Diabetes-Leitlinien, ADA

Diabetes-Leitlinien: ADA und EASD rücken Begleiterkrankungen stärker in den Fokus

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Konsensberichte rücken Begleiterkrankungen, moderne Therapien und Technologien stärker in den Mittelpunkt der Diabetesversorgung.
Ein sonniger Parkweg am frühen Morgen, der zu körperlicher Aktivität und Bewegung einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Die führenden Fachgesellschaften im Bereich der Diabetologie haben ihre gemeinsamen Empfehlungen grundlegend überarbeitet: Am 2. Oktober 2026 veröffentlichten die American Diabetes Association (ADA) und die European Association for the Study of Diabetes (EASD) zeitgleich in den Fachzeitschriften Diabetes Care und Diabetologia neue Konsensberichte zur Behandlung von Erwachsenen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Die Publikationen spiegeln einen strategischen Wandel in der Versorgung wider: Neben der klassischen Blutzuckerkontrolle betonen die Gesellschaften nun ein ganzheitliches Therapiemanagement, das Multimorbidität, fortschrittliche Diabetestechnologien und neue medikamentöse Ansätze berücksichtigt.

Typ-2-Diabetes: Erweiterter Fokus und strukturierte Bewegungsmuster

Der Konsensbericht zum Typ-2-Diabetes, der auf der vorherigen Fassung aus dem Jahr 2022 aufbaut, erweitert die Zielsetzung über die reine Behandlung der Hyperglykämie hinaus auf ein umfassendes Management von Begleiterkrankungen.

Im Bereich der Lebensstilinterventionen führten ADA und EASD einen 24-Stunden-Bewegungsrahmen ein. Dieses sogenannte „5 S“-Modell bündelt Verhaltensanweisungen für den Alltag: Stehen (standing), Schritte beziehungsweise Gehen (stepping), schweißtreibende Aktivität (sweating), Muskelkräftigung (strengthening) und ausreichenden Schlaf (sleep).

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In der medikamentösen Therapie sprechen sich die Organisationen für den frühzeitigen Einsatz moderner Substanzklassen aus. SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten – einschließlich dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten – werden ab dem Zeitpunkt der Diagnose empfohlen.

Liegen bei Patienten kardiovaskuläre Vorerkrankungen, eine Herzinsuffizienz oder eine chronische Nierenerkrankung (CKD) vor, raten die Fachgesellschaften zu einer frühen Kombinationstherapie.

Screening auf Hyperkortisolismus und neue Studiendaten

Eine wesentliche diagnostische Ergänzung im Typ-2-Bericht betrifft Patienten mit schwer einstellbaren Krankheitsverläufen. Die Leitlinien empfehlen ein gezieltes Screening auf Hyperkortisolismus bei Erwachsenen, deren Glukosewerte trotz der Gabe mehrerer blutzuckersenkender Medikamente unzureichend kontrolliert bleiben. Dem Bericht zufolge identifizierte eine solche Untersuchung bei etwa 25 % der Betroffenen eine behandelbare Ursache.

Zur Untermauerung verweist das Dokument auf die CATALYST-Studie des Unternehmens Corcept Therapeutics. In dieser Untersuchung mit 1.057 Teilnehmern, die an schwer einstellbarem Diabetes litten, wurde bei 24 % Hyperkortisolismus festgestellt.

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Anschließend wurden 136 Teilnehmer im Verhältnis 2:1 randomisiert und über 24 Wochen mit Mifepriston oder einem Placebo behandelt. Die im April und Dezember 2025 in Diabetes Care publizierten Ergebnisse wiesen unter Mifepriston einen HbA1c-Rückgang von -1,47 % aus, verglichen mit -0,15 % in der Placebogruppe, was einer Differenz von -1,32 % entspricht.

Typ-1-Diabetes: Medizintechnik und krankheitsmodifizierende Therapien

Für Erwachsene mit Typ-1-Diabetes aktualisierten ADA und EASD ihren Konsensbericht aus dem Jahr 2021. Hierbei nimmt die Technologieintegration einen zentralen Rang ein: Automatisierte Insulinabgabesysteme (AID-Systeme) werden bei kontinuierlicher Anwendung als optimale Methode für die Insulinverabreichung bewertet.

Zudem greift der Bericht Fortschritte bei krankheitsmodifizierenden Therapien auf. Er führt Teplizumab als die erste durch die US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Therapie auf, die den Ausbruch des klinischen Stadiums 3 bei Typ-1-Diabetes verzögern kann.

Ergänzt wird die Leitlinie durch Empfehlungen zum Adipositas-Management, das neben Verhaltenstherapien und GLP-1-basierten Medikamenten der zweiten Generation bei Bedarf auch bariatrisch-chirurgische Eingriffe umfasst.

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