Demenz-PrÀvention: 45% der FÀlle könnten verhindert werden
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts steigender Fallzahlen bei demenziellen Erkrankungen gewinnen prĂ€ventive und therapeutische Angebote zur kognitiven Aktivierung zunehmend an Bedeutung. SchĂ€tzungen zufolge leben in Deutschland derzeit ĂŒber 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, eine Zahl, die bis zum Jahr 2050 auf etwa 3 Millionen ansteigen könnte.
Vor diesem Hintergrund etablieren Kommunen, Kliniken und Forschungseinrichtungen verstÀrkt Programme, die auf den Erhalt der geistigen LeistungsfÀhigkeit und die Förderung der sozialen Teilhabe abzielen.
Kommunale Initiativen zur GedÀchtnisförderung
Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung sind niederschwellige Gruppenangebote im öffentlichen Raum. In Bernau startet am 20. August 2026 im Gemeindezentrum Schönow ein kostenfreies Programm unter dem Titel âFröhlich sein und knobelnâ.
Die wöchentliche Veranstaltung findet jeweils donnerstags zwischen 10:30 Uhr und 11:30 Uhr statt und konzentriert sich auf die spielerische Aktivierung des GedĂ€chtnisses. Anmeldungen fĂŒr dieses Angebot werden ĂŒber den TrĂ€ger Aufwind vor Ort unter der Rufnummer 03338 661650 entgegengenommen.
ErgÀnzend dazu bietet die Stadt ein monatliches Demenz-Café an, das jeden dritten Donnerstag im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Bernau stattfindet.
Ăhnliche Strukturen finden sich auch in anderen Regionen. In Troisdorf initiiert die AWO Oberlar ab dem 14. September 2026 ein Gehirntraining, das alle 14 Tage unter der Leitung von Carolin Adler-Blume durchgefĂŒhrt wird. Auch in Essen wird mit wöchentlichen GedĂ€chtnistrainings im Forum Billebrinkhöhe auf spielerische Elemente und gemeinschaftliches Erleben gesetzt.
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International zeigen sich vergleichbare AnsĂ€tze, wie etwa in Brax, Frankreich, wo ab Oktober 2026 spezialisierte Ateliers fĂŒr ĂŒber 60-JĂ€hrige durch FachkrĂ€fte aus den Bereichen Ergotherapie und Psychologie geleitet werden.
Innovative Konzepte in der klinischen Rehabilitation
Neben kommunalen Gruppenangeboten setzen Kliniken verstÀrkt auf realitÀtsnahe Therapieumgebungen. Die Asklepios Klinik Altona hat hierzu ein neurologisches Therapiezentrum eröffnet, das einen integrierten Trainingsmarkt umfasst.
In Kooperation mit dem Lebensmitteldiscounter Penny sowie Partnern wie Röpke Ladenbau und der Holzwerkstatt wurde ein Umfeld geschaffen, in dem Patienten nach einem Schlaganfall alltĂ€gliche Handlungen wie die Warenentnahme aus Regalen, die Orientierung im Raum und den Bezahlvorgang an einer Kasse unter therapeutischer Anleitung ĂŒben können. Die kĂŒnstlerische Gestaltung der RĂ€umlichkeiten ĂŒbernahm dabei Ray de la Cruz.
Im internationalen Vergleich kommen zudem nicht-pharmakologische Therapieformen zum Einsatz. Das Krankenhaus Santo Stefano im italienischen Prato nutzt bereits seit einigen Jahren die sogenannte âDoll Therapyâ.
In der Geriatrie werden dabei vier therapeutische Puppen eingesetzt, um bei Patienten mit kognitivem Abbau Agitation und Delirium zu reduzieren. In britischen Pflegeeinrichtungen wie der Ruby Lodge in Thirsk werden zudem CST-Sitzungen (Cognitive Stimulation Therapy) durchgefĂŒhrt, die auf Wortassoziationen und ErinnerungsgesprĂ€chen basieren.
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Forschung und prÀventive Materialien
Die wissenschaftliche Einordnung der PrĂ€vention verdeutlicht das Potenzial frĂŒhzeitiger Intervention. Laut einer Analyse der Lancet-Kommission könnten theoretisch 45 Prozent der DemenzfĂ€lle durch die Beeinflussung von 14 spezifischen Risikofaktoren verhindert werden.
In diesem Kontext sucht die österreichische LETHE-AT-Studie an den UniversitĂ€tsstandorten Wien, Graz und Innsbruck derzeit 300 Teilnehmende im Alter zwischen 55 und 75 Jahren, um ĂŒber einen Zeitraum von 18 Monaten PrĂ€ventionsstrategien zu untersuchen.
Zur UnterstĂŒtzung der praktischen Arbeit werden zudem spezialisierte Materialien entwickelt. Der SingLiesel-Verlag stellte zuletzt der StadtbĂŒcherei Lengerich eine BeschĂ€ftigungskiste im Wert von 250 Euro zur VerfĂŒgung, die Fachliteratur und Spiele fĂŒr die Arbeit mit Demenzkranken enthĂ€lt.
Auch fĂŒr den Bildungsbereich entstehen Ressourcen wie das Zellbiologie-Kartenspiel âZell-Trumpfâ des Vienna Open Lab, das gegen Versandkosten von 12.17 Euro nach Deutschland bezogen werden kann und die Wissensvermittlung in der Sekundarstufe mit spielerischen Elementen verknĂŒpft.
