Essstörungen, MÀdchen

Essstörungen nehmen stark zu - vor allem unter MÀdchen

05.05.2025 - 12:35:27 | dpa.de

Der Drang zum perfekten Körper - auf Social Media kann man dem Trend kaum entgehen. Das Ideal: oft unerreichbar, dafĂŒr drohen Essstörungen wie Magersucht. Vor allem in einer Gruppe.

Essstörungen wie Magersucht, Bulimie und Binge Eating nehmen nach Daten der Krankenkasse KKH stark zu - vor allem unter 12- bis 17-jÀhrigen MÀdchen. (Symbolbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Essstörungen wie Magersucht, Bulimie und Binge Eating nehmen nach Daten der Krankenkasse KKH stark zu - vor allem unter 12- bis 17-jÀhrigen MÀdchen. (Symbolbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Alles fĂŒr den angeblich makellosen Körper: Insbesondere der Trend zur Selbstoptimierung auf Social-Media-Plattformen fĂŒhrt einer Krankenkasse zufolge zu massiv steigenden Zahlen von Essstörungen vor allem unter MĂ€dchen und jungen Frauen. Besonders unter 12- bis 17-jĂ€hrigen MĂ€dchen stieg die Zahl der FĂ€lle von Magersucht, Bulimie und Binge Eating - krankhaften EssanfĂ€llen. Sie kletterte hier vom Vor-Corona-Jahr 2019 bis 2023 von 101 auf 150 FĂ€lle je 10.000 Versicherte, wie die KKH KaufmĂ€nnische Krankenkasse mitteilte. Das sei ein Plus von fast 50 Prozent - in keiner anderen Gruppe sei der Anstieg derart deutlich. 

Die boomende Selbstoptimierung-Szene und fragwĂŒrdige Ideale könnten besonders bei Heranwachsenden zu einem verminderten SelbstwertgefĂŒhl und sogar zu psychischen Erkrankungen wie Essstörungen fĂŒhren, warnte die Kasse.

Übersteigerte AnsprĂŒche können zur Belastung werden

«In einer Lebensphase, in der die eigene IdentitĂ€t noch nicht gefestigt und das SelbstwertgefĂŒhl oft nur schwach ausgeprĂ€gt ist, können solche ĂŒbersteigerten AnsprĂŒche an das eigene Aussehen zu einer großen Belastung werden», sagte die KKH-Psychologin Franziska Klemm. Sie warnte: «Je intensiver die Nutzung sozialer Medien ist, desto grĂ¶ĂŸer ist auch das Risiko fĂŒr eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und damit verbundene Essstörungen.»

FĂŒr die Untersuchung wertete die Krankenkasse die Daten eigener Versicherter aus den Jahren 2019 bis 2023 aus. Basis seien rund 1,66 Millionen KKH-Versicherte im Jahr 2023, darunter seien rund 90.300 MĂ€dchen und
Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Die KKH hat nach eigenen Angaben derzeit rund 1,5 Millionen Versicherte.

Besonders MÀdchen anfÀllig

Besonders anfĂ€llig sind nach EinschĂ€tzung der Psychologin MĂ€dchen - die von derartigen Videos nicht nur direkt angesprochen wĂŒrden, sondern sich auch mehr mit sich selbst beschĂ€ftigten als Jungen. Sie verglichen sich hĂ€ufiger in sozialen Medien und verspĂŒrten einen höheren Druck, Schönheitsidealen zu entsprechen. Außerdem sei vielen nicht bewusst, dass das Leben auf Social Media in der Regel inszeniert sei. Und doch: WĂ€hrend Stars wie Supermodels oder Hollywood-Schauspieler ohnehin unerreichbar schienen, herrsche in sozialen Medien «eine gewisse Nahbarkeit». 

Bei den gleichaltrigen Jungen dagegen stagnierte den Angaben zufolge die Zahl der Betroffenen beinahe - registriert wurde ein Plus von gut vier Prozent oder ein Anstieg von 34 auf 36 FÀlle je 10.000 Versicherte. 

Unter den 18- bis 24-jÀhrigen Frauen stellte die Kasse einen Anstieg um 25,1 Prozent fest, insgesamt stieg die Zahl der betroffenen Frauen um 10,4 Prozent. Laut Hochrechnung der Versicherung hatten 2023 fast 460.000 Menschen in Deutschland eine diagnostizierte Essstörung - 7,5 Prozent davon waren MÀdchen zwischen 12 und 17 Jahren. 

Schauen, wie die Menschen wirklich sind

In zahllosen Videos erzĂ€hlten schlanke Frauen von ihrer «Reise zum Idealkörper», gleichzeitig prangere eine «virtuelle Beauty-Polizei» Schönheitsmakel wie runde, volle Gesichter («Cortisol Face») oder gar ĂŒbergewichtige große Zehen («Toebesity») an, warnte die Kasse. «AufklĂ€rung allein hilft da nicht», betonte Klemm. Wirksamer sei es, ein positives Selbstbild zu fördern und den kritischen Umgang mit Schönheitsidealen zu stĂ€rken: «Das alles schĂŒtzt nachweislich vor der Entwicklung einer Essstörung.»

Neben der Teilnahme an PrĂ€ventionsprogrammen könnten Jugendliche selbst viel tun, sagte Klemm: «Wichtig ist, sich der Diskrepanz zwischen geschönten Online-Darstellungen und der RealitĂ€t bewusst zu werden. Ganz konkret heißt das, rauszugehen und zu schauen, wie die Menschen wirklich sind.» Und: Eine Strategie sei ein sensiblerer Umgang mit sozialen Netzwerken - also: weniger Zeit damit verbringen und Social-Media-Pausen einlegen.

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