Demenzprävention: Bis zu 45 Prozent der Fälle könnten vermeidbar sein
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 09:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des gemeinsamen Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt diskutieren Fachleute über die künftige Ausrichtung der Altersmedizin. Im Zentrum der Debatte steht ein Perspektivwechsel, der das Altern nicht primär als Prozess des Abbaus, sondern als Gewinn an Lebensjahren definiert.
Paradigmenwechsel: Unterjüngung statt Überalterung
Der Festredner des Kongresses, Otfried Höffe, stellte den Begriff der „Unterjüngung“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er betonte, dass die zusätzliche Lebenszeit in der modernen Gesellschaft vielfach gewonnene Jahre darstelle und nicht zwangsläufig mit Krankheit gleichzusetzen sei. Dennoch verwies er auf die damit verbundenen substanziellen Herausforderungen für die Renten- und Sozialsysteme.
Der Kongresspräsident Hans-Werner Wahl unterstrich in diesem Kontext, dass soziale Teilhabe und individuelle Selbstbestimmung entscheidende Faktoren seien, um ein längeres Leben als persönlichen Gewinn erfahrbar zu machen. Die Geriatrie müsse daher über die rein medizinische Behandlung hinausgehen und gezielt die Fähigkeiten sowie die Selbstständigkeit älterer Menschen fördern.
Prävention und die Rolle gesellschaftlicher Altersbilder
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Relevanz präventiver Ansätze. Laut Christina Röcke, Co-Direktorin des Healthy Longevity Centers der Universität Zürich, beeinflussen individuelle und gesellschaftliche Altersbilder die Gesundheit maßgeblich.
Studien deuten darauf hin, dass negative Altersbilder die Gedächtnisleistung und das Wohlbefinden beeinträchtigen können, während eine positive Sichtweise die Lebensqualität stärken und potenziell die Lebenserwartung erhöhen könne.
Ergänzend dazu wies die Expertin Maria Theresia Reisinger im Rahmen einer Veranstaltung in Stainz darauf hin, dass die menschliche Entwicklung nur zu etwa 30 % erbbedingt sei. Schätzungen zufolge könnten etwa 45 % der Demenzfälle durch präventive Maßnahmen vermieden werden. Als wesentliche Faktoren nannte sie ausreichenden Schlaf, körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie geistige Aktivität und soziale Kontakte.
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Aktuelle Forschungsbefunde zu Ernährung und Lebensstil
Neuere Studien untermauern den Einfluss des Lebensstils auf den Alterungsprozess. Eine im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) untersuchte den Zusammenhang zwischen Ernährungsqualität und biologischem Altern.
Anhand von DNA-Methylierungen bei rund 7.500 Teilnehmenden wurde festgestellt, dass eine hohe Ernährungsqualität mit einem langsameren biologischen Altern korreliert. Dieser Effekt war bei allen zehn untersuchten Ernährungsstilen messbar, zeigte sich jedoch bei Rauchenden am stärksten.
Parallel dazu untersuchte das King’s College London die Auswirkungen von sportlicher Aktivität auf die Kognition. In einer Studie mit 52 zuvor wenig aktiven Erwachsenen im Alter von 45 bis 65 Jahren führte ein zwölfwöchiges Ausdauer- und Krafttraining zu einem deutlichen Rückgang depressiver Symptome.
Signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Leistung oder der Gedächtnisfunktion konnten in diesem kurzen Zeitraum jedoch nicht statistisch belegt werden.
Statistische Trends und regionale Initiativen
Die Notwendigkeit verstärkter Bemühungen im Bereich der Gesundheitsvorsorge zeigen Daten der MedUni Wien. In Österreich stagnieren die gesunden Lebensjahre seit 2008 bei etwa 61,3 Jahren für Männer und 61,5 Jahren für Frauen.
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Statistisch stehen bei Frauen einer Lebenserwartung von 84,2 Jahren lediglich 64,7 gesunde Jahre gegenüber; bei Männern sind es 63,1 gesunde Jahre bei einer Lebenserwartung von 79,4 Jahren.
Um die Bevölkerung frühzeitig zu sensibilisieren, finden verstärkt regionale Informationsformate statt. In Würzburg ist für den 8. Oktober 2026 ein kostenloser Demenz-Screeningtag für Menschen ab 65 Jahren angekündigt.
In Chemnitz werden Informationen zur geistigen Fitness im Alter bereitgestellt, wobei darauf verwiesen wird, dass in Deutschland derzeit knapp 2 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung leben. Auch interkommunale Kooperationen, wie sie beim Gesundheitstag in Sontra präsentiert wurden, rücken die seelische Gesundheit und die Selbsthilfe in den Fokus der regionalen Versorgung.
