Diabetes: ECHO-Implantat senkt Blutzucker bei MĂ€usen binnen einer Stunde
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Behandlung von Diabetes mellitus eröffnen bioelektronische AnsĂ€tze neue Perspektiven fĂŒr das Therapiemanagement. Ein Forschungsteam um Martin Fussenegger vom Departement Biosysteme der ETH ZĂŒrich in Basel stellte in der Fachzeitschrift Science ein implantierbares System vor, das ĂŒberschĂŒssige Glukose im Körper direkt elektrochemisch abbaut.
Das Verfahren mit der Bezeichnung ECHO (electrocatalytic closed-loop health optimization) kombiniert ein unter die Haut eingesetztes Katalysator-Modul mit handelsĂŒblichen Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung und ermöglicht eine prĂ€zise Blutzuckerkontrolle in einem geschlossenen Regelkreis.
Funktionsweise des elektrochemischen Regelkreises
Das System arbeitet vollkommen ohne die Gabe von Fremdstoffen wie Insulin. Kernkomponente des etwa USB-stick-groĂen Implantats ist ein TrĂ€ger aus Graphitfilz beziehungsweise ein Graphit-Wafer, der mit Gold-Nanoclustern und Platinpartikeln beschichtet ist. Sobald das Implantat ĂŒber eine drahtlose Verbindung mit einer Frequenz von 13,56 MHz mit Energie versorgt wird, oxidiert es Glukose zu Glukonat.
Gesteuert wird dieser Vorgang durch einen geschlossenen Regelkreis: Ein herkömmlicher Glukosesensor erfasst die Gewebezuckerwerte und ĂŒbermittelt die Daten via Bluetooth an ein Smartphone oder eine Smartwatch. Ăbersteigt der Blutzuckerspiegel den definierten Schwellenwert, aktiviert das SteuergerĂ€t das Implantat.
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Bei Erreichen des Zielwerts schaltet sich der Katalysator automatisch ab. Laut den Studienergebnissen wird etwa ein FĂŒnftel des erzeugten Glukonats im Körper als Energie verbrannt, wĂ€hrend der verbleibende Teil ĂŒber die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird.
Ergebnisse aus Labor- und Tiermodellen
An den Untersuchungen waren neben der ETH ZĂŒrich auch die UniversitĂ€t Basel und die UniversitĂ€t Lyon beteiligt. In Versuchsreihen mit adipösen MĂ€usen, die an Typ-2-Diabetes litten, normalisierten sich erhöhte Blutzuckerwerte bei einer Betriebsspannung von 0,75 Volt und einer StromstĂ€rke von 10 Milliampere innerhalb einer Stunde. In einem Versuchsaufbau mit kommerziellen Glukosesensoren arbeitete das System zwei Wochen lang autonom ohne menschliches Eingreifen.
Ăber einen Zeitraum von sechs Wochen fĂŒhrte die Anwendung bei den Tieren zu reduzierten Körpergewichts- und Triglyceridwerten. Gleichzeitig stiegen die freien FettsĂ€uren und Ketone an. UnerwĂŒnschte Unterzuckerungen traten wĂ€hrend der Testphase nicht auf.
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Um die Ăbertragbarkeit auf den menschlichen Organismus zu prĂŒfen, testeten die Forschenden den Katalysator zudem in einem LaborgefÀà mit einer FĂŒnf-Liter-Glukoselösung, was dem durchschnittlichen menschlichen Blutvolumen entspricht. Auch unter diesen Bedingungen lieĂ sich die Glukosekonzentration erfolgreich absenken.
GewebevertrÀglichkeit und Ausblick
Das Implantat erwies sich in den prĂ€klinischen Tests ĂŒber sechs Wochen hinweg als zuverlĂ€ssig und gut vertrĂ€glich. Weder traten SchĂ€den durch elektrische oder thermische Effekte im umliegenden Gewebe auf, noch bildeten sich Narben oder EntzĂŒndungszeichen.
Ein Austritt von Metallpartikeln wurde nicht beobachtet. Nach sechs Wochen entnommene Implantate blieben weiterhin funktionstĂŒchtig; einzelne Module zeigten auch nach drei Monaten unter der Haut noch AktivitĂ€t.
Klinische Studien an Menschen stehen bislang aus. Die beteiligten Forschungsinstitute planen nun die Weiterentwicklung der Technologie mit dem Ziel, das System mittelfristig zu einem zugelassenen Medizinprodukt fĂŒr die Diabetesversorgung auszubauen.
