Demenzprävention, Krafttraining

Demenzprävention: Krafttraining senkt neurologisches Todesrisiko um 27%

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 11:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Gezieltes Muskeltraining senkt Demenzrisiko deutlich. Ganzheitlicher Ansatz mit Bewegung, Ernährung und Blutdruckkontrolle zeigt Wirkung.

Demenzprävention: Krafttraining als Schlüssel zur Risikoreduktion
Eine Person beim gezielten Krafttraining in einem modernen Fitnessraum zur Förderung der neurologischen Gesundheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts von rund 1,8 Millionen Demenzkranken in Deutschland rücken präventive Maßnahmen verstärkt in den Fokus der neurologischen Wissenschaft. Aktuelle Expertenmeinungen und Studien weisen darauf hin, dass kognitives Training allein nicht ausreicht, um das Risiko einer Erkrankung signifikant zu senken. Vielmehr wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, bei dem körperliche Aktivität, insbesondere Kraft- und Ganzkörpertraining, eine zentrale Rolle spielt.

Die Bedeutung beeinflussbarer Risikofaktoren

Der Neurologe David Dodick betont, dass Gedächtnistraining als isolierte Maßnahme zur Demenzprävention unzureichend sei. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Lancet Commission Report aus dem Jahr 2024. Dieser Bericht legt dar, dass bis zu 45 Prozent aller weltweiten Demenzfälle vermieden werden könnten, sofern 14 spezifische, beeinflussbare Risikofaktoren konsequent adressiert würden. Neben sozialen Kontakten, ausreichendem Schlaf und einer ausgewogenen Ernährung stellt die körperliche Betätigung eine der wesentlichen Säulen dieses präventiven Rahmens dar.

Die Forschung verdeutlicht dabei, dass die physische Komponente weit über einfache Bewegung hinausgeht. Dodick empfiehlt eine wöchentliche Aktivität von mindestens 150 Minuten, die durch gezieltes Krafttraining ergänzt werden sollte. Hintergrund dieser Empfehlung ist unter anderem der natürliche Abbau von Muskelmasse: Laut Daten der National Institutes of Health (NIH) verliert der menschliche Körper ab dem 30. Lebensjahr pro Jahrzehnt etwa 3 bis 5 Prozent seiner Muskelmasse.

Krafttraining als Schutzfaktor für das Gehirn

Welchen Einfluss gezieltes Muskeltraining auf die Lebenserwartung und die neurologische Gesundheit hat, zeigt eine im Jahr 2026 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie mit 147.374 Teilnehmern. Die Auswertung ergab, dass ein Krafttraining von 90 bis 119 Minuten pro Woche das Risiko für einen neurologisch bedingten Tod um 27 Prozent senken kann. Zudem verringerte sich das allgemeine Sterberisiko um 13 Prozent und das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle um 19 Prozent. Ein zeitlicher Aufwand von mehr als 120 Minuten pro Woche erbrachte laut den Studienergebnissen hingegen keinen messbaren Zusatznutzen.

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Dass körperliche Aktivität auch in fortgeschrittenem Alter wirksam ist, belegen verschiedene Untersuchungen. Eine Metaanalyse deutet darauf hin, dass auch Menschen über 80 Jahre von Krafttraining profitieren. Eine Studie aus dem Jahr 2023 bestätigt zudem, dass Erwachsene über 85 Jahren ähnliche gesundheitliche Vorteile durch Training erzielen wie die Altersgruppe der 65- bis 75-Jährigen.

Alltagsbewegung und kardiovaskuläre Gesundheit

Neben dem Krafttraining bleibt die tägliche Bewegung ein entscheidender factor. Die Harvard Aging Brain Study, die 2025 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht wurde, untersuchte über 14 Jahre hinweg 294 Probanden im Alter zwischen 50 und 90 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits 3.000 bis 5.000 Schritte täglich den kognitiven Verfall um etwa drei Jahre verlangsamen können. Bei einer Steigerung auf 5.000 bis 7.500 Schritte betrug dieser Effekt sogar bis zu sieben Jahre.

Ein wesentlicher Teil der Prävention besteht zudem in der Kontrolle des Blutdrucks und des Körpergewichts. Eine dänische Untersuchung mit über 500.000 Teilnehmern aus Dänemark und England stellte fest, dass ein erhöhter BMI das Risiko für vaskuläre Demenz steigert, was teilweise auf Bluthochdruck zurückzuführen ist. Fachleute weisen darauf hin, dass eine Senkung des Blutdrucks um 10/4 mmHg das Demenzrisiko um mehr als 10 Prozent reduzieren kann. Als Zielwerte gelten Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg, idealerweise unter 120/70 mmHg.

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Lebensstil und praktische Umsetzung

Die Deutsche Herzstiftung unterstützt diese präventiven Ansätze und empfiehlt regelmäßige Blutdruckkontrollen, Gewichtsreduktion sowie eine salzarme Ernährung mit weniger als 5 Gramm Salz pro Tag. Die praktische Umsetzung eines solchen Lebensstils wird durch Fallbeispiele wie das der 80-jährigen Charlotte Lim illustriert. Sie begann im Alter von 72 Jahren mit Krafttraining und kombiniert dies mit einer Ernährung, die frei von Zucker, Öl, Zusatzstoffen und verarbeiteten Lebensmitteln ist. Neben sportlicher Aktivität betont sie die Wichtigkeit von strukturierten Schlafzeiten und sozialen Interaktionen als ergänzende Faktoren für die kognitive Vitalität im Alter.

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