Demenzrisiko, Weichen

Demenzrisiko: Weichen werden schon mit 20 Jahren gestellt

04.06.2026 - 01:06:53 | boerse-global.de

Leipziger Studie belegt: Risikofaktoren fĂŒr Demenz sind bereits bei 20- bis 39-JĂ€hrigen messbar. FrĂŒhe PrĂ€vention wird empfohlen.

Demenzrisiko: Weichen werden schon mit 20 Jahren gestellt - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Demenzrisiko: Weichen werden schon mit 20 Jahren gestellt - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Eine neue Studie der UniversitĂ€t Leipzig belegt: Die Weichen fĂŒr Demenz im Alter werden viel frĂŒher gestellt als gedacht. Schon bei 20- bis 39-JĂ€hrigen lassen sich Risikofaktoren messen.

Lebensstil entscheidet frĂŒher als vermutet

Die Anfang Juni im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ veröffentlichte Untersuchung wertete Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie aus. Die Forscher nutzten den sogenannten LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health), um den Zusammenhang zwischen Lebensstil und spĂ€terem Demenzrisiko zu analysieren.

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Das Ergebnis: Bereits bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren ist ein erhöhtes Risiko nachweisbar. Die dominierenden Faktoren variieren mit dem Alter. Bei JĂŒngeren stehen Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen im Vordergrund. Bei Ă€lteren Probanden gewinnen kardiovaskulĂ€re Probleme wie Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte an Bedeutung.

Professor Riedel-Heller von der UniversitĂ€t Leipzig betont: „Eine wirksame Risikoreduktion sollte nicht erst mit 40 oder 60 Jahren beginnen, sondern bereits im jungen Erwachsenenalter ansetzen.“

Soziale Ungleichheit als Risikofaktor

Die Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und sozialen Schichten. MĂ€nner weisen im Durchschnitt ungĂŒnstigere Risikowerte auf als Frauen. Gleichzeitig sind Frauen mit niedrigem sozioökonomischem Status besonders stark betroffen.

Felix Wittmann, einer der beteiligten Forscher, fordert deshalb, soziale Ungleichheiten bei der PrĂ€vention stĂ€rker zu berĂŒcksichtigen.

Der Handlungsdruck ist enorm: In Deutschland leben aktuell rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Das Deutsche Zentrum fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) geht davon aus, dass ĂŒber ein Drittel dieser FĂ€lle durch prĂ€ventive Maßnahmen vermeidbar wĂ€re. Zum Vergleich: In der Schweiz wird alle 15 Minuten eine Demenzdiagnose gestellt. Dort könnte die Zahl der Betroffenen bis 2050 von 161.100 auf ĂŒber 285.000 steigen.

Bluttests erkennen Alzheimer frĂŒhzeitig

Parallel zur Risikoanalyse schreitet die FrĂŒherkennung voran. Eine am 30. Mai in „The Lancet“ veröffentlichte Studie unter Leitung von Kristine Yaffe (UCSF) untersuchte die Aussagekraft von Bluttests auf Amyloid- und Tau-Proteine. In einer Gruppe von 1.350 Teilnehmern zwischen 53 und 69 Jahren zeigten 6 Prozent Alzheimer-Anzeichen – noch bevor klinische Symptome auftraten.

Die Betroffenen hatten ein 2,5- bis 4-fach höheres Risiko fĂŒr einen raschen kognitiven Verfall innerhalb der folgenden fĂŒnf Jahre.

Noch einen Schritt weiter gehen Forscher der University of East Anglia. In der Fachzeitschrift „Gut Microbes“ prĂ€sentierten sie einen KI-gestĂŒtzten Ansatz, der sechs spezifische Stoffwechselprodukte von Darmbakterien im Blut analysiert. Die Methode erkannte leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen mit einer Genauigkeit von 79 Prozent.

Immunzellen und Bewegung als SchlĂŒssel

Auch die Grundlagenforschung liefert neue Erkenntnisse. Eine Studie in „Nature Communications“ vom 6. Mai beschreibt, wie bestimmte Killer-T-Zellen EntzĂŒndungsprozesse im Gehirn verstĂ€rken. Forschende der UniversitĂ€t Heidelberg und des DKFZ beobachteten im Mausmodell, dass sich diese Zellen an Amyloid-Plaques sammeln. Das eröffnet Potenzial fĂŒr zeitlich abgestimmte Immuntherapien.

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FĂŒr die aktive Vorsorge empfiehlt ein Bericht von Harvard Health Publishing vom 3. Juni vor allem eines: körperliche Fitness. Die kardiorespiratorische Fitness gilt demnach als der beste EinzelprĂ€diktor fĂŒr die Lebenserwartung. Empfohlen werden mindestens 7.000 Schritte pro Tag sowie eine Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtstraining.

Vielversprechend sind auch GLP-1-Medikamente, bekannt als Abnehmspritzen. Analysen deuten darauf hin, dass Wirkstoffe wie Dulaglutid das Risiko fĂŒr kognitiven Abbau bei Diabetikern um 14 bis 53 Prozent senken könnten. Der Grund: verbesserte synaptische PlastizitĂ€t und reduzierte EntzĂŒndungswerte.

FĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel oder bestimmte Longevity-PrĂ€parate fehlen laut dem Harvard-Bericht hingegen bislang wissenschaftliche Belege fĂŒr eine lebensverlĂ€ngernde Wirkung.

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