SchÀtzung: 2.200 neue HIV-Infektionen
11.07.2024 - 14:35:51Wahrscheinlich rund 2.200 Menschen in Deutschland haben sich im vergangenen Jahr neu mit HIV infiziert. Das seien Àhnlich viele wie vor der Corona-Pandemie, erklÀrte das Robert Koch-Institut (RKI) in einer neuen SchÀtzung. Eine Ansteckung mit dem HI-Virus kann unbehandelt die ImmunschwÀche-Krankheit Aids hervorrufen.
Das RKI schÀtzt die Zahlen jedes Jahr. Betrachtet werden Neuinfektionen in Deutschland und von Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland angesteckt haben.
Unter den Neuinfektionen sind etwa 1.200 MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben. In dieser Gruppe sank die Zahl im Vergleich zum Jahr 2019. Es sei wahrscheinlich, dass bei diesen MĂ€nnern die HIV-PrĂ€expositionsprophylaxe PrEP viele Neuinfektionen verhindere, erlĂ€uterte das RKI. PrEP werde fast ausschlieĂlich von dieser Gruppe verwendet.
Bei dieser Prophylaxe nehmen Menschen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko tĂ€glich eine Tablette mit zwei Wirkstoffen, die die Vermehrung des Virus im Körper unterdrĂŒcken. «Die Erfolge bei schwulen MĂ€nnern machen Mut, könnten aber noch gröĂer sein», meinte Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.
Neuinfektionen durch Drogengebrauch steigen
380 Neuinfektionen passierten durch das Spritzen von Drogen mit Nadeln. Die geschÀtzten Zahlen durch diesen Drogengebrauch steigen seit 2010 demnach langsam, aber kontinuierlich an. «Der Anstieg bei Drogen konsumierenden Menschen ist besorgniserregend und verlangt dringend nach Antworten in der PrÀvention», erklÀrte Warminsky. Wichtig sei, ausreichend sterile Spritzen und andere Utensilien an diese Menschen auszugeben.
Etwa 620 Menschen steckten sich laut der RKI-SchĂ€tzung im vergangenen Jahr auĂerdem bei heterosexuellen Kontakten an. Auch in dieser Gruppe wurde gegenĂŒber dem Vor-Pandemie-Niveau ein Anstieg verzeichnet. Laut Aidshilfe ist diese Zahl aber noch unsicher, und es mĂŒsse erst geschaut werden, ob ein realer Anstieg dahinterstecke. Auf jeden Fall sei es sinnvoll, auch anderen Risikogruppen wie Sexarbeiterinnen den Zugang zu PrEP zu ermöglichen.
Da HIV in der Regel nicht mehr zum Tod fĂŒhrt, stieg die Anzahl der Menschen, die mit einer HIV-Infektion in Deutschland leben, laut RKI bis Ende vergangenen Jahres an: auf 96.700 Menschen. Davon seien etwa 8.200 HIV-Infektionen bisher nicht durch Fachleute festgestellt, so die SchĂ€tzung.
Die allermeisten erhalten eine Therapie
Fast alle Menschen mit bekannter HIV-Infektion erhalten mittlerweile eine sogenannte antiretrovirale Therapie: Vor 18 Jahren waren es etwa 80 Prozent, nun sind es etwa 99 Prozent. Von diesen Therapien verliefen etwa 96 Prozent erfolgreich - HIV ist dann nicht mehr ĂŒbertragbar. Das RKI weist zudem darauf hin, dass mehr Einsende- und Selbsttests helfen wĂŒrden, die Zahl der unerkannt HIV-infizierten Menschen zu verringern.
HIV-Diagnosen werden oft erst Jahre nach der Infektion gestellt. Datengrundlage der RoutineĂŒbersicht sind Labormeldungen. Das RKI weist darauf hin, dass sie nur begrenzte Informationen zur aktuellen Ausbreitung von HIV in Deutschland liefern. Die Anzahl der HIV-Neuinfektionen und die Gesamtzahl der Menschen, die mit HIV in Deutschland leben, können demnach nur mithilfe von Modellrechnungen abgeschĂ€tzt werden.


