Diabetes-Fußpflege, Ulzera

Diabetes-Fußpflege: Über 90 Prozent der Ulzera gelten als vermeidbar

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige Kontrollen und fachgerechte Nagelpflege helfen, Verletzungen und Folgeprobleme am diabetischen Fuß zu vermeiden.
Ein heller, steriler Raum einer medizinischen Fußpflegepraxis mit minimalistischem Interieur. Illustration mit AI erstellt.

Fachärztliche Empfehlungen heben die zentrale Bedeutung einer professionellen Fußpflege bei Diabetes mellitus hervor. Unsachgemäßes Schneiden der Zehennägel oder unbedachte Selbstbehandlungen können leicht Infektionen auslösen und das Risiko für ein diabetisches Fußsyndrom drastisch erhöhen.

Da Diabetes häufig mit peripherer Neuropathie und einer verschlechterten Durchblutung der unteren Extremitäten einhergeht, werden kleinste Läsionen von Betroffenen oft nicht rechtzeitig bemerkt.

Risikofaktor Zehennagel: Gefahren durch falsches Kürzen

Veränderungen an den Nägeln stellen bei Diabetespatienten ein ernstes Risiko dar. Verdickte, brüchige oder verfärbte Nagelplatten, Haken- und Krallennägel sowie eingewachsene Nagelränder üben kontinuierlichen Druck auf das umliegende Gewebe aus.

Bei herabgesetztem Schmerzempfinden und gestörter Wundheilung führen das Selbstschneiden, zu tiefes Kürzen oder das gewaltsame Ausgraben eingewachsener Ecken häufig zu Verletzungen des Nagelfalzes. Solche Wunden bilden oft die Eintrittspforte für bakterielle Entzündungen.

Fachkräfte warnen davor, eingewachsene Nägel in Eigenregie mit unsterilen Scheren oder Klingen zu bearbeiten. Auch Hühneraugen oder Hornhaut dürfen keinesfalls mit Messern, Hobeln oder aggressiven Tinkturen entfernt werden, da diese Maßnahmen tieferliegendes Gewebe schädigen können.

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Wenn Rötungen, Schwellungen, Schmerzen oder Eiter auftreten, ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich. Klinische Fallberichte verdeutlichen die Dringlichkeit: So führte bei einem langjährigen Diabetespatienten eine zunächst kleine, selbst aufgestochene Blase innerhalb von weniger als zwei Wochen zu einer feuchten Nekrose, die letztlich die Amputation von zwei Zehen erforderte.

Schätzungen zufolge liegt die Prävalenz des diabetischen Fußes bei Betroffenen in China zwischen 4,1 und 14,5 Prozent. Über 90 Prozent der Ulzera gelten durch strukturierte Prävention als vermeidbar.

Standards für die professionelle und häusliche Vorsorge

Die IWGDF-Leitlinie aus dem Jahr 2023 betont, dass das Fehlen subjektiver Beschwerden das Vorliegen einer asymptomatischen Neuropathie oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit keineswegs schließt.

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Zum jährlichen Screening gehören die Überprüfung auf bestehende Ulzera, Tests der Sensibilität sowie das Tasten der Fußpulse. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein 10-g-Monofilament nicht als alleiniges Testverfahren dienen sollte, sondern durch eine 128-Hz-Stimmgabel sowie thermische Prüfungen ergänzt werden muss.

Für die praktische Fußpflege gelten klare Leitlinien. Zehennägel sollten stets gerade gekürzt und die Kanten glatt gehalten werden, ohne die Ecken spitz abzurunden.

Bei deformierten Nägeln oder vermindertem Sehvermögen wird die Nagelpflege in spezialisierten Zentren für den diabetischen Fuß oder podologischen Praxen empfohlen. Dort kommen autoklav-sterilisierte Metallwerkzeuge oder Einwegfeilen zum Einsatz, während riskante Instrumente wie Klingen-Hornhautentferner untersagt sind.

Betroffene sollten zudem einfache Verhaltensregeln in ihren Alltag integrieren:
- Tägliche Inspektion der Fußsohlen, Fersen und Zehenzwischenräume auf Druckstellen, Risse oder Rötungen
- Kein Barfußlaufen, um Verletzungen durch Fremdkörper zu vermeiden
- Fußbäder nur kurz bei 32 bis maximal 37 Grad Celsius durchführen und die Haut nicht aufweichen lassen
- Feuchtigkeitscremes regelmäßig anwenden, dabei jedoch die Zehenzwischenräume aussparen
- Schuhe vor dem Anziehen stets ausschütteln und passende Strümpfe aus Naturfasern oder mit Silberfäden wählen

Zeigen sich Schnitte oder Blasen, die nach 24 Stunden keine Besserung aufweisen, oder treten Verfärbungen und Überwärmung auf, ist umgehend eine ärztliche Praxis aufzusuchen.

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