Diabetes, Parkinson-Risiko

Diabetes erhöht Parkinson-Risiko um 27 Prozent: Metaanalyse warnt

18.06.2026 - 20:30:50 | boerse-global.de

Große Metaanalyse zeigt: Diabetiker haben ein 27 Prozent höheres Risiko fĂŒr Parkinson. Auch die Vorstufe PrĂ€diabetes ist gefĂ€hrlich.

Diabetes und PrÀdiabetes: Deutlich erhöhtes Parkinson-Risiko belegt
Diabetes - Nahaufnahme eines BlutzuckermessgerĂ€ts, das einen hohen Wert anzeigt, im Hintergrund verschwommen eine Hand mit einer Medikamentenflasche. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Wissenschaftler werteten 15 Kohortenstudien mit insgesamt 29,9 Millionen Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Diabetiker haben ein rund 27 Prozent höheres relatives Risiko, an Parkinson zu erkranken.

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Doch nicht nur der manifeste Diabetes ist gefĂ€hrlich. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) warnt: Bereits der PrĂ€diabetes – die Vorstufe – steht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit fĂŒr spĂ€tere neurologische Komplikationen in Verbindung.

PrĂ€vention als SchlĂŒssel

In Deutschland leben rund 9,3 Millionen Diabetiker, jĂ€hrlich kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen hinzu. FĂŒr DGN-PrĂ€sidentin Prof. Daniela Berg ist die Botschaft klar: „Eine effektive Diabetes-PrĂ€vention leistet gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zur Parkinson-PrĂ€vention."

Konkret unterstĂŒtzt die DGN die Forderung nach einer Zuckersteuer nach britischem Vorbild. Initiiert wurde sie von der Deutschen Allianz NichtĂŒbertragbare Krankheiten (DANK). Ziel: den Konsum stark gesĂŒĂŸter Lebensmittel reduzieren.

Dass ErnĂ€hrungsumstellungen messbar helfen, zeigt eine Studie im Fachblatt Clinical Nutrition vom Juni 2026. 152 Patienten ĂŒber 65 Jahren mit PrĂ€diabetes aßen ein Jahr lang wöchentlich 200 Gramm Sardinen. Der Anteil der Hochrisikopatienten sank von 22 auf 8 Prozent. Auch Insulinresistenz, Blutdruck und HDL-Werte verbesserten sich.

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Eine weitere Metaanalyse in The Lancet Diabetes & Endocrinology belegt: Hohe LinolsĂ€ure-Werte senken das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes um bis zu 35 Prozent.

Diabetes schadet auch GefĂ€ĂŸen und fördert Krebs

Die Forschung zeigt zudem systemische Folgen. Ein team der UniversitĂ€t ZĂŒrich veröffentlichte Anfang Juni 2026 in Cell Reports Ergebnisse zu epigenetischen Mechanismen. Im Fettgewebe konnten BET-Protein-Inhibitoren EntzĂŒndungen reduzieren und die GefĂ€ĂŸgesundheit verbessern. Zentraler Vermittler: das Enzym Hexokinase 2.

Auch die KrebsprĂ€vention rĂŒckt in den Fokus. In Nature Reviews Endocrinology verwiesen Wissenschaftler Mitte Juni 2026 auf Studien mit ĂŒber sechs Millionen Teilnehmern. Demnach erhöht ein persistierender PrĂ€diabetes das Risiko fĂŒr BauchspeicheldrĂŒsen- und Gallenblasenkrebs. Bei erfolgreicher Remission sinkt das Risiko wieder auf ein statistisch nicht signifikantes Niveau.

Neue TherapieansÀtze und GesetzesÀnderung

Auch bei der Behandlung gibt es Fortschritte. Eine Studie der UniversitĂ€t Lund in Nature Medicine untersuchte den Parkinson-Wirkstoff Pramipexol. Bei ĂŒber 80 Patienten mit schwerer Depression zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Anhedonie – der UnfĂ€higkeit, Freude zu empfinden.

Auf politischer Ebene beschloss der Bundestag Ende Mai 2026: Parkinson wird in die Berufskrankheiten-Verordnung aufgenommen. Die Regelung tritt voraussichtlich am 1. August 2026 in Kraft. Besonders relevant ist sie fĂŒr die Landwirtschaft, da ein Zusammenhang mit der Exposition gegenĂŒber bestimmten Pflanzenschutzmitteln diskutiert wird.

Teplizumab: Nutzen noch nicht belegt

FĂŒr den Typ-1-Diabetes-Wirkstoff Teplizumab veröffentlichte das Institut fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am heutigen Donnerstag eine Nutzenbewertung. Zwar verzögert Teplizumab die Krankheitsmanifestation um etwa zwei Jahre. Doch das Institut sieht einen Zusatznutzen als nicht belegt an – wegen zu kurzer Beobachtungsdauer und Hinweisen auf Nebenwirkungen wie Lymphopenie.

de | wissenschaft | 69575740 |