Demenz-Kommunikation: Hildegard Nachum rÀt zu sechs Monaten Tagebuch
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deWenn kognitive FÀhigkeiten nachlassen, stehen Betroffene und ihre Angehörigen vor tiefgreifenden Herausforderungen im Alltag. Bei einem Vortrag im Schloss Neupernstein in Kirchdorf an der Krems stellte Hildegard Nachum einen verÀnderten Blickwinkel auf die Erkrankung vor.
Zentral sei dabei der Ansatz, statt von Demenz eher von VerĂ€nderungen zu sprechen. Auch wenn logische FĂ€higkeiten nachlassen, bleiben GefĂŒhle, persönliche WĂŒrde und das BedĂŒrfnis nach NĂ€he ĂŒber den gesamten Verlauf hinweg erhalten. Ein VerstĂ€ndnis fĂŒr diesen Wandel ermöglicht es Familien, den Kontakt zueinander nicht zu verlieren.
Altersvergesslichkeit und frĂŒhe Warnzeichen differenzieren
Nicht jedes Nachlassen der geistigen Frische deutet unmittelbar auf eine demenzielle Erkrankung hin. Wie Nachum darlegte, setzt der natĂŒrliche Abbau des Gehirns bereits ab dem 30. Lebensjahr ein, wĂ€hrend das NamensgedĂ€chtnis typischerweise ab dem 50. Lebensjahr schwĂ€cher wird. Diese normale Altersvergesslichkeit sei klar von einer Demenz abzugrenzen.
Treten jedoch anhaltende Sorgen auf, empfiehlt Nachum das FĂŒhren eines Tagebuchs ĂŒber einen Zeitraum von sechs Monaten. Zu den typischen Warnsignalen zĂ€hlen anhaltende Sprachprobleme, Orientierungslosigkeit sowie das wiederholte Verlegen von GegenstĂ€nden. Das von Nachum gemeinsam mit Zika verfasste Buch mit dem Titel Verbunden bleiben bei Demenz erschien im August 2026 und vertieft diese ZusammenhĂ€nge praxisnah.
Neue Wege im GesprÀch und die Kraft der Musik
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In der tÀglichen Kommunikation empfiehlt sich ein Wechsel der Perspektive. Nachum verwies auf die Methode der Validation nach Naomi Feil. Anstelle von abfragenden Fragen wie der Erkundigung nach dem konkreten Essen sei es ratsamer, sich nach dem Empfinden zu erkundigen und zu fragen, wie es geschmeckt habe. Zudem könne Musik im eigentlichen Sinne nicht dement werden, was sie zu einem besonders wertvollen Zugang mache.
Diesen Aspekt bestĂ€tigt auch die Musiktherapeutin Susanne Hausmann, die seit 23 Jahren im Haus MĂŒggelspree der Stephanus-Stiftung in Berlin-Köpenick tĂ€tig ist. Musik passiere stets im Augenblick und vermittle Betroffenen Orientierung und Sicherheit. Insbesondere das gemeinsame Singen von Volksliedern mit klarer Form wirke beruhigend.
Zudem beleuchtete Maximiliane Figgemeier von der Alzheimer Gesellschaft Landkreis MĂŒnchen in einem Medieninterview das PhĂ€nomen der sogenannten weiĂen Trauer. Angehörige erleben dabei oft einen schleichenden Verlust und intensive GefĂŒhle, wenn ein Partner durch das Voranschreiten der Demenz schrittweise verschwindet.
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Fachliche UnterstĂŒtzung und globale Dimension
FĂŒr die Begleitung im Alltag existieren vielfĂ€ltige Schulungs- und Fachangebote. So thematisiert Susanne MauĂner vom Ostalb-Klinikum in der DRK-Seniorenresidenz Im Heimatwinkel in Aalen-Hofherrnweiler den wertschĂ€tzenden, validierenden Umgang.
Der dortige DRK-Kreisverband Aalen betreibt sieben Pflegeeinrichtungen, eine Tagespflege sowie einen ambulanten Dienst. Auch Veröffentlichungen wie das von Erich SchĂŒtzendorf herausgegebene Buch Kommunikation mit Menschen mit Demenz, erschienen fĂŒr 24,99 Euro im medhochzwei Verlag, widmen sich nonverbalen Wegen wie BerĂŒhrung, Radio und assoziativem Dialog.
Die gesellschaftliche Bedeutung des Themas wĂ€chst stetig. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation lebten im Jahr 2021 weltweit 57 Millionen Menschen mit Demenz, wovon ĂŒber 60 Prozent auf LĂ€nder mit niedrigem und mittlerem Einkommen entfielen. JĂ€hrlich kommen fast 10 Millionen Neuerkrankungen hinzu, wobei Alzheimer 60 bis 70 Prozent der FĂ€lle ausmacht.
Die weltweiten Kosten beliefen sich im Jahr 2019 auf 1,3 Billionen US-Dollar, von denen rund 50 Prozent auf informelle Pflegeleistungen durch Angehörige entfielen. Ein empathischer Kommunikationsansatz bleibt daher ein essenzieller Baustein der hÀuslichen Versorgung.
