Demenz-Versorgung, Auszeithöfe

Demenz-Versorgung: 43 Auszeithöfe bieten tiergestĂŒtzte Therapie

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bayern fördert Auszeithöfe, StÀdte setzen auf Quartierskonzepte: Neue Studien und Projekte sollen die Demenzversorgung in Deutschland verbessern.

Demenz-Versorgung: Neue Projekte von Auszeithöfen bis digitaler Pflege
Ein Ă€lterer Mensch mit Demenz streichelt auf einem Bauernhof ein Tier im Rahmen eines tiergestĂŒtzten Therapieangebots. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Angesichts steigender Diagnoseraten bei Demenzerkrankungen gewinnen neue Versorgungsmodelle und regionale Kooperationen zunehmend an Bedeutung. Die Hochschule Kempten initiiert in diesem Kontext neue Projekte zur Verbesserung der Versorgungssituation. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Etablierung sogenannter Auszeithöfe, die pflegenden Angehörigen und Betroffenen spezialisierte UnterstĂŒtzungsangebote im lĂ€ndlichen Raum bieten. In Bayern existieren derzeit 43 dieser Höfe, wovon 18 in der Region Schwaben angesiedelt sind.

TiergestĂŒtzte Therapie und lĂ€ndliche Entlastungsangebote

Das Projekt der Auszeithöfe ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt und erhĂ€lt finanzielle Förderung durch das bayerische Gesundheitsministerium. Ein zentrales Element dieser Struktur ist die Nutzung landwirtschaftlicher Betriebe fĂŒr soziale Zwecke. Ein Beispiel hierfĂŒr ist der Auszeithof KrĂŒmelhof im Raum Augsburg. Dort werden monatlich tiergestĂŒtzte Nachmittage fĂŒr Menschen mit Demenz organisiert.

Die therapeutische Zielsetzung besteht darin, durch den Kontakt zu Tieren die Agitiertheit der Patienten zu reduzieren. Zudem beobachten Fachleute, dass die Interaktion mit den Tieren dazu beitragen kann, verloren geglaubte Erinnerungen bei den Betroffenen zu reaktivieren. Diese AnsÀtze ergÀnzen die klassische pflegerische Versorgung um niederschwellige, regionale Komponenten.

Evaluierung urbaner Quartierskonzepte

WĂ€hrend im lĂ€ndlichen Raum die Auszeithöfe ausgebaut werden, liegt der Fokus in urbanen Gebieten auf der StĂ€rkung des unmittelbaren Wohnumfelds. Die UniversitĂ€t OsnabrĂŒck fĂŒhrt eine dreijĂ€hrige Evaluation von sechs Modellprojekten in Hamburg durch, die auf der Grundlage des §123 SGB XI basieren. Ziel dieser Konzepte ist es, durch Quartierspflegedienste und Nachbarschaftstreffs den Verbleib der Betroffenen in ihrer gewohnten Umgebung so lange wie möglich zu sichern.

Finanzielle UnterstĂŒtzung finden diese Vorhaben durch das PflegeunterstĂŒtzungs- und -entlastungsgesetz (PUEG), das bereits seit dem Jahr 2023 den gesetzlichen Rahmen fĂŒr solche Innovationen bildet. Angesichts von deutschlandweit rund 1,8 Millionen Demenzkranken, wie sie die Deutsche Alzheimergesellschaft beziffert, wird der Bedarf an skalierbaren Lösungen fĂŒr unterschiedliche LebensrĂ€ume immer dringlicher.

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Schulung von Angehörigen und ehrenamtliche Begleitung

Neben der direkten Betreuung rĂŒckt die UnterstĂŒtzung der pflegenden Angehörigen verstĂ€rkt in den Fokus der Netzwerkarbeit. Die Alzheimer Gesellschaft DĂŒsseldorf organisiert hierzu eine kostenfreie Vortragsreihe fĂŒr Angehörige am Standort Krefeld. Geplant sind Termine am 17., 18. und 20. August 2026, die sowohl Vormittags- als auch Abendstunden abdecken, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Das Vorhaben wird durch Mittel der Deutschen Fernsehlotterie ermöglicht.

ErgĂ€nzend dazu werden Strukturen fĂŒr die Sterbebegleitung in stationĂ€ren Einrichtungen ausgebaut. In Braunschweig erprobt die dortige Hospiz Stiftung im Rahmen des Pilotprojekts „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“ den Einsatz von Ehrenamtlichen in Pflegeheimen. Die Stiftung rechnet damit, dass die Zahl der stationĂ€ren Sterbebegleitungen bis zum Ende des Jahres 2026 um 40 Prozent steigen wird.

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Forderungen nach digitaler Transformation der Pflege

Parallel zu den regionalen Praxisprojekten wird die de-batte um eine strukturelle Modernisierung der Pflegeumgebung gefĂŒhrt. Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV) hat in einem Positionspfapier vom 7. August 2026 neun Reformschritte fĂŒr eine digitale Pflege formuliert. Angesichts von ĂŒber 6 Millionen PflegebedĂŒrftigen in Deutschland fordert der Verband, digitale Koordinationsleistungen fest in die Regelversorgung zu integrieren.

Zudem betonen die Experten des SVDGV die Notwendigkeit, die Telepflege rechtlich abzusichern und die Evidenzanforderungen fĂŒr Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) praxisnah zu gestalten. Diese digitalen Werkzeuge sollen kĂŒnftig dazu beitragen, die Effizienz der regionalen Netzwerke zu steigern und die Kommunikation zwischen professionell Pflegenden, Angehörigen und ehrenamtlichen Helfern zu verbessern.

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