Neuer Apple-Chef muss iPhone-Konzern durch KI-Ăra steuern
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWenn Apple in gut einer Woche frische iPhones vorstellt, wird auch ein neuer Konzernchef seinen Einstand geben. John Ternus, mit 51 ein Jahr Ă€lter als Apple selbst, ĂŒbernimmt am 1. September den Spitzenjob. Er war bisher fĂŒr GerĂ€te zustĂ€ndig. So ist es auch passend, dass zu seinen ersten AnkĂŒndigungen im neuen Job laut Medienberichten der Einstieg von Apple ins GeschĂ€ft mit faltbaren Smartphones gehören soll.
Ternus gilt als kompetent, fokussiert und kreativer Problemlöser. In seiner Freizeit fahre er gern mit seinem Porsche auf der kalifornischen Rennstrecke Laguna Seca und komme auf respektable Rundenzeiten unter 1:40 Minuten, berichtete das «Wall Street Journal».Â
Zur hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC im Juni signalisierte Apple neue Offenheit und schickte den designierten Firmenchef Ternus in eine Willkommensparty fĂŒr Journalisten. Das Bad in der Menge endete damit, dass er fĂŒr ein Selfie nach dem anderen posierte, mit stets strahlendem LĂ€cheln.Â
Ternus beerbt auf Apples Chefsessel Tim Cook, der den Posten vor ziemlich genau 15 Jahren vom todkranken MitgrĂŒnder Steve Jobs ĂŒbernahm. Jobs ist die bestimmende Figur der Apple-Geschichte. In der Garage seiner Eltern lötete einst MitgrĂŒnder Steve Wozniak die Platinen der ersten Apple-Computer. Nach seiner RĂŒckkehr ins Unternehmen entstanden unter Jobs' Regie der iPod-Player, das iPhone und das iPad. Cook wurde als Nachfolger der Tech-Legende zunĂ€chst skeptisch beĂ€ugt. In seinen Jahren an der Spitze wurde Apple aber - auch dank der PopularitĂ€t der unter Ternus' Verantwortung entwickelten GerĂ€te - zu einer beispiellosen Geldmaschine.
GerÀtewelt aus einem Guss
In der Cook-Ăra stieg Apple ins GeschĂ€ft mit Computer-Uhren ein - und wurde aus dem Stand zur Nummer eins in dem Markt. Das gelang dem Konzern auch mit den AirPods-Ohrhörern. Die Daten-Brille Vision Pro wurde zwar nicht zum Verkaufsschlager - was auch dem Preis ab 3.999 Euro geschuldet sein dĂŒrfte. Doch sie wird in Design und Medizin benutzt und kann eine Vorstufe zu leichten Brillen sein, die Nutzern Informationen in durchsichtige GlĂ€ser einblenden.
Cook-Kritiker bemĂ€ngeln gelegentlich, unter seiner FĂŒhrung habe Apple kein derart revolutionĂ€res neues Produkt wie einst das iPhone herausgebracht. Ein selbstfahrendes Elektroauto hĂ€tte vielleicht ein solcher groĂer Wurf sein können. Apple gab jedoch die Arbeit an der Technik zum autonomen Fahren nach Ausgaben von angeblich rund zehn Milliarden Dollar auf, unter anderem im Angesicht ĂŒbermĂ€chtiger Konkurrenz der Google-Schwesterfirma Waymo.
Als visionĂ€r stellte sich die Entwicklung eigener Chips heraus, die in den vergangenen Jahren immer leistungsstĂ€rker wurden. Damit laufen alle Apple-GerĂ€te zudem auf einer einheitlichen Basis und können sich fĂŒr die Nutzer nahtlos zu einem Technik-Puzzle fĂŒr verschiedene Lebenslagen verbinden.Â
Im Zusammenspiel mit der Software liegt darin ein zentrales Erfolgsrezept von Apple, das die Kunden zum Kauf immer neuer GerĂ€te verleitet. Es ist eine Welt, die Ternus in den vergangenen zwei Jahrzehnten maĂgeblich mit aufbaute. Im Silicon Valley freuen sich so einige, dass nach dem Lieferketten-Experten Cook nun wieder ein Hardware-Typ ans Ruder kommt.
Mischt KI die Karten neu?
Auf dem Chefposten wird sich Ternus allerdings der Frage stellen mĂŒssen, was KĂŒnstliche Intelligenz fĂŒr das Apple-GeschĂ€ft bedeutet - und was die richtige KI-Strategie ist. Zum bisherigen KalkĂŒl von Apple gehört die Annahme, dass Menschen weiterhin GerĂ€te des Konzerns wie das iPhone und Mac-Computer nutzen werden, um auf Software mit KĂŒnstlicher Intelligenz zuzugreifen.Â
Das Gegenargument aus dem Lager der KI-Rivalen wie Tech-MilliardĂ€r Elon Musk lautet, fĂŒr die neue Technik werde man radikal andere GerĂ€te brauchen. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI setzt so weit auf diese Karte, dass er den einstigen Apple-Designchef Jony Ive engagierte - und inzwischen Apple zufolge mehr als 400 Mitarbeiter des Konzerns beschĂ€ftigt. Einigen Abwanderern wirft Apple vor, GeschĂ€ftsgeheimnisse mitgenommen zu haben, und zog vor Gericht. Diesen Streit erbt nun Ternus.
Zugleich rĂ€umte Cook auf der Zielgeraden noch so manche unangenehme Aufgabe ab. So etwa die Preiserhöhung fĂŒr eine Vielzahl von Apple-GerĂ€ten angesichts der im KI-Boom explosiv gestiegenen Speicherkosten sowie Entlassungen im Silicon Valley.Â
Auch wird sich Ternus vorerst keine Gedanken um Kontakte zu PrĂ€sident Donald Trump machen mĂŒssen, die fĂŒr US-Firmenchefs ein Drahtseilakt sein können. Cook, der Trump schon einmal eine Scheibe iPhone-Glas in einem goldenen StĂ€nder im WeiĂen Haus prĂ€sentierte, dĂŒrfte sich als Verwaltungsratschef weiterhin selbst darum kĂŒmmern - und seinem Nachfolger den RĂŒcken freihalten.
