Microsoft zeigt in Köln neue Kontrolle über Cloud-Daten
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMicrosofts Kunden und vorgestellte Anwendungen
- Satya Nadella präsentierte die Neuerungen in einer Kölner Messehalle vor rund 5.000 Zuhörerinnen und Zuhörern.
- Volkswagen bestellte Copilot-Lizenzen für 330.000 Beschäftigte.
- TK Elevator senkte die Zahl erneuter Technikereinsätze mithilfe von KI um 40 Prozent.
Microsoft stellt in Köln Datensouveränität in den Mittelpunkt
Microsoft-Chef Satya Nadella hat in Köln vor rund 5.000 Menschen neue Funktionen für mehr Kontrolle über Daten in der Cloud vorgestellt. Der US-Konzern will damit vor dem Hintergrund der europäischen Debatte über digitale Souveränität Vertrauen bei deutschen Kunden stärken.
Daten sollen leichter verschiebbar sein
Über die Cloud-Plattform Azure können Kunden unter anderem festlegen, wo ihre Daten gespeichert werden, und den Speicherort nachvollziehen. Microsoft erweitert die Möglichkeiten so, dass Daten leichter aus der Cloud auf einen lokalen Server übertragen oder vollständig vom Internet getrennt werden können.
Mit der Funktion „Azure Confidential Clean Rooms“ sollen Unternehmen sensible Daten gemeinsam analysieren können, ohne sie offenzulegen. Die Daten bleiben dabei verschlüsselt; Nadella sagte, auch während der Nutzung sei alles verschlüsselt.
Große deutsche Unternehmen nutzen Microsoft
Zu den Microsoft-Kunden in Deutschland gehören Volkswagen, Bayer, Lufthansa und Miele. Volkswagen hat kürzlich Copilot-Lizenzen für 330.000 Beschäftigte bestellt.
Bei der Veranstaltung wurden außerdem Anwendungen für Wartung, Service und Pharmaforschung präsentiert. TK Elevator setzt einen Microsoft-KI-Assistenten ein und teilte mit, die Zahl sogenannter Callbacks sei um 40 Prozent gesunken.
KI unterstützt Techniker und Forschung
TK Elevator beschäftigt weltweit 25.000 Techniker, die sich um 1,4 Millionen Aufzüge und Rolltreppen kümmern. Boehringer Ingelheim nutzt digitale Zwillinge von Patienten, um Krankheitsverläufe zu simulieren und die Entwicklung von Medikamenten zu beschleunigen.
SPD-Politiker kritisiert Abhängigkeit
Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Schätzl, sieht Microsofts Bedeutung für Deutschland ambivalent. Deutschland brauche den Konzern für die Digitalisierung mit KI-Anwendungen, müsse aber aus der Abhängigkeit von dem US-Unternehmen heraus.
Schätzl verwies auf den US-Cloud-Act und die Bindung der Deutschlandtochter an den amerikanischen Mutterkonzern. Zugleich forderte er mehr Wettbewerb, damit Behörden, Unternehmen und Bürger bei Softwarelösungen nicht dauerhaft auf einen Anbieter angewiesen seien.
Microsofts Auftritt in Köln fällt in eine Phase, in der Unternehmen und Behörden ihre Abhängigkeit von großen US-Technologiekonzernen neu bewerten. Die Debatte über digitale Souveränität betrifft dabei nicht nur den Speicherort von Daten, sondern auch Zugriffsrechte, technische Abhängigkeiten, Vertragsbedingungen und die Möglichkeit, Dienste bei Bedarf zu wechseln.
Die von Microsoft vorgestellten Funktionen zielen auf einen praktischeren Umgang mit diesen Fragen. Wenn Kunden Daten zwischen Cloud und eigenen Servern verschieben oder Systeme vollständig vom Internet trennen können, gewinnen sie zusätzliche Kontrolle über ihre IT-Infrastruktur. Verschlüsselte Analyseumgebungen sollen zugleich Kooperationen ermöglichen, ohne sensible Datensätze unmittelbar offenzulegen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Bedeutung des Konzerns zeigt sich an seiner breiten Kundenbasis in Deutschland. Volkswagen, Bayer, Lufthansa, Miele und zahlreiche öffentliche Stellen nutzen Microsoft-Produkte; dadurch betreffen technische und vertragliche Entscheidungen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Verwaltungs- und Produktionsabläufe.
Microsoft baut parallel sein Geschäft mit Künstlicher Intelligenz aus. Die Bestellung von Copilot-Lizenzen für 330.000 Beschäftigte bei Volkswagen steht für die Größenordnung dieses Wandels. Für Kunden kann KI die Arbeit beschleunigen, zugleich steigen Anforderungen an Datenschutz, Zugriffskontrolle und Kostenkontrolle.
Offene Abhängigkeiten
Die neuen Steuerungsmöglichkeiten lösen die politische Grundfrage nicht vollständig. Deutschland und Europa müssen weiterhin entscheiden, wie viel kritische digitale Infrastruktur von außereuropäischen Anbietern abhängen darf und welche Alternativen langfristig wettbewerbsfähig sind. Für Nutzer wird deshalb entscheidend sein, ob die versprochene Kontrolle im Alltag technisch, rechtlich und wirtschaftlich dauerhaft nutzbar bleibt.
