Beschwerden von DatenschĂŒtzern wegen KI-Training bei X
12.08.2024 - 07:00:35Die europĂ€ische Datenschutz-Organisation Noyb hat in acht EU-LĂ€ndern Beschwerden gegen Elon Musks Online-Plattform X eingereicht. Bei den «Dringlichkeitsverfahren» im Rahmen der EuropĂ€ischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Auftrag von betroffenen EU-BĂŒrgern geht es um den X-Chatbot Grok, dessen KĂŒnstliche Intelligenz standardmĂ€Ăig mit BeitrĂ€gen von Nutzern trainiert wird.
Da die X-Nutzer ĂŒber die Verwendung ihrer Daten fĂŒr das KI-Training nicht vorab informiert und um Erlaubnis gefragt wurden, hatte die fĂŒr den Twitter-Nachfolger X in Europa zustĂ€ndige irische Datenschutzbehörde DPC bereits am vergangenen Dienstag eine Klage gegen das Netzwerk erhoben. Diese geht dem Datenschutz-Verein Noyb allerdings nicht weit genug, weil die Klage sich nur mit Nebenaspekten des Falls beschĂ€ftige.
Max Schrems, der Vorsitzende von Noyb, sagte: «Unternehmen, die direkt mit Nutzern interagieren, mĂŒssen ihnen einfach eine Ja/Nein-Abfrage stellen, bevor sie ihre Daten verwenden. Sie tun dies regelmĂ€Ăig fĂŒr viele andere Dinge, also wĂ€re es definitiv auch fĂŒr KI-Training möglich.»
Dringlichkeit geboten
In Anbetracht der Tatsache, dass X bereits damit begonnen habe, die Daten von Personen fĂŒr seine KI-Technologie zu verarbeiten, habe Noyb ein «Dringlichkeitsverfahren» gemÀà Artikel 66 DSGVO in Ăsterreich, Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande und Spanien beantragt. Diese Vorschrift erlaube es den Datenschutzbehörden, in solchen Situationen vorlĂ€ufige Anordnungen zu treffen und eine EU-weite Entscheidung ĂŒber den EuropĂ€ischen Datenschutzausschuss zu treffen.
Die ungefragte Nutzung der X-Daten und die geĂ€nderte Datenschutz-Einstellungen waren vor zwei Wochen dem X-Nutzer @EasyBakedOven aufgefallen. Dabei war das HĂ€kchen bei der Erlaubnis fĂŒr Grok, neben direkten Interaktionen mit dem Chatbot auch öffentliche X-BeitrĂ€ge zu verwenden, fĂŒr alle automatisch gesetzt.
Die Einstellung kann nur in der Web-Version von X verĂ€ndert werden, in der Smartphone-App wird sie aktuell gar nicht angezeigt. Das solle sich bald Ă€ndern, kĂŒndigte X an.
Meta schob PlÀne auf - X setzt sie um
Der Facebook-Konzern Meta hatte im Juni auf Druck der irischen DatenschĂŒtzer seine PlĂ€ne, öffentliche BeitrĂ€ge von Nutzern in Europa zum Training seiner KI-Modelle zu verwenden, auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Zuvor war kritisiert worden, dass Meta keine ausdrĂŒckliche Einwilligung der Nutzer vorsah, sondern lediglich die Möglichkeit, der Verwendung der Daten zu widersprechen. X geht nun so vor, wie Meta es vorhatte.
Grok soll mit anderen KI-Chatbots wie dem Vorreiter ChatGPT der Firma OpenAI oder Claude von Anthropic konkurrieren. Die Software wird nicht direkt bei X entwickelt, sondern der Firma xAI, die ebenfalls Musk gehört. Er kaufte Twitter im Herbst 2022 fĂŒr rund 44 Milliarden Dollar und benannte den Dienst in X um.


