Demenzpflege: 85% werden zuhause betreut – Folgen für Angehörige
02.06.2026 - 02:30:54 | boerse-global.deRund 85 Prozent der Demenzkranken werden zuhause betreut – mit enormen Folgen für die psychische und physische Gesundheit der Angehörigen. Fachleute und Politik suchen nach Wegen, die Belastung zu reduzieren.
Ende 2023 waren bundesweit 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig – ein deutlicher Anstieg. Allein die Zahl der Demenzkranken liegt bei 1,8 Millionen, jährlich kommen rund 440.000 Neuerkrankungen hinzu. Im Oberbergischen Kreis zeigt sich das typische Bild: 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden von Verwandten versorgt.
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FrĂĽhe Hilfe ist entscheidend
Der Bedarf an Entlastungsmodellen wächst. Johannes Haas vom Verbund Pflegehilfe betonte Anfang Juni, dass Familien frühzeitig Orientierung und Unterstützung brauchen. Die Belastung treffe oft die gesamte Familie. Deshalb sei eine rechtzeitige Aufklärung über Hilfsmittel und Finanzierungsmöglichkeiten entscheidend.
Spezielle Programme sollen die psychische Gesundheit der Pflegenden fördern. Ein zentraler Aspekt: Neurobalance und Resilienz. Dr. Barbara Studer erläuterte auf einer Fachveranstaltung Anfang Juni, dass Achtsamkeit, Bewegung, soziale Beziehungen und gezielte Pausen wesentliche Ressourcen für Pflegende darstellen.
Konkrete Angebote fĂĽr den Alltag
Die Universität Jena bietet seit Frühjahr 2024 mit dem Projekt „Open Ear“ eine telefonische Beratung durch klinische Psychologen an. In verschiedenen Regionen wurden moderierte Stammtische für Pflegende etabliert – seit Anfang 2025 unter der Leitung von examinierten Pflegefachkräften, kostenlos und mit Erfahrungsaustausch.
Praktische Kurse wie „Bewegung im Einklang“ in Bernau sollen Aktivität und Entspannung in den Pflegealltag integrieren. Das Projekt „ZukunftsRaum“ in Aachen hilft Angehörigen, das Wohnumfeld bedarfsgerecht anzupassen.
Die körperliche Belastung bei der häuslichen Pflege führt oft zu eigenen Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Verspannungen. Ein renommierter Orthopäde zeigt in diesem Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich für spürbare Entlastung sorgen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen
Verhinderungspflege: Steuerfrei, aber dokumentieren
Ein wichtiger Baustein der Entlastung ist die Verhinderungspflege. Sie ist steuerfrei, solange die Vergütung für nahe Angehörige das reguläre Pflegegeld nicht überschreitet. Die Maximalbeträge reichen von 694 Euro bei Pflegegrad 2 bis zu 1.980 Euro bei Pflegegrad 5 – für einen Zeitraum von bis zu acht Wochen. In der Steuererklärung müssen die Einnahmen dennoch dokumentiert werden.
Die politische Debatte bleibt angespannt. Sigrun Fuchs vom Verein „Wir pflegen!“ kritisierte zum Auftakt einer Veranstaltungswoche für pflegende Angehörige in Thüringen im Juni, dass ältere Menschen in der Reformdiskussion oft als Kostenfaktor wahrgenommen würden. Das verunsichere die Betroffenen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte ein neues Reformkonzept an.
Bis 2049 fehlen 690.000 Pflegekräfte
Die Bedeutung der Angehörigenpflege wird weiter zunehmen. Prognosen zeigen: Bis 2049 könnten deutschlandweit bis zu 690.000 Pflegekräfte fehlen. Der Anteil der stationär versorgten Menschen lag 2023 bei nur 14 Prozent. Die Stabilisierung der häuslichen Pflege durch Schulungen, finanzielle Anreize und psychosoziale Unterstützung bleibt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.
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