Demenzrisiko: Prävention könnte die Gefahr um bis zu 45 Prozent senken
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 05:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deVeränderungen im Gehirn beginnen oft Jahrzehnte vor den ersten spürbaren Symptomen einer Demenzerkrankung. Bei einem Vortrag in Kronberg, zu dem die Initiative „Demenzfreundliches Kronberg“ an einem Samstag eingeladen hatte, hob Prof. Christian Haass vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München sowie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München die zentrale Rolle der Neugier und des geistigen Trainings hervor.
Nach Angaben des Forschers setzt die Ablagerung von Amyloid bereits etwa 25 Jahre vor dem Ausbruch einer Erkrankung ein. Die Dichte der sogenannten Plaques nehme dabei rund 10 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome drastisch zu.
Medizinische Behandlungsansätze und pharmakologische Grenzen
Neben präventiven Lebensstilfaktoren ging Haass auf medikamentöse Therapien ein. Der in Europa zugelassene Antikörper Lecanemab (Handelsname Leqembi) verlangsamt den geistigen Abbau nachweislich um rund 27 Prozent. Damit könne das Präparat die Demenz zwar bremsen, ein vollständiger Stopp der Erkrankung gelinge damit jedoch nicht.
Für die Therapie müssen Patienten und Gesundheitssysteme zudem erhebliche Mittel aufwenden: In der Münchner Einrichtung von Haass belaufen sich die Kosten für eine Behandlung mit dem Antikörper auf 20.000 bis 25.000 Euro.
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Die Grenzen der pharmakologischen Intervention verdeutlichen den Stellenwert nicht-medikamentöser Ansätze. Eine Untersuchung um Gill Livingston im Fachjournal Lancet zeigte auf, dass sich das Demenzrisiko um bis zu 45 Prozent reduzieren ließe, wenn sämtliche bekannten präventiven Maßnahmen konsequent genutzt würden. In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz.
Schlaf, Vitalstoffe und Lebensstil als Schutzmechanismen
Zu den entscheidenden Schutzfaktoren zählt laut Haass neben Bewegung und sozialen Kontakten vor allem der Schlaf. Der Organismus baut dabei schädliche Stoffwechselprodukte ab: Während ein junger Mensch die Tagesproduktion an entsprechenden Ablagerungen im Gehirn innerhalb einer einzigen Nacht abbauen könne, benötige ein älterer Mensch hierfür drei Nächte.
Auf biochemischer Ebene spielen zudem bestimmte Mikronährstoffe eine begleitende Rolle im Gehirnstoffwechsel. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), wies darauf hin, dass Erwachsene ab dem 50. Lebensjahr ihren Vitamin-D-Spiegel regelmäßig kontrollieren lassen sollten.
Liege der Messwert im unteren Normbereich oder darunter, könne eine gezielte Einnahme ratsam sein. Vitamin D unterstützt den Abbau von Beta-Amyloid und wirkt an der Produktion der Botenstoffe Dopamin und Serotonin mit.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der tägliche Bedarf von Erwachsenen bei etwa 20 Mikrogramm, sofern keine ausreichende körpereigene Bildung über Sonnenlicht erfolgt.
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Bedeutung strukturierter Früherkennung
Um rechtzeitig gegenzusteuern, gewinnen flächendeckende Tests zunehmend an Relevanz. Initiativen wie das bayerische Projekt digiDEM Bayern bieten im Verbund mit lokalen Partnern wie der Nachbarschaftshilfe Oberottmarshausen oder der Rummelsberger Diakonie in Altdorf kostenlose Kurztests an.
Zwar ersetzen derartige Screenings keine neurologische Diagnostik, doch Projektleiter Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas erklärte, dass eine frühzeitige Erfassung Betroffenen einen früheren Umgang mit auftretenden Symptomen sowie einen rechtzeitigen Beginn therapeutischer Maßnahmen ermöglicht.
