Diabetes, COVID-19

Diabetes nach COVID-19: 7,3% der Gesunden entwickeln Stoffwechselstörung

Veröffentlicht: 01.07.2026 um 15:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Brasilianische Studie belegt verzögerte Erholung und mehr Komplikationen bei Diabetikern nach COVID-19. Auch psychische Belastung und neue Therapien im Fokus.

Corona-Folgen: Diabetiker genesen langsamer und leiden stÀrker
Diabetes - Nahaufnahme eines BlutzuckermessgerĂ€ts, das einen hohen Wert anzeigt, mit einem verschwommenen Hintergrund eines Krankenhauszimmers. 01.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Studie der UniversitÀt São Paulo, veröffentlicht in Scientific Reports.

Verzögerte Genesung und mehr Komplikationen

Die Forscher untersuchten 870 hospitalisierte Patienten ĂŒber sieben Monate. Das Ergebnis: 94,3 Prozent der Nicht-Diabetiker waren nach dieser Zeit vollstĂ€ndig genesen. Bei Diabetikern lag der Wert mit 89,8 Prozent deutlich niedriger.

Auch die körperliche Verfassung leidet stĂ€rker. Die Sturzrate nach der Entlassung war bei Diabetikern mit 21 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe (11,1 Prozent). Der Krankenhausaufenthalt dauerte im Schnitt 16 statt 13 Tage. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko fĂŒr Herzinfarkte und Angina Pectoris.

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Kann Corona Diabetes auslösen?

Die Forschung liefert zunehmend Hinweise, dass eine Infektion selbst Diabetes begĂŒnstigen kann. In der brasilianischen Studie entwickelten 7,3 Prozent der zuvor gesunden Patienten nach ihrer COVID-19-Erkrankung die Stoffwechselstörung.

Eine schwedische Registerstudie mit 9,5 Millionen Personen untermauert diesen Befund. Innerhalb der ersten 30 Tage nach einem positiven Test stieg das Risiko fĂŒr Typ-1-Diabetes bei Kindern um das 5,41-Fache, bei Erwachsenen um das 3,33-Fache. Nach einem Monat normalisierte sich das Risiko wieder. Ein Zusammenhang mit Impfungen wurde nicht festgestellt.

Psychische Belastung bei Diabetes

Die RKI-Studie „Gesundheit 65+“ zeigt: Ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden psychisch stĂ€rker. Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr depressive Symptome ist um 60 Prozent höher als bei Gleichaltrigen ohne Diabetes.

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Die Lebenszufriedenheit fĂ€llt um 41 Prozent geringer aus. Antriebslosigkeit, GleichgĂŒltigkeit und Einsamkeit treten in der Altersgruppe ab 65 Jahren deutlich hĂ€ufiger auf.

Neue TherapieansÀtze in Sicht

Auf dem CEDA-Jahreskongress Ende Juni in DĂŒsseldorf stand die PrĂ€zisionsdiabetologie im Fokus. Ein Schwerpunkt: die Behandlung der Fettlebererkrankung MASLD, von der rund 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker betroffen sind.

Die EMA hat zudem Empfehlungen fĂŒr neue PrĂ€parate ausgesprochen. Dazu gehört das wöchentliche Insulin Efsitora alfa fĂŒr Typ-2-Diabetes. SGLT2-Inhibitoren wie Dapagliflozin oder Empagliflozin zeigen vielversprechende Ergebnisse beim Schutz von Nieren und Herz – wichtig, denn 30 bis 40 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln im Verlauf NierenschĂ€den.

FĂŒr Typ-1-Diabetes gibt es Hoffnung aus Chicago: Eine Phase-2-Studie der University of Chicago testete den Antikörper Tegoprubart. Nach einer Inselzelltransplantation erreichten zwölf Probanden vollstĂ€ndige InsulinunabhĂ€ngigkeit – ohne Abstoßungsreaktionen.

Zuckersteuer ab 2028 geplant

Die Bundesregierung will gegensteuern: Ab 2028 ist eine Zuckersteuer auf gesĂŒĂŸte GetrĂ€nke geplant. Sie ersetzt eine ursprĂŒnglich diskutierte Sonderabgabe, gegen die verfassungsrechtliche Bedenken bestanden. Die erwarteten Einnahmen von rund 450 Millionen Euro pro Jahr sollen den gesetzlichen Krankenkassen zugutekommen. Die GetrĂ€nkewirtschaft hat bereits Widerstand angekĂŒndigt.

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