DEUTZ und Hypercraft: Kooperation für unbemannte Kampfroboter
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Kölner Motorenhersteller DEUTZ AG und das US-amerikanische Unternehmen Hypercraft aus Utah haben eine Absichtserklärung über eine strategische Zusammenarbeit unterzeichnet.
Wie aus Berichten vom 21. September 2026 hervorgeht, konzentriert sich die Partnerschaft auf die Entwicklung und Bereitstellung von unbemannten Bodenfahrzeugen (Unmanned Ground Vehicles, UGV) sowie hochmodernen mobilen Antriebssystemen. Die Kooperation markiert einen weiteren Schritt in der Diversifizierung beider Unternehmen im Bereich der Verteidigungstechnologie.
Technologische Synergien und Systemintegration
Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Zusammenführung spezifischer Kompetenzen beider Partner. DEUTZ liefert bereits Verbrennungsmotoren für das von Hypercraft entwickelte UGV-Modell „Razorback“. Künftig soll die Kooperation auf weitere Felder der Business Unit NewTech ausgeweitet werden. Hierbei prüfen die Partner den Einsatz von Hybridantrieben, Batteriesystemen, Leistungselektronik sowie kompletten Energiesystemen.
DEUTZ positioniert sich dabei als ganzheitlicher Systemanbieter. Neben der technischen Expertise bringt das Unternehmen sein globales Servicenetzwerk in die Partnerschaft ein, das über 1.000 Standorte in mehr als 180 Ländern umfasst.
Hypercraft steuert im Gegenzug seine Erfahrung in der UGV-Entwicklung sowie eine softwaredefinierte Fahrzeugarchitektur namens CARBON bei. Zudem verfügt das Unternehmen aus Utah über ein etabliertes militärisches Kundennetzwerk auf dem US-Markt.
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Das unbemannte Bodenfahrzeug Razorback im Fokus
Die technologische Basis der Kooperation bildet die Plattform Razorback, die im April 2026 vorgestellt wurde. Das Fahrzeug weist ein Leergewicht von 2.041 kg auf und kann eine Nutzlast von 1.089 kg (bis zu 2.400 Pfund) befördern. Mit einer Länge von 4,06 m und einer Breite von 2,32 m erreicht das System eine Reichweite von bis zu 280 Meilen (ca. 451 km).
Der Antrieb erfolgt über ein Diesel-Hybrid-Elektro-System mit vier unabhängigen Elektromotoren, die eine Gesamtleistung von 300 PS erbringen. Die Energieversorgung sichert eine 400-Volt-Batterie mit einer Kapazität von 42 kWh, wobei das System eine externe Stromabgabe von bis zu 38 kW ermöglicht.
Technisch zeichnet sich der Razorback durch ein redundantes Motordesign aus, das die Weiterfahrt selbst bei Beschädigungen gewährleisten soll. Ein sogenanntes Low-Signature-Profil sowie ein 360-Grad-Schutz gegen Drohnen der Kategorien Group 1 und Group 2 erhöhen die Einsatzfähigkeit im Feld.
Hierzu arbeitet Hypercraft zudem mit Fortem Technologies zusammen, um Radar- und Abwehrsysteme zu integrieren. Anfang August 2026 wurde das System Vertretern von Regierung und Verteidigung am South Valley Regional Airport in Utah demonstriert.
Im September 2026 erhielt die Lösung zudem eine „award-ready“-Einstufung auf einem Marktplatz des Army Applications Laboratory, was jedoch noch keinen konkreten Beschaffungsauftrag darstellt.
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Strategische Neuausrichtung im Verteidigungssektor
Für die DEUTZ AG ist die Partnerschaft Teil einer umfassenden Neuausrichtung. Das Unternehmen hat Defense als viertes Kernsegment neben den Bereichen Engines, Energy und New Technology etabliert. Die Business Unit Defense soll künftig eine tragende Säule des Konzerns bilden.
Zur Finanzierung dieser Strategie und weiterer Akquisitionen hat DEUTZ durch einen Aktienverkauf rund 179 Mio. € (206 Mio. US-Dollar) eingenommen. Zudem liegt die deutsche Kartellfreigabe für eine separate Übernahme bereits vor.
Marco Herre, Leiter der Business Unit Defense bei DEUTZ, betonte, dass man gemeinsam innovative und zuverlässige Lösungen für weltweite Verteidigungskunden entwickeln wolle. Brian Bowers, CEO von Hypercraft, bezeichnete das Fahrzeug als neuen taktischen Standard in der Branche.
Perspektiven für den europäischen Markt
Über die rein technologische Zusammenarbeit hinaus erwägen beide Unternehmen die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung künftiger Plattformen. Ein wesentlicher Bestandteil der Gespräche ist die mögliche Montage und Endabnahme von Hypercraft-Plattformen an einem deutschen Produktionsstandort der DEUTZ AG, um den europäischen Markt effizienter bedienen zu können.
Das unterzeichnete Memorandum of Understanding (MoU) legt zunächst die gemeinsamen Absichten fest. Verbindliche Aktivitäten müssen durch separate Vereinbarungen präzisiert werden. Zu potenziellen Auftragsvolumina, konkreten Investitionssummen oder erwarteten Umsatzbeiträgen machten die Unternehmen bislang keine Angaben.
