DemenzprÀvention, WHO

DemenzprÀvention: WHO sieht bis zu 45 Prozent der FÀlle als beeinflussbar

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die WHO empfiehlt beeinflussbare Risiken zu senken; Langzeitdaten verbinden drei GefĂ€ĂŸfaktoren mit weniger demenzfreien Jahren.

WHO aktualisiert Demenz-Leitlinie: Lebensstil und GefĂ€ĂŸrisiken im Fokus
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Parkweg in einer natĂŒrlichen Umgebung als Symbol fĂŒr einen aktiven und gesunden Lebensstil. Illustration mit AI erstellt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinie zur PrÀvention von kognitivem Abbau und Demenz aktualisiert. Das Regelwerk baut auf einer erweiterten Evidenzbasis seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2019 auf.

Angesichts global steigender Fallzahlen rĂŒckt die Organisation beeinflussbare Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren in den Mittelpunkt ihrer Empfehlungen. Weltweit leben mehr als 57 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, und jedes Jahr kommen fast 10 Millionen Neuerkrankungen hinzu.

Beeinflussbare Faktoren bieten großes PrĂ€ventionspotenzial

Nach EinschĂ€tzung der WHO sind bis zu 45 Prozent der DemenzfĂ€lle mit modifizierbaren Risikofaktoren verbunden. Dazu zĂ€hlen insbesondere Tabakkonsum, ĂŒbermĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, soziale Isolation und Luftverschmutzung sowie bestehende Grunderkrankungen wie arterielle Hypertonie und Diabetes.

Auch Prof. Christoph Kleinschnitz von der Uniklinik Essen hebt hervor, dass das Demenzrisiko um 45 Prozent gesenkt werden könne, und verweist auf 14 identifizierte, beeinflussbare Risikofaktoren.

Zu den körperlichen Faktoren gehören Hörprobleme, ein hoher Cholesterinspiegel, Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht sowie SehschwĂ€che. Auf Ebene des Lebensstils spielen geringe Bildung, ĂŒbermĂ€ĂŸiger Alkoholkonsum, soziale Isolation, Depressionen und Luftverschmutzung eine wesentliche Rolle.

Nach Angaben von Kleinschnitz erhöht Übergewicht mit einem Body-Mass-Index ab 25 das Demenzrisiko um 30 Prozent, wĂ€hrend Rauchen die Gefahr um 30 bis 50 Prozent steigert. Jeder fĂŒnfte Fall gehe zudem auf Bewegungsmangel zurĂŒck. Kleinschnitz empfiehlt vor diesem Hintergrund drei wöchentliche Trainingseinheiten von jeweils 40 Minuten mittlerer IntensitĂ€t.

DarĂŒber hinaus steigere soziale Isolation das Risiko um 26 Prozent, Hörverlust um 20 Prozent und ein SchĂ€del-Hirn-Trauma um 33 Prozent. FĂŒr die tĂ€gliche Routine rĂ€t er zu mindestens sechs Stunden Schlaf pro Nacht und 1,5 Litern Wasser; mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag seien hingegen schĂ€dlich.

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Konkrete Empfehlungen und klare Abgrenzungen

Die aktualisierte WHO-Leitlinie spricht sich fĂŒr gezielte Maßnahmen aus, um den geistigen Abbau zu verlangsamen oder zu verhindern. Zu den empfohlenen Schritten gehören:

  • Kognitives Training und aktive soziale Teilhabe
  • RegelmĂ€ĂŸige körperliche Bewegung und gesunde ErnĂ€hrung
  • Konsequente Tabakentwöhnung und die Reduktion von Alkoholkonsum
  • Das Tragen von HörgerĂ€ten bei Hörminderung
  • Die Reduzierung der Exposition gegenĂŒber Luftschadstoffen
  • Die medizinische Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes und DyslipidĂ€mien

Gleichzeitig grenzt sich die Organisation deutlich von unwirksamen Maßnahmen ab. NahrungsergĂ€nzungsmittel wie Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-FettsĂ€uren oder MultivitaminprĂ€parate werden von der WHO zur DemenzprĂ€vention ausdrĂŒcklich nicht empfohlen, solange kein medizinisch nachgewiesener Mangelzustand vorliegt.

Langzeitdaten belegen Bedeutung von GefĂ€ĂŸrisiken

Die Relevanz vaskulĂ€rer Faktoren bestĂ€tigt auch eine Untersuchung der NYU Grossman School of Medicine, die im Fachjournal Neurology auf Basis der ARIC-Studie veröffentlicht wurde. Dabei wurden 12.409 Teilnehmende, die zu Beginn im Schnitt 56 Jahre alt und demenzfrei waren, ĂŒber durchschnittlich 26 Jahre beobachtet.

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Die Auswertung der demenzfreien Jahre ab einem Alter von 55 Jahren verdeutlicht die Auswirkungen von GefĂ€ĂŸrisiken: Ohne Risikofaktoren lag der Wert bei 30,1 Jahren, mit einem Faktor bei 26,3 Jahren und mit zwei Faktoren bei 21,0 Jahren.

Lagen alle drei vaskulĂ€ren Risikofaktoren – Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen – vor, sank die Spanne auf 17,5 Jahre, was einer Differenz von rund 12,6 Jahren entspricht. Bei Vorliegen aller drei Faktoren war das Demenzrisiko 2,7-mal so hoch und das Sterberisiko mehr als fĂŒnffach höher.

Bei Personen mit drei Risikofaktoren erreichten Frauen 18,1 und MĂ€nner 16,6 demenzfreie Jahre; weiße Teilnehmende verzeichneten 19,6 und Schwarze 16,0 Jahre. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, liefert sie keinen KausalitĂ€tsbeweis. Fachleute empfehlen vor diesem Hintergrund, ab einem Alter von 48 Jahren verstĂ€rkt auf die GefĂ€ĂŸgesundheit zu achten.

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