Diabetes-Versorgung, Irland

Diabetes-Versorgung spaltet sich: Irland baut aus, Deutschland spart

30.05.2026 - 12:23:05 | boerse-global.de

Irland plant milliardenschwere CGM-Ausweitung, Deutschland kürzt Hilfsmittel. Abbott erhält CE-Zeichen für Libre Duo.

Studie: Gezieltes Training steigert kritisches Denken um 68 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Studie: Gezieltes Training steigert kritisches Denken um 68 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Während einige Länder die Kosten für moderne Überwachungssysteme übernehmen, bremsen andere aus Budgetgründen. Besonders in Europa zeichnen sich gegenläufige Trends ab: Irland baut die Versorgung aus, Deutschland diskutiert über Einsparungen.

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Irland setzt auf Technologie für Diabetiker

Die irische Regierung hat Ende Mai einen nationalen Strategieplan für Diabetes vorgestellt. Gesundheitsministerin Jennifer Carroll MacNeill präsentierte am 29. Mai das Papier „Diabetes Policy and Services Review: A Strategy for Better Care". Im Fokus stehen der Ausbau von Dienstleistungen und der Zugang zu Technologien wie kontinuierlichem Glukosemonitoring (CGM) und Insulinpumpen.

Bereits einen Tag später forderte der irische Gesundheitsdienst HSE eine offizielle Bewertung durch die Gesundheitsbehörde HIQA. Geprüft werden soll, ob sich eine Ausweitung der CGM-Erstattung auf alle insulinpflichtigen Typ-2-Diabetiker lohnt. Erste Schätzungen gehen von jährlichen Kosten von über 145 Millionen Euro aus. Bislang wird CGM in Irland seit Ende 2023 nur für Typ-1-Diabetiker erstattet. Mitte 2026 nutzen bereits über 22.000 Patienten die Technologie.

Deutschland: Spargesetz gefährdet Diabetes-Versorgung

Ganz anders die Lage in Deutschland. Hier drohen Einschränkungen durch das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Das Bundeskabinett billigte den Entwurf am 29. April 2026. Am 28. Mai schlugen führende medizinische Organisationen Alarm – darunter die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE.

Das Gesetz sieht mehrere Maßnahmen vor, die den Zugang zu Messtechnik und Medikamenten erschweren könnten:

  • Eine pauschale Kürzung aller Hilfsmittel-Vergütungen um drei Prozent für 2027 und 2028
  • Höhere Zuzahlungen: Der Mindestbetrag steigt von fünf auf 7,50 Euro, der Höchstbetrag von zehn auf 15 Euro – das betrifft Sensoren und Teststreifen
  • Streichung von Sondervergütungen für digitale Gesundheitsanwendungen wie das Befüllen der elektronischen Patientenakte (ePA)

Die geplanten Maßnahmen sollen helfen, eine prognostizierte Finanzierungslücke von 40 Milliarden Euro bis 2030 zu schließen. Kritiker warnen vor sinkender Versorgungsqualität und höheren Belastungen für Patienten.

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Abbott bringt Doppelsensor auf den Markt

Während die Politik ringt, treibt die Industrie die technische Entwicklung voran. Abbott erhielt am 28. Mai die CE-Kennzeichnung für seine Systeme Libre Duo und Libre Duo 10 Day. Es sind die ersten kontinuierlichen Sensoren, die gleichzeitig Glukose- und Ketonwerte messen.

Die Sensoren liefern minütliche Messwerte und warnen frühzeitig vor einer diabetischen Ketoazidose (DKA). Das Standardmodell Libre Duo bietet eine Tragedauer von 15 Tagen für Erwachsene, die 10-Tage-Version ist bereits für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. Abbott plant, die Sensoren noch 2026 in ausgewählten EU-Ländern einzuführen. In den USA läuft noch die Prüfung durch die FDA – CEO Robert Ford rechnet mit einer Zulassung in der zweiten Jahreshälfte. Die Diabetes-Sparte von Abbott erzielte 2025 einen Umsatz von knapp acht Milliarden US-Dollar.

Weltweit uneinheitliche Erstattung

Die Kostenübernahme für Kombinationspräparate gegen Diabetes und Adipositas bleibt international ein Flickenteppich. In Südkorea werden bestimmte GLP-1-Medikamente seit Februar 2026 erstattet – allerdings auf Basis veralteter Leitlinien von 2011. Viele Patienten mit Dreifachtherapie oder SGLT-2-Hemmern gehen leer aus. Preisverhandlungen für neuere Mittel wie Mounjaro scheiterten im Mai, das Präparat wurde von der Erstattungsliste gestrichen.

In den USA weiten große Apothekenverwalter (PBMs) die Kostenübernahme aus. CVS Caremark nimmt ab 1. Juni ein neues orales GLP-1-Präparat (Foundayo) in die bevorzugte Liste auf. Zepbound kehrt am 1. Oktober ins Sortiment zurück. Ab 1. Juli übernimmt zudem Medicare Part D die Kosten für bestimmte Patienten – mit monatlichen Zuzahlungen von rund 50 US-Dollar.

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