Deutschland treibt Digitalisierung voran: Milliarden fĂĽr Wallet und KI-Cloud
22.05.2026 - 05:01:08 | boerse-global.de
Das Kabinett verabschiedete das Gesetz für die nationale Digital-Wallet, während das Digitalministerium einen 250-Millionen-Euro-Auftrag für eine souveräne KI-Cloud vergab. Beide Projekte sind Eckpfeiler des sogenannten „Germany Stack" – einer staatlichen Technologie-Infrastruktur, die Unabhängigkeit von internationalen Konzernen schaffen soll.
Digitale Identität für alle ab 13 Jahren
Am 20. Mai 2026 gab die Bundesregierung grünes Licht für das Digital-Identitäts-Gesetz (DIdG). Digitalminister Wildberger kündigte den offiziellen Start der EUDI-Wallet für den 2. Januar 2027 an. Die Nutzung bleibt freiwillig – doch die Möglichkeiten sind enorm: Altersnachweise, digitale Vertragsunterschriften und Behördengänge sollen künftig per App erledigt werden.
Bemerkenswert: Schon 13-Jährige dürfen die Wallet nutzen. Die Verwaltung teilen sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundesverwaltungsamt und die Bundesnetzagentur. Erste Pilotprojekte laufen bereits.
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Der Branchenverband Bitkom sieht großes Potenzial: 54 Prozent der Deutschen können sich laut einer Studie vorstellen, die digitale Brieftasche zu nutzen. Das Gesetz bringt zudem echte Entlastung: Bürger über 70 müssen künftig keinen Personalausweis mehr verlängern – das betrifft rund 285.000 Fälle jährlich. Auch die Pflicht, nach einem Umzug die Adresse im Reisepass ändern zu lassen, entfällt. Das spart 1,2 Millionen Verwaltungsvorgänge pro Jahr.
Zwei Konsortien teilen sich den KI-Cloud-Auftrag
Einen Tag später, am 21. Mai, fiel die nächste Entscheidung: Das Digitalministerium vergab einen 250-Millionen-Euro-Auftrag für eine souveräne KI-Cloud-Plattform. Die Strategie: Kein Vendor-Lock-in. Statt einem einzigen Anbieter den Zuschlag zu geben, teilte das Ministerium den Auftrag auf zwei Konsortien auf.
Die erste Gruppe – bestehend aus T-Systems (Deutsche Telekom) und SAP – erhält 70 Prozent des Auftragsvolumens. Branchenkenner rechnen damit, dass T-Systems über vier Jahre mehr als die Hälfte der Gesamtsumme verbuchen wird. Die zweite Gruppe mit SVA, Schwarz Digits und Codesphere bekommt die restlichen 30 Prozent.
Die Vergabe wurde möglich, nachdem ein konkurrierendes Konsortium um Google und Adesso seine Klage zurückzog. Die neue Plattform soll Planungs- und Genehmigungsverfahren durch automatisierte Dokumentenverarbeitung beschleunigen. Erste Anwendung: Kipitz, eine KI-Lösung für Wissensmanagement und Dokumentenanalyse in der Verwaltung.
Digitales Sozialportal bis Ende 2027 geplant
Die Digitalisierungswelle erfasst auch den Sozialstaat. Am 20. Mai tagte erstmals der „Expertenausschuss zur Digitalisierung der Sozialstaatsreform" unter Vorsitz von Digitalminister Wildberger. Ziel: Ein zentrales digitales Sozialportal bis Ende 2027. Dort sollen Leistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld gebündelt werden.
Doch der Weg ist steinig. Für die Umsetzung könnte eine Grundgesetzänderung nötig sein – die Union lehnt das bisher ab. Auch die langfristige Finanzierung ist umstritten.
Währenddessen greifen digitale Pflichten bereits heute: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verlangt für E-Auto-Förderungen künftig eine Bund-ID mit hohem oder substanziellem Vertrauensniveau. Antragsteller brauchen entweder ein Elster-Zertifikat oder die Online-Funktion des Personalausweises.
Und der Bundestag beschloss am 21. Mai die Digitalisierung von Führungszeugnissen. Ab Ende 2026 gibt es die begehrten Dokumente – rund 5 Millionen Anträge jährlich – als PDF mit QR-Code zur Echtheitsprüfung.
Die Schattenseite: 2,1 Millionen Menschen offline
Die rasante Digitalisierung ruft Kritiker auf den Plan. Die Senioren-Union der CDU/CSU fordert stärkeren Schutz für Menschen ohne Internetzugang. „Wir unterstützen Digitalisierung und KI", so die Vertreter, „aber wir lehnen Altersdiskriminierung ab." Ihre Forderung: Gleichwertige analoge Alternativen für alle öffentlichen Dienstleistungen.
Unterstützung kommt vom Verein Digitalcourage aus Bielefeld. Mit einer Petition und 70.000 Unterschriften fordert die Organisation eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes – ein Recht auf Leben ohne „digitalen Zwang".
Die Zahlen geben ihnen recht: 2,1 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 16 und 74 Jahren haben laut Statistischem Bundesamt noch nie das Internet genutzt.
Während der Staat auf „digital first“ umstellt, fühlen sich viele Einsteiger bei der Bedienung moderner Smartphones noch unsicher. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen, Ihr Gerät ohne Fachjargon zu verstehen und sicher in den digitalen Alltag zu starten. Kostenloses iPhone Starterpaket hier sichern
Vor Ort versuchen Projekte wie „Digitaler Engel" und ehrenamtliche „Digitalbotschafter" die Lücke zu schließen. Sie schulen Senioren im Umgang mit Smartphones und KI – damit niemand abgehängt wird, wenn der Staat auf „digital first" umstellt.
Ausblick: Die Bewährungsprobe kommt 2027
Mit der Digital-Wallet und der KI-Cloud hat die Bundesregierung finanzielle und gesetzliche Grundlagen für die digitale Zukunft geschaffen. Der Fokus wird nun auf der praktischen Umsetzung liegen – und der Frage, ob die Systeme zwischen Bund, Ländern und Kommunen reibungslos funktionieren.
Der „Germany Stack" steht und fällt mit der Leistungsfähigkeit der Konsortien um T-Systems, SAP und SVA. Und mit der parlamentarischen Bereitschaft, auch unpopuläre Grundgesetzänderungen anzugehen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Deutschland den Spagat zwischen digitaler Spitze und analoger Teilhabe meistert.
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