Diabetischer, Fuß

Diabetischer Fuß: Sirolimus-Ballon erzielt nach drei Jahren 88,2 Prozent

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie zeigt nach drei Jahren Vorteile fĂŒr Sirolimus-Ballons bei Revaskularisationen; koordinierte Versorgung kann Amputationen verringern.
Moderner, steriler Operationssaal mit medizinischer Bildgebungstechnologie und dunklen Monitoren in einer Fachklinik. Illustration mit AI erstellt.

Klinische Berichte verdeutlichen zunehmend den Stellenwert minimalinvasiver vaskulĂ€rer Techniken zur Wiederherstellung der Durchblutung sowie die Bedeutung begleitender rehabilitativer Maßnahmen, falls Amputationen unvermeidbar bleiben.

Bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom fĂŒhren GefĂ€ĂŸschĂ€den und NervenausfĂ€lle hĂ€ufig zu unbemerkten Wunden, die bei mangelnder Durchblutung rasch eskalieren. Neue endovaskulĂ€re BehandlungsansĂ€tze und strukturierte interdisziplinĂ€re Versorgungsmodelle zielen darauf ab, den ExtremitĂ€tenerhalt entscheidend zu verbessern.

EndovaskulĂ€re Therapien und moderne GefĂ€ĂŸtechnologien

Zur Wiederherstellung des Blutflusses kommen in spezialisierten Zentren moderne Katheterverfahren zum Einsatz. Am Hospital Juårez de México (HJM) setzt man auf den ExtremitÀtenerhalt mittels Technologie, chirurgischer Eingriffe und minimalinvasiver Verfahren.

Wie der dortige Angiologe und GefĂ€ĂŸchirurg Felipe Alejandro Piña AvilĂ©s darlegt, werden GefĂ€ĂŸe eröffnet oder BypĂ€sse angelegt. Zudem nutzt das HJM endovaskulĂ€re Eingriffe mit Angioplastie-Ballons und Aterektomie-GerĂ€ten sowie HĂ€modynamik-RĂ€ume, Ultraschall und Angiographie.

Die Spezialklinik fĂŒhrt rund 150 Eingriffe pro Jahr zur ExtremitĂ€tenerhaltung durch. Piña AvilĂ©s weist zudem darauf hin, dass GefĂ€ĂŸschĂ€den an den FĂŒĂŸen auf systemische Probleme hindeuten können und das Risiko fĂŒr Infarkte, SchlaganfĂ€lle sowie ExtremitĂ€tenverlust erhöhen.

Auch bei der medikamentösen Beschichtung von Ballons gibt es neue Daten. In der randomisierten Multicenterstudie SIRONA, die auf dem Kongress TCT 2026 vorgestellt wurde, wurden unter der Leitung von Prof. Ulf TeichgrĂ€ber vom UniversitĂ€tsklinikum Jena 482 Patienten aus 25 Zentren in Deutschland und Österreich untersucht.

Verglichen wurde der Sirolimus-beschichtete Ballon Magic Touch (238 Patienten) mit einem Paclitaxel-beschichteten Ballon (244 Patienten) bei symptomatischer femoropoplitealer Erkrankung.

Nach drei Jahren zeigte sich eine signifikant höhere Freiheit von zielĂ€sionsbezogenen Revaskularisationen in der Sirolimus-Gruppe mit 88,2 Prozent gegenĂŒber 80,2 Prozent unter Paclitaxel. BezĂŒglich GesamtmortalitĂ€t (beide 7,4 Prozent) und Amputationsrate unterschieden sich die Gruppen nicht; das amputationsfreie Überleben lag bei 92,1 Prozent beziehungsweise 92,2 Prozent.

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Ein Review zu wirkstoffbeschichteten Ballons unterstreicht, dass solche Verfahren antiproliferative Wirkstoffe ohne dauerhaftes Implantat abgeben, die Wirksamkeit bei fortgeschrittener pAVK jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung bleibt.

InterdisziplinÀre Versorgung senkt Amputationsraten

Verzögerungen bei der Diagnose gelten international als wesentlicher Treiber fĂŒr ExtremitĂ€tenverluste. Dr. Apurva Srivastava vom Sir Ganga Ram Hospital in Neu-Delhi erklĂ€rt, dass NervenschĂ€den Schmerzen maskieren und Durchblutungsstörungen die Wundheilung behindern, weshalb je nach Befund BypĂ€sse oder endovaskulĂ€re Eingriffe nötig seien.

Auf einer Fachtagung betonte Dr. M. K. Mudgal von der IMA South Delhi Branch die Notwendigkeit eines abgestimmten Handelns von GefĂ€ĂŸchirurgen, Diabetologen und WundpflegekrĂ€ften. Dr. Varun Gupta von Medvital verwies in diesem Kontext auf moderne WundversorgungsansĂ€tze wie FlĂŒssigverbĂ€nde, Unterdruck-Wundtherapie und ExtrazellulĂ€rmatrix-Technologien.

Dass organisierte Netzwerke greifen, zeigt das Hospital Universitario de Cabueñes im spanischen GijĂłn mit seiner neuen Einheit fĂŒr diabetischen Fuß und chronische Wunden, die jĂ€hrlich rund 600 Patienten versorgen soll.

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Koordinator Dr. Pablo del Canto betont das Zusammenwirken von Angiologie, Endokrinologie, Traumatologie, Infektiologie und Rehabilitation sowie spezialisierter Pflege und Podologie. Daten anderer Kliniken belegen laut dem Zentrum, dass multidisziplinĂ€re Betreuung große Amputationen um 39 bis 56 Prozent senken kann.

FrĂŒhzeitige Diagnostik gegen strukturelle Versorgungsbarrieren

In den USA zielt die American Heart Association darauf ab, die geschĂ€tzten 150.000 jĂ€hrlichen Unterschenkelamputationen bis 2030 um 20 Prozent zu reduzieren, da fast die HĂ€lfte der Betroffenen ĂŒber 65 Jahren innerhalb eines Jahres nach dem Eingriff stirbt. Die 2022 von Dr. Pedro Martinez-Clark gegrĂŒndete Amavita Foundation fĂŒhrt hierzu Screenings mittels Knöchel-Arm-Index und Ultraschall durch.

Gleichzeitig bestehen vielerorts HĂŒrden im Regelsystem: Am Kreiskrankenhaus Szamotu?y in Polen berichtet Dr. Piotr Liszkowski, dass trotz guter Ergebnisse eines Pilotprojekts noch kein umfassendes Versorgungsmodell fĂŒr den diabetischen Fuß in die Regelversorgung ĂŒbernommen wurde; Abrechnungsprobleme und fehlende Diagnosecodes behinderten die Umsetzung.

Modelle wie das Cluster-Projekt in Swansea Bay zeigen hingegen, dass strukturierte Zuweisungen die Wartezeiten bei Verdacht auf arterielle Verschlusskrankheit von zwei Jahren auf zwei Wochen senken können.

Auch bei der konservativen Begleittherapie ist Genauigkeit geboten: Prof. Dr. Ulrich Rother vom UniversitĂ€tsklinikum Erlangen hebt hervor, dass Kompression bei venösen Ödemen zwar essenziell ist, bei fortgeschrittener arterieller Verschlusskrankheit mit einem Knöchel-Arm-Index unter 0,5 jedoch eine klare Kontraindikation darstellt.

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