Demenzbegleitung: Nesteldecken und VR-Brillen statt Medikamente
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 17:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Im Mittelpunkt stehen dabei haptische Hilfsmittel, technologische Simulationen und soziale Aktivierung.
Wenn die Hände beschäftigt sein wollen
Nesteldecken sind ein zentrales Instrument in der modernen Demenztherapie. Die rund 60 Zentimeter großen, dreilagigen Decken sind mit dünnem Vlies gefüttert und mit Bindebändern versehen. Sie können an Rollstühlen oder Betten befestigt werden.
Ihre therapeutische Wirkung basiert auf verschiedenen haptischen Elementen: Stoffreste, Filzelemente und Applikationen stimulieren den Tast- und Greifsinn der Betroffenen. In Fachkreisen heißt es, dass diese sensorischen Reize zur Entspannung beitragen können.
Patchworkgruppen fertigen die Decken in Handarbeit an. Ein Projekt mit dem Titel „Poesie“ setzt Gedichte und Liedtexte textil um. Für Juli und August ist zudem eine Quiltausstellung in einem Thüringer Museum angefragt.
Demenz aus erster Hand erleben
Die DRK-Tagespflege Süderelbe testete im Juli VR-Brillen zur Demenz-Simulation. Unter der Leitung von Katrin Bleisch erprobten Pflegekräfte und Angehörige Alltagssituationen aus der Perspektive eines Erkrankten. Sogar eine 82-jährige Teilnehmerin war dabei.
Ziel ist es, die Empathie bei Betreuungspersonen zu steigern. Die Simulation macht greifbar, welche Herausforderungen einfache Handlungen für Demenzkranke darstellen können.
Seit Mitte Mai thematisiert der Spielfilm „Der verlorene Mann“ von Welf Reinhart die Auswirkungen einer Alzheimer-Erkrankung. Mit Harald Krassnitzer, Dagmar Manzel und August Zirner rückt das Krankheitsbild in einen kulturellen Kontext.
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Singen, Tanzen, Kegeln
Die soziale Teilhabe steht im Zentrum moderner Demenzbegleitung. Im Haus Magdalena in Laggenbeck feierte eine Gruppe um Christa Overmeyer am 7. Juli den 100. Liedernachmittag. Rund 50 Ehrenamtliche unterstützen die alle 14 Tage stattfindenden Gesangsstunden.
In Wiesbaden ist für den 10. Juli ein Tanz-Café im Albert-Schweitzer-Gemeindezentrum geplant. Live-Musik und Bewegung sind für Betroffene und Angehörige kombiniert. In Dresden bereitet der SV Motor Mickten unter Katja Denecke eine Kegel-Sportgruppe vor, die im August starten soll.
Ein Theaterprojekt im Diakonie Stift Norf führt am 11. Juli Schüler und Senioren im Alter von 11 bis 106 Jahren zusammen. Das Stück „So ein Theater hier…!“ soll den Austausch zwischen den Generationen fördern.
Das Maria-Josef-Hospital in Greven zeigt noch bis zum 29. August die Fotoausstellung „Das Herz wird nicht dement“. Die Aufnahmen dokumentieren Begegnungen zwischen Klinikclowns und Demenzerkrankten.
Neue Einrichtungen und Sterbebegleitung
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Der Ausbau spezialisierter Einrichtungen schreitet voran. In Lenggries segnete Kardinal Reinhard Marx am 7. Juli das neue Caritas-Altenheim St. Jakob. Das 22-Millionen-Euro-Projekt bietet Platz für 60 Bewohner. Die Gemeinde fungiert als Bauherr, die Caritas als Betreiber.
Auch die Ausbildung in der Sterbebegleitung rückt in den Fokus. Judith Berthold und Judith Münch von der Hospiz-Akademie Nürnberg führten am 7. Juli einen Onlinekurs zur „Letzten Hilfe“ durch. 15 Teilnehmerinnen befassten sich mit körperlichen Vorgängen beim Sterben, mit Möglichkeiten zur Linderung von Leid und mit rechtlicher Vorsorge.
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