Deutschland, Rheinland-Pfalz

1&1 senkt Handynetz-Ausbauziel

Veröffentlicht: 03.08.2023 um 14:33 Uhr, dpa.de

Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone, diese drei Firmen betreiben hierzulande Handynetze. Bald kommt mit 1&1 eine vierte Firma hinzu. Der Netzbau will allerdings nicht so recht in die GÀnge kommen.

Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern. - Bild: Jens BĂŒttner/dpa-Zentralbild/dpa
Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern. - Bild: Jens BĂŒttner/dpa-Zentralbild/dpa

Beim Bau des vierten deutschen Handynetzes muss das Telekommunikationsunternehmen 1&1 den nĂ€chsten RĂŒckschlag hinnehmen. Bis Jahresende peile man nur noch rund 1000 verfĂŒgbare 5G-Standorte an und nicht mehr 1200, sagte Firmenchef Ralph Dommermuth am Donnerstag in Montabaur. Der wichtigste Ausbaupartner – gemeint ist die Infrastrukturfirma Vantage Towers – habe einen Teil der zugesagten Standorte abgemeldet. «Wir haben keine ErklĂ€rung bekommen, woran das jetzt standortgenau liegt.» Trotz dieser Entwicklung habe er das GefĂŒhl, dass sich der Baupartner um ein höheres Tempo bemĂŒhe.

1&1 hatte 2019 erstmals Spektrum fĂŒr 1,1 Milliarden Euro ersteigert, um damit ein eigenes Netz zu bauen. Bisher nutzt das Unternehmen fĂŒr sein MobilfunkgeschĂ€ft die Netze der Konkurrenz und zahlt dafĂŒr Miete. KĂŒnftig will 1&1 auf eigenen Beinen stehen. Nach EinschĂ€tzung von Experten könnten Verbraucher davon profitieren, weil sich der Wettbewerb verschĂ€rft.

Der Ausbau des vierten deutschen Handynetzes kam aber nur schleppend voran. Bis Ende 2022 hĂ€tte 1000 5G-Standorte in Betrieb sein mĂŒssen, tatsĂ€chlich waren es aber nur fĂŒnf. Das lag vor allem an Vantage Towers, das dies mit Lieferproblemen begrĂŒndete.

1&1 argwöhnte, dass der Konkurrent Vodafone seine Finger im Spiel hatte - Vodafone hĂ€lt zusammen mit Investoren die Mehrheit an Vantage Towers. Das Bundeskartellamt geht derzeit dem Verdacht nach, ob Vodafone seinen Einfluss missbrĂ€uchlich geltend gemacht hatte. Vodafone und Vantage Towers wiesen diesen Verdacht zurĂŒck.

Wie groß wird das Netz zum Jahresende sein?

Zum 30. Juni waren nur 40 5G-Standorte von 1&1 in Betrieb. 193 waren verfĂŒgbar - damit sind auch die Standorte inbegriffen, die zwar schon bereitstehen, aber noch kein Glasfaser und keine installierten Antennen haben. Bis Ende September soll diese Zahl auf circa 500 und bis Ende Dezember auf rund 1000 steigen. Wie groß das freigeschaltete Netz zum Jahresende sein wird, ist noch offen. Die Zahl der aktivierten Standorte dĂŒrfte aber gering sein und erst nĂ€chstes Jahr deutlich steigen.

Trotz der kleinen Fortschritte will 1&1 sein Handynetz bald starten, am 26. September soll der Schalter umgelegt werden. Ab dann können Neukunden mit dem noch sehr kleinen 1&1-Netz verbunden werden. Dort, wo keine 1&1-Antennen sind, werden sie im Rahmen des sogenannten National Roamings mit dem Netz von TelefĂłnica (O2) verbunden. Diese Partnerschaft zwischen 1&1 und O2 ist allerdings nicht von langer Dauer: Am Mittwoch hatte 1&1 ĂŒberraschend bekanntgegeben, beim National Roaming zu Vodafone zu wechseln, spĂ€testens im Herbst 2024 soll das geschehen. Hierbei ist auch der Funkstandard 5G inbegriffen, beim O2-National-Roaming geht es nur um 2G und 4G.

Warum diese Kehrtwende? «Es ging bei dem Vertrag mit Vodafone nicht darum, dass wir gĂŒnstiger einkaufen als bei TelefĂłnica», sagte Dommermuth. «Die Preise sind mehr oder weniger gleich.» Viel wichtiger sei, dass der Vertrag eine klare Kalkulationsgrundlage und «keine versteckten Kosten» enthalte.

de | wissenschaft | 63882060 |

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