DemenzprÀvention: 14 Risikofaktoren könnten 45 Prozent der FÀlle verhindern
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 19:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Experten weisen darauf hin, dass sich das persönliche Demenzrisiko durch gezielte Anpassungen der Lebensweise maĂgeblich reduzieren lĂ€sst. Dies gilt selbst dann, wenn eine familiĂ€re oder genetische Vorbelastung vorliegt. Eine ererbte AnfĂ€lligkeit bedeutet nach Ansicht der Forschung kein unvermeidbares Schicksal, sondern unterstreicht die Bedeutung prĂ€ventiver SchutzmaĂnahmen.
Genetische Veranlagung erhöht die Empfindlichkeit des Gehirns
Als bedeutendste genetische Risikovariante fĂŒr die Alzheimer-Krankheit gilt das sogenannte APOE4-Allel. Rund 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung tragen diese Veranlagung in sich.
WĂ€hrend eine Kopie des Gens das Erkrankungsrisiko etwa um das Dreifache â je nach Testung um das Zwei- bis Vierfache â steigen lĂ€sst, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit bei zwei Kopien im Schnitt um das Acht- bis Zwölffache, beeinflusst durch Faktoren wie Geschlecht und Ethnie. Die Variante APOE2 wirkt demgegenĂŒber risikomindernd, wĂ€hrend APOE3 als neutral eingestuft wird.
Lisa Delano-Wood von der University of California San Diego betont in diesem Zusammenhang, dass APOE4 kein unabwendbares Schicksal darstelle, sondern vielmehr eine erhöhte AnfĂ€lligkeit bedeute. Das Gehirn werde dadurch empfindlicher gegenĂŒber zusĂ€tzlichen Belastungen wie SchĂ€del-Hirn-Traumata, Rauchen, hohem Alkoholkonsum, Bluthochdruck sowie anticholinergen Medikamenten.
Auch Professor Leandro Carvalho verweist mit Blick auf eine in den PNAS veröffentlichte Untersuchung darauf, dass Gene zwar das Erkrankungsrisiko beeinflussen, den Ausgang jedoch nicht unausweichlich determinieren.
Kognitive Reserve und körperliche AktivitÀt im Fokus
Wie stark Umwelt- und Verhaltensfaktoren das genetische Risiko modulieren können, zeigt unter anderem eine Auswertung der britischen Bildungsreform von 1972, bei der das Mindestschulalter von 15 auf 16 Jahre angehoben wurde.
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Forscher der University of Southern California, der University of WisconsinâMadison und der University of Michigan stellten anhand von Daten aus der britischen Biobank fest, dass die Reform die Demenzinzidenz bis zu fĂŒnf Jahrzehnte spĂ€ter verringerte.
Der RĂŒckgang zeigte sich auch bei Personen mit hoher genetischer AnfĂ€lligkeit, was Experten auf den Aufbau kognitiver Reserven sowie eine geringere HĂ€ufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurĂŒckfĂŒhren.
Ebenso spielt Bewegung eine zentrale Rolle. Eine finnische Studie verdeutlicht, dass körperlich inaktive TrĂ€ger des APOE4-Gens fĂŒnfmal hĂ€ufiger an Alzheimer erkrankten als aktive NichttrĂ€ger. Bereits zwei Trainingseinheiten pro Woche von jeweils 20 bis 30 Minuten Dauer senkten das Risiko um das Dreifache.
Eine Analyse dreier klinischer Studien unter Leitung von Dr. Ari Solomon von der UniversitĂ€t Ostfinnland zeigte zudem, dass TrĂ€ger des Risikogens von gesunder ErnĂ€hrung und Sport mindestens ebenso stark profitierten wie Personen ohne diese Veranlagung, auch wenn die kognitive LĂŒcke nicht vollstĂ€ndig geschlossen werden konnte.
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Laura Baker von der Wake Forest University beobachtete vergleichbare Verbesserungen bei TrĂ€gern und NichttrĂ€gern. Neben ungesĂ€ttigten Fetten aus Fisch und NĂŒssen sowie einer mediterranen ErnĂ€hrungsweise zeigte sich auch bei ehrenamtlicher TĂ€tigkeit eine verlangsamende Wirkung auf den geistigen Abbau.
PrĂ€vention als Ansatz fĂŒr Gesundheitssysteme
Nach Berichten der Lancet-Kommission aus dem Jahr 2024 könnten rechnerisch rund 45 Prozent der DemenzfĂ€lle vermieden oder hinausgezögert werden, wenn 14 modifizierbare Risikofaktoren konsequent adressiert wĂŒrden. Professor Takayoshi Shimohata von der Gifu-UniversitĂ€t empfiehlt, mit entsprechenden GegenmaĂnahmen so frĂŒh wie möglich zu beginnen und diese langfristig beizubehalten.
Joe Baldelomar von der Alzheimer's Association Florida verweist darauf, dass eine Risikosenkung um bis zu 40 Prozent erreichbar sei, wenn Faktoren wie Blutdruck, Blutzucker und Hörverlust kontrolliert sowie mindestens 150 Minuten wöchentliche Bewegung, gesunde ErnĂ€hrung, ausreichender Schlaf und soziale Kontakte gepflegt wĂŒrden.
Dass strukturierte Programme wirksam sind, belegt eine Studie der australischen Monash University mit 403 Erwachsenen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren in 31 Hausarztpraxen: Eine zwölfmonatige Betreuung durch PflegekrÀfte in Kombination mit einer App verbesserte die individuellen Risikowerte bei 56 Prozent der Teilnehmenden, verglichen mit 44 Prozent in der Standardversorgung.
Die Relevanz solcher MaĂnahmen wĂ€chst angesichts der demografischen Entwicklung stetig. In Deutschland leben derzeit rund 1,78 Millionen Menschen mit Demenz; nach SchĂ€tzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft könnte diese Zahl in den kommenden 25 Jahren auf bis zu 2,6 Millionen ansteigen.
Da fast fĂŒnf Prozent der Betroffenen jĂŒnger als 65 Jahre sind, gewinnt die frĂŒhe Reduktion modifizierbarer Risiken ĂŒber alle Altersgruppen hinweg an Bedeutung.
