Diabetischer Fuß: Bis zu 60 Prozent der Geschwüre infizieren sich
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beginn der kalten Jahreszeit steigen die gesundheitlichen Risiken für Menschen mit Diabetes mellitus erheblich. Medizinische Fachleute warnen vor einer saisonalen Verschlechterung der Fußgesundheit, die durch das Zusammenspiel von niedrigen Temperaturen, verengten Blutgefäßen, trockener Haut und veränderten Gangmustern begünstigt wird. Unbemerkt gebliebene Läsionen können bei bestehenden Grunderkrankungen rasch zu schwerwiegenden Komplikationen führen.
Gefäßverengung und verändertes Gangbild im Winter
Niedrige Außentemperaturen führen dazu, dass sich die peripheren Blutgefäße zusammenziehen. Infolgedessen sinkt die Sauerstoffversorgung im Gewebe, wodurch die Wundheilung spürbar beeinträchtigt wird. Bei Diabetespatienten, die häufig unter einer diabetischen Neuropathie leiden und Schmerzen oder Kälte an den Extremitäten kaum wahrnehmen, erhöht dies die Gefahr von Infektionen und Gewebsnekrosen.
Zusätzliche Gefahren entstehen durch winterliche Witterungsbedingungen und das Raumklima. Trockene Heizungsluft begünstigt Mikrorisse in der Haut, über die Krankheitserreger leicht eindringen können.
Darüber hinaus führen Schnee und Glatteis zu veränderten Gangmustern: Ein gebeugtes Gehen oder verstärkter Druck auf die Zehen bündelt die mechanische Belastung. Diese Druckspitzen können unbemerkt innere Einblutungen, Entzündungen und Druckgeschwüre hervorrufen.
Berichte betonen daher, dass therapeutische Maßnahmen nicht allein auf die lokale Desinfektion von Wunden beschränkt bleiben dürfen, sondern gezielt die Durchblutung verbessern müssen – etwa durch bildgebende Gefäßdiagnostik oder hyperbare Sauerstofftherapie. Ein Taubheitsgefühl in den Füßen sollte keinesfalls als bloße Alterserscheinung abgetan werden.
Schädigung der Nerven und fehlerhafte Wärmeanwendung
In den Wintermonaten registrieren klinische Abteilungen regelmäßig einen Anstieg akuter Fußprobleme. Shao Huige, Chefarzt für Endokrinologie am Changsha Central Hospital, weist darauf hin, dass chronisch hoher Blutzucker sowohl Nervenbahnen als auch Mikrogefäße nachhaltig schädigt.
Durch das verringerte Schmerz- und Temperaturempfinden werden Kälte oder Verletzungen oft nicht rechtzeitig registriert. Verengt die Kälte die Gefäße weiter, heilen selbst minimale Schrunden kaum ab; im ungünstigsten Fall drohen Gangrän und Amputationen.
Wie trügerisch das verminderte Temperaturempfinden sein kann, illustriert ein klinischer Fall aus dem Changsha Central Hospital: Ein 62-jähriger Mann mit seit zwölf Jahren bestehendem, schlecht eingestelltem Typ-2-Diabetes nahm ein heißes Fußbad.
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Da er die tatsächliche Wassertemperatur aufgrund der Nervenschädigung nicht spürte, zog er sich Verbrennungen und Blasen zu. Nach dem eigenmächtigen Eröffnen der Blasen entwickelten sich innerhalb von drei Tagen Rötungen und Eiterungen. Die Mediziner diagnostizierten ein infiziertes diabetisches Fußsyndrom, das nach intensiver Behandlung stabilisiert werden konnte.
Zur Vorbeugung empfiehlt der Endokrinologe vier grundlegende Verhaltensregeln: die strikte Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerten; Fußbäder nur bei 37 bis 40 Grad Celsius für maximal zehn Minuten unter Kontrolle mit einem Thermometer – unter Verzicht auf Wärmflaschen oder Heizdecken; die tägliche Inspektion von Sohlen, Zehenzwischenräumen und Nagelrändern sowie das Tragen von atmungsaktiven, lockeren Baumwollsocken und geeignetem Kälteschutz im Freien.
Diagnostische Abklärung und Schmerzerleben
Kalte Füße sind im Winter grundsätzlich eine natürliche physiologische Reaktion. Dr. Hossam Mowafi, Professor für kritische Fälle an der Medizinischen Fakultät Kasr El-Aini, betont jedoch, dass kalte Extremitäten ein Warnzeichen für eine Verengung oder den Verschluss von Beingefäßen sein können. Dies gelte insbesondere für Risikogruppen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Nikotinkonsum. Zur präzisen Abklärung der Durchblutungssituation dient dabei ein Doppler-Ultraschall der Beingefäße.
Entgegen der Annahme, dass Neuropathien grundsätzlich zu Schmerzfreiheit führen, zeigen wissenschaftliche Erhebungen ein anderes Bild. In einer Dissertation an der Universität Göteborg unter der Leitung der Pflegewissenschaftlerin Anneli Ringblom berichten Betroffene von starken, unvorhersehbaren Schmerzen durch Fußulzera.
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Die Intensität reiche von dumpfem Ziehen bis zu messerstichartigen Empfindungen, trete zu jeder Tageszeit auf und führe häufig zu Schlafstörungen. Schmerzen würden im Gesundheitssystem oft nicht ausreichend erfragt oder von Fachkräften verkannt, weshalb Patienten die Behandlung häufig allein steuern müssen. Ulzera manifestieren sich typischerweise an Zehen, Vorfuß und Ferse und betreffen sowohl Menschen mit Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes.
Risikofaktoren und Warnsignale
Nach Angaben der Korea Disease Control and Prevention Agency steigt das Risiko für diabetische Fußkomplikationen mit der Dauer der Erkrankung, unzureichender Blutzuckereinstellung, Begleiterkrankungen wie Hypertonie und Adipositas sowie bestehenden Deformitäten oder vorangegangenen Ulzera.
Besteht der Diabetes länger als zehn Jahre, ist mindestens einmal jährlich eine professionelle Fußuntersuchung einschließlich Sensibilitäts-, Vibrations- und Knöchel-Arm-Index-Tests angeraten. Bis zu 60 Prozent der diabetischen Fußgeschwüre infizieren sich, was eine der Hauptursachen für spätere Amputationen darstellt.
Medizinische Leitlinien raten zu sofortiger Wachsamkeit bei Verfärbungen, Schwellungen oder Formveränderungen. So mahnen die NICE-Empfehlungen, bei Rötung, Wärme und Schwellung auch an eine akute Charcot-Arthropathie zu denken, die eine sofortige Druckentlastung und Ruhigstellung erfordert.
Generell gilt: Bei Wunden, die länger als zwei Wochen bestehen, oder bei Einrissen und Rötungen an den Fersen sollte die Pflege umgehend in Abstimmung mit podologischen und ärztlichen Fachkräften erfolgen.
