Demenz-Risiko: Anticholinergika erhöhen Erkrankungschance um 54%
27.06.2026 - 10:44:04 | boerse-global.de
Eine alternde Gesellschaft und neue wissenschaftliche Erkenntnisse treiben die Entwicklung voran. Das Spektrum reicht von haptischen Brettspielen ĂŒber digitale Assistenzsysteme bis hin zu medizinischen PrĂ€ventionsansĂ€tzen.
Magnetische Spiele und TrainingsbĂŒcher
FĂŒr GedĂ€chtnistrainings in der hĂ€uslichen Pflege und in stationĂ€ren Einrichtungen gibt es inzwischen spezialisierte Materialien. Magnetische Brettspiele spielen dabei eine zentrale Rolle. Produkte wie âMĂŒhle/Dameâ, âHalmaâ oder âSolitĂ€râ in magnetischer AusfĂŒhrung kosten zwischen 45 und 83 Euro. Taktile Hilfsmittel wie spezielle AugenwĂŒrfel-Sets ergĂ€nzen das Angebot.
GedĂ€chtnistrainingsbĂŒcher bilden eine weitere SĂ€ule der kognitiven Förderung. Fachpublikationen und ĂbungsbĂŒcher fĂŒr ganzheitliches Gehirntraining richten sich an FachkrĂ€fte und Angehörige. In der Gruppenarbeit kommen Konzepte wie das âWabe Spielâ, Seniorenbingo oder kommunikationsfördernde Formate wie âDie kleine Plaudertascheâ zum Einsatz. Sie stĂ€rken neben der Kognition auch die soziale Interaktion.
Musik-App und Pflegewissenschaft
Die Technologie ergĂ€nzt zunehmend die klassischen Methoden. Forschende der UniversitĂ€t Jena entwickeln eine Musik-App, die durch individuelle Playlists das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz steigern soll. Eine Studie in fĂŒnf Pflegeheimen belegte bereits eine stimmungsaufhellende Wirkung. Mit UnterstĂŒtzung des GKV-Spitzenverbandes wurde der Einsatz in der hĂ€uslichen Pflege untersucht. Eine bundesweite Testphase in Pflegeeinrichtungen bereitet die Kummerfeldt Stiftung vor.
Claudia Eckstein, Professorin an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, betont die Relevanz der Pflegewissenschaft fĂŒr die Altenhilfe. Ein Studium in diesem Bereich könne die VersorgungsqualitĂ€t und den Umgang mit kognitiven EinschrĂ€nkungen verbessern.
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Medikamente als Risikofaktor
Die Wissenschaft identifiziert immer prÀziser Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen. Bestimmte Medikamentengruppen können das Risiko einer Erkrankung deutlich erhöhen. Anticholinergika werden mit einer Risikoerhöhung von bis zu 54 Prozent in Verbindung gebracht. Protonenpumpenhemmer könnten das Risiko um etwa 44 Prozent steigern. Zu zu den kritischen Wirkstoffen zÀhlen Diphenhydramin, Oxybutynin, Omeprazol sowie bestimmte Benzodiazepine und Antipsychotika.
Andere medizinische Interventionen zeigen prĂ€ventive Effekte. SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten senken das Alzheimer-Risiko um 33 bis 43 Prozent. Eine Impfung gegen GĂŒrtelrose wird mit einer Risikoreduktion von 24 Prozent assoziiert.
Da viele gĂ€ngige Medikamente im Alter plötzlich riskant werden und Verwirrtheit oder StĂŒrze auslösen können, ist eine genaue AufklĂ€rung ĂŒber Wirkstoffe lebenswichtig. Informieren Sie sich in diesem kostenlosen Report ĂŒber sichere Alternativen zu gefĂ€hrlichen PrĂ€paraten. Kostenlose Medikamenten-Checkliste anfordern
FrĂŒherkennung durch Bluttest und KI
Neue Verfahren ermöglichen eine frĂŒhere Erkennung von Demenz. Ein CE-gekennzeichneter Bluttest (pTau217) erreicht eine Genauigkeit von ĂŒber 90 Prozent bei der Identifizierung von Amyloid-Pathologien. Die KI-gestĂŒtzte Netzhautanalyse verspricht eine Risikoprognose bis zu 8,55 Jahre vor dem Auftreten erster Symptome.
Bewegung und neue Fachliteratur
Kognitive Ăbungen werden vermehrt mit körperlicher AktivitĂ€t kombiniert. Mitte Juni fand in Bielefeld ein Aktionstag zur Tagespflege statt, der GedĂ€chtnistraining als Mitmachangebot integrierte. In Potsdam werden Ende Juni und im Juli begleitete Gesundheitswanderungen fĂŒr Menschen mit Demenz durchgefĂŒhrt. Boule-Termine fördern Koordination und Gemeinschaft.
Zum 1. Juli erscheint das Fachbuch âCognitive Careâ von Bae Ho-su. Es enthĂ€lt 62 Fallbeispiele, die PflegekrĂ€ften praxisnahe Lösungswege fĂŒr den Pflegealltag aufzeigen. In der klinischen Forschung werden auch unkonventionelle Wege untersucht: Ein in âFrontiers in Neuroscienceâ veröffentlichter Fallbericht beschreibt die Behandlung einer 80-jĂ€hrigen Alzheimer-Patientin mit psilocybinhaltigen Substanzen. Im Einzelfall fĂŒhrte dies zu Verbesserungen in MobilitĂ€t und verbaler Kommunikation. Neue Antikörpertherapien wie Donanemab und Lecanemab sind bereits in spezialisierten deutschen Kliniken verfĂŒgbar.
