Diabetes unter 55: Herzinsuffizienz-Risiko liegt laut Studie deutlich höher
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.dePatienten mit Diabetes weisen ein ĂŒberdurchschnittlich hohes Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf, insbesondere fĂŒr eine sich entwickelnde Herzinsuffizienz. Gleichzeitig bleibt diese Komplikation in vielen FĂ€llen lange unbemerkt.
Klinische Erkenntnisse aus der randomisierten kontrollierten TARTAN-HF-Studie von Taylor-Sweet und Kollegen im Journal of the American College of Cardiology zeigen, dass die Dunkelziffer bei Herzinsuffizienz unter Diabetes-Betroffenen betrĂ€chtlich ist und ein gezieltes Screening mittels des Biomarkers NT-proBNP spĂŒrbaren Nutzen stiftet.
Hohe Dunkelziffer und anhaltende kardiovaskulÀre Risiken
Herzinsuffizienz zĂ€hlt zu den am hĂ€ufigsten ĂŒbersehenen Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus. Wie die TARTAN-HF-Studie verdeutlicht, kann die systematische Bestimmung von NT-proBNP dazu beitragen, gefĂ€hrdete Personen frĂŒhzeitig zu identifizieren und therapeutisch zu begleiten.
Dass eine optimale Stoffwechseleinstellung allein nicht ausreicht, um das Risiko vollstĂ€ndig zu bannen, unterstreichen auch groĂe epidemiologische Erhebungen.
In einer schwedischen Kohortenstudie mit 271.174 Typ-2-Diabetes-Patienten und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,7 Jahren, bei der 175.345 TodesfĂ€lle erfasst und mit 1.355.870 Kontrollen verglichen wurden, blieb das Hospitalisierungsrisiko fĂŒr Herzinsuffizienz selbst bei optimal eingestellten Parametern erhöht.
Bei Patienten, bei denen alle fĂŒnf Zielwerte fĂŒr HbA1c, LDL-Cholesterin, Albuminurie, Rauchen und Blutdruck im Zielbereich lagen, ergab sich fĂŒr die GesamtmortalitĂ€t eine Hazard Ratio von 1,06 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,00 bis 1,12).
Wer sich mit der langfristigen Ăberwachung von Blutzucker- und Stoffwechselwerten befasst, sollte die Bedeutung der einzelnen Laborergebnisse genau kennen. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report erklĂ€rt verstĂ€ndlich, was wichtige Blutwerte wirklich aussagen und wie man Fehldiagnosen vermeidet. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Das Risiko fĂŒr einen akuten Myokardinfarkt lag bei einer Hazard Ratio von 0,84 (0,75 bis 0,93) und fĂŒr einen Schlaganfall bei 0,95 (0,84 bis 1,07). FĂŒr eine Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz lag die Hazard Ratio hingegen bei 1,45 (1,34 bis 1,57). Besonders ausgeprĂ€gt zeigte sich dieser Effekt bei Personen unter 55 Jahren mit einer Hazard Ratio von 11,35 (7,16 bis 18,01).
Zusammenspiel von mikrovaskulÀren SchÀden und Nierenfunktion
Die kardiovaskulĂ€re GefĂ€hrdung korreliert eng mit weiteren OrganschĂ€den. In der TADE-Studie wiesen 23,8 Prozent von 5.097 untersuchten Diabetikern, darunter 2.544 MĂ€nner und 2.553 Frauen, ein hohes MakrogefĂ€Ărisiko auf; knapp 30 Prozent befanden sich im Hochrisikobereich fĂŒr chronische Nierenerkrankungen.
In einer Untersuchung von Huang und Kollegen aus dem Jahr 2025 lag die Hazard Ratio bei mindestens zwei mikrovaskulĂ€ren Komplikationen fĂŒr Schlaganfall, Myokardinfarkt oder GesamtmortalitĂ€t bei 1,73 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,16 bis 2,59). Isoliert betrachtet betrug die Hazard Ratio fĂŒr einen Schlaganfall 2,61 und fĂŒr einen Myokardinfarkt 1,67.
Auf der 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Nephrologie in Leipzig wurde hervorgehoben, dass chronische Nierenerkrankungen zu den bedeutendsten Risikofaktoren fĂŒr Herz-Kreislauf-Leiden gehören.
Die frĂŒhzeitige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist entscheidend, um LangzeitschĂ€den an GefĂ€Ăen und Organen vorzubeugen. Erfahren Sie in diesem Gratis-Ratgeber, wie Sie mit nur 7 einfachen 3-Minuten-Ăbungen Ihre Werte auf natĂŒrlichem Weg positiv beeinflussen können. 7 Ăbungen zur Blutzuckersenkung gratis sichern
Nephrologin Sibylle von Vietinghoff vom UniversitÀtsklinikum Bonn warnte in diesem Rahmen davor, die prognostische Bedeutung einer bereits leicht bis mittelgradig eingeschrÀnkten Nierenfunktion zu unterschÀtzen, da diese hÀufig unerkannt bleibe.
LĂŒcken bei der Implementierung strukturierter Risikorechner
Trotz des Wissens um kardiovaskulĂ€re und renale ZusammenhĂ€nge bestehen in der ambulanten Versorgung weiterhin Umsetzungsdefizite. Eine Umfrage der University of Pennsylvania im Rahmen eines Programms der American Heart Association unter 97 ĂŒberwiegend ambulanten US-Kliniken ergab, dass zwar 75 Prozent der Einrichtungen auf kardiovaskulĂ€r-renale Stoffwechselerkrankungen screenen und 73 Prozent Risikofaktoren systematisch prĂŒfen.
Dagegen setzten lediglich 28 Prozent den PREVENT-Risikorechner ein, 22 Prozent nutzten das entsprechende Stadiensystem und nur 22 Prozent maĂen routinemĂ€Ăig den Taillenumfang. Die Integration einfacher Biomarker wie NT-proBNP und strukturierter Bewertungsverfahren bleibt damit ein zentraler Hebel, um Herzinsuffizienz bei Diabetes frĂŒhzeitig zu erkennen.
