Demenzrisiko: Schlafmittel erhöhen Erkrankungschance um 79 Prozent
26.06.2026 - 05:49:05 | boerse-global.de
Besonders betroffen sind Schlafmittel, SĂ€ureblocker und Anticholinergika.
Anticholinergika und SÀureblocker: Risiko bis 54 Prozent höher
Die Gruppe der Anticholinergika â dazu gehören Wirkstoffe wie Diphenhydramin oder Oxybutynin â steht besonders im Fokus. Laut Studien aus dem Juni 2026 steigt das Demenzrisiko bei diesen PrĂ€paraten um bis zu 54 Prozent.
Auch Protonenpumpenhemmer (PPI) gegen Sodbrennen wie Omeprazol sind riskant: Forscher fanden in Fachjournalen wie JAMA Neurology und dem BMJ eine Risikoerhöhung um 44 Prozent. Eine Untersuchung mit rund 6.000 Teilnehmern ĂŒber viereinhalb Jahre zeigt: Wer PPI tĂ€glich ĂŒber mindestens vier Jahre nimmt, erhöht sein Demenzrisiko um 33 Prozent. Die mögliche Ursache: Die Medikamente vermindern die Aufnahme von Vitamin B12 und Magnesium. Bei kurzzeitiger Anwendung lieĂ sich kein erhöhtes Risiko nachweisen.
Schlafmittel und NahrungsergÀnzungsmittel unter Verdacht
Besonders alarmierend sind die Daten zu Schlafmitteln. Eine Beobachtungsstudie im Journal of Alzheimer's Disease mit ĂŒber 3.000 Ă€lteren Erwachsenen ĂŒber neun Jahre ergab: Die hĂ€ufige Einnahme von Benzodiazepinen oder Z-Drugs steigert das Demenzrisiko um bis zu 79 Prozent. Dieser Effekt zeigte sich primĂ€r bei weiĂen Teilnehmern, bei schwarzen war er nicht signifikant.
Auch Glucosamin steht im Juni 2026 in der Kritik. Forscher warnten im Fachmagazin Nature Metabolism vor unkritischer Einnahme. Bei gesunden Personen zeigte das PrĂ€parat keine negativen Effekte. Doch bei Patienten mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen erhöhte die tĂ€gliche Dosis von 2.500 Milligramm das Risiko fĂŒr einen Ăbergang zur Demenz um 25 Prozent. Die Studie der University of Florida deutet darauf hin, dass Glucosamin Glykationsprozesse im Gehirn fördert und das GedĂ€chtnis bei bestehenden pathologischen VerĂ€nderungen verschlechtern kann.
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Das Blutdruck-Paradoxon und weitere Risikofaktoren
Daten der UK Biobank mit ĂŒber 700.000 Teilnehmern zeigen ein ĂŒberraschendes Muster: Bluthochdruck erhöht das Alzheimer-Risiko um den Faktor 1,57. Ein zu niedriger Blutdruck ist jedoch noch gefĂ€hrlicher â er steigert das Risiko um den Faktor 2,74.
Weitere Risikofaktoren laut aktuellen Analysen:
- Proteinurie: Erhöhter EiweiĂgehalt im Urin steigert das Demenzrisiko um 20 Prozent, bei vaskulĂ€rer Demenz sogar um 132 Prozent.
- SchlafqualitÀt: Forscher der Edith Cowan University berichten, dass bestimmte Genvarianten in Kombination mit kurzem Schlaf den Verlust grauer Substanz beschleunigen. Schlafapnoe erhöht das Risiko um 34 Prozent.
- Lebensstil: Die NAKO-Gesundheitsstudie zeigt: Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen hinterlassen bereits bei 20- bis 39-JÀhrigen messbare kognitive BeeintrÀchtigungen.
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Positive Nachrichten: Schutz durch Impfung und neue Therapien
Es gibt auch gute Nachrichten. Eine NIH-Studie in JAMA belegt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Die Brown University fand zudem heraus, dass eine GĂŒrtelrose-Impfung das Demenzrisiko um 24 Prozent senkt.
In der Diagnostik machen Fortschritte Hoffnung: Der pTau217-Bluttest erreicht eine Genauigkeit von ĂŒber 90 Prozent und hat bereits eine CE-Kennzeichnung erhalten. KI-gestĂŒtzte Netzhautanalysen könnten kĂŒnftig Risiken bis zu achteinhalb Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome erkennen.
Seit Juni 2026 kommen in deutschen Kliniken zudem neue Antikörpertherapien wie Donanemab und Lecanemab zum Einsatz. Allerdings: Nur etwa 10 Prozent der rund 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten in Deutschland kommen fĂŒr diese Behandlungen infrage.
