist eine regelmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung der Sehkraft ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Dieser kostenlose Online-Sehtest ermöglicht Ihnen eine sofortige EinschĂ€tzung von zu Hause aus. In 3 Minuten Sehkraft kostenlos prĂŒfen
Forschungsgrenzen und systemische ZusammenhÀnge
Trotz dieser Korrelationen bleibt die Aussagekraft einzelner Tests begrenzt. Eine durch das US National Institute on Aging geförderte Untersuchung stellte zwar spezifische Ăbereinstimmungen zwischen VerĂ€nderungen an den Retinazellen und dem Hirngewebe fest, hielt jedoch fest, dass eine Demenzdiagnose allein ĂŒber eine Augenuntersuchung derzeit nicht möglich ist.
Umfassendere AnsĂ€tze verfolgen daher multimodale Kohorten. Im Rahmen der brasilianischen Bioaz-Kohorte (unter Leitung der Unifesp und gefördert durch die FAPESP) sollen 500 Personen ab 55 Jahren mit GedĂ€chtnisbeschwerden ĂŒber fĂŒnf Jahre hinweg mittels OCT, Audiometrie, Neurobildgebung sowie Plasma- und Liquoranalysen begleitet werden.
Im ersten Jahr umfasst die Gruppe etwa 125 Teilnehmende. Explorative Analysen der Arbeitsgruppe um Eduardo Zimmer an der UFRGS deuten darauf hin, dass rund 25 Prozent der Stichprobe Alzheimer-relevante Biomarker wie pTau217 im Plasma aufweisen. Die Rekrutierung fĂŒr die Kohorte wurde vorĂŒbergehend pausiert, um eine stĂ€rkere DiversitĂ€t unter den Teilnehmenden zu erreichen.
Neben visuellen Markern spielen weitere sensorische Faktoren eine Rolle. Der Bericht der Lancet-Demenzkommission verweist darauf, dass eine Hörminderung das Demenzrisiko erhöht; Daten der CDC zeigen zudem, dass Menschen mit Diabetes etwa doppelt so hÀufig von Hörproblemen betroffen sind.
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Kliniken empfehlen daher eine kombinierte Ausgangsuntersuchung der Netzhaut und des Gehörs im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, die alle drei bis fĂŒnf Jahre wiederholt werden sollte. Liegen Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, eine Glaukom-Belastung oder regelmĂ€Ăige LĂ€rmbelastung vor, wird ein jĂ€hrlicher Rhythmus angeraten.
LangjĂ€hriger Bluthochdruck kann zu verengten Netzhaut-Arteriolen sowie in schweren FĂ€llen zu Blutungen, Exsudaten oder Papillenödemen fĂŒhren. Diabetes schwĂ€cht wiederum GefĂ€ĂwĂ€nde und verursacht FlĂŒssigkeitsleckagen. Solche GefĂ€ĂverĂ€nderungen sind in der Augenuntersuchung erkennbar, noch bevor Sehprobleme, verschwommenes Sehen oder EinschrĂ€nkungen im Dunkeln von den Betroffenen bemerkt werden.
